Nordfrankreich im Juli: Ein achtjähriger Junge spielt mit seinem glitzernden Squishy. Plötzlich platzt das mit Gel gefüllte Spielzeug. Der Junge erleidet Verbrennungen zweiten Grades im Gesicht und am Oberkörper. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die französische Verbraucherschutzbehörde DGCCRF untersucht das Produkt. Warum das Trendspielzeug platzte, ist noch unklar.
Squishy-Boom in den USA
Neu sind die weichen Quetschspielzeuge nicht: Schon vor einigen Jahren waren vor allem Figuren aus Schaumstoff beliebt. In diesem Jahr erleben sie aber ein echtes Comeback. Besonders gefragt sind Würfel, sogenannte Buns oder Dumplings, oft in verschiedenen Farben zum Sammeln. Wie stark der Trend ist, zeigen Zahlen aus den USA. Nach Angaben des Marktforschers Circana lagen die Zuwachsraten von Squishies dort in den ersten vier Monaten 2026 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum im dreistelligen Prozentbereich. Beliebt sind sie aber auch in Deutschland. Im Spielwarenhandel und Online-Shops werden ganz unterschiedliche Quetschspielzeuge verkauft: Manche bestehen vollständig aus weichem Schaumstoff, andere haben eine dehnbare Hülle und sind etwa mit Gel, Flüssigkeit, Kügelchen oder Sand gefüllt.
Hype mit Schattenseiten
Treiber des Wachstums ist vor allem Social Media. In sozialen Netzwerken werden Squishies vor der Kamera zuerst zusammengedrückt und geknetet und nehmen anschließend wieder ihre ursprüngliche Form an. Viele Nutzer empfinden solche kurzen Videos als entspannend. Hinzu kommt der Sammelreiz: Es gibt zahlreiche Varianten, manche davon sind selten oder stecken in Überraschungsverpackungen. Wer eine besondere Figur erwischt, zeigt sie wiederum im Netz – und kurbelt damit die Nachfrage weiter an. Bei einzelnen Herstellern führte das zeitweise zu Engpässen. Doch der Trend hat auch Schattenseiten. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) hatte schon bei einer früheren Squishy-Welle auf ein grundsätzliches Problem schnelllebiger Modespielzeuge hingewiesen. Der Zeitdruck bei der Produktion kann dazu führen, dass Qualität und Sicherheit weniger Aufmerksamkeit bekommen.
2019 prüfte das LGL 18 Squishies aus Schaumstoff auf flüchtige organische Verbindungen. In einer Probe fand es das Lösungsmittel Dimethylformamid in messbarer Menge. Das Produkt war zugleich durch einen intensiven, unangenehmen Geruch aufgefallen. Zusätzlich untersuchte das LGL vier elastische Quetschbälle mit Gel oder kleinen Kügelchen. Keines platzte bei den Belastungstests. In zwei Füllungen stellte das Amt mikrobiologische Auffälligkeiten fest. Eine konkrete Gesundheitsgefahr sah es wegen der stabilen Hüllen aber nicht.
Squishies nicht erhitzen
Aktuell prüfen Verbraucherschützer in Frankreich Squishies verschiedener Produktlinien – darunter Dumplings, Buns und Cubes. Sie warnen davor, Squishies etwa in der Mikrowelle zu erhitzen. Manche machen das, um die Figuren formbarer zu machen. Auch in sozialen Medien wird das gezeigt. Dabei können sich jedoch Gel oder Flüssigkeit im Inneren stark aufheizen. Gleiches gilt für Squishies, die im Sommer in Autos liegen bleiben. Platzt die Hülle, drohen Verbrennungen. Ob Squishies grundsätzlich ein erhöhtes Sicherheitsrisiko darstellen, lässt sich derzeit nicht sicher sagen. Klar ist aber: Die Produkte unterscheiden sich stark – und mit einem schnellen Trend wächst auch die Zahl der Anbieter. Was genau steckt in aktuellen Squishies und wie sicher sind sie im Alltag? Das wird gerade geprüft.

