9,39 Sekunden: So schnell ist der humanoide Roboter Tiangong jetzt bei den 2. World Humanoid Robot Games in Peking über 100 Meter gesprintet – schneller als der menschliche Rekordhalter Usain Bolt. Das Video dazu ging um die Welt. Erst im April war ein Roboter einen Halbmarathon schneller als ein Mensch gelaufen. Nun also haben wir Menschen auch im Sprint kaum noch Chancen. Die Entwicklung war erwartbar – nur hilft sie der Menschheit erst einmal wenig – abgesehen vom Entertainment-Faktor.
Weitgehend unbeachtet blieb der Parallel-Wettbewerb, bei dem die Humanoiden Alltags-Aufgaben bewältigen sollten wie Wäsche sortieren, waschen und falten oder aufräumen – also Aufgaben übernehmen, die uns Menschen wirklich entlasten könnten. Und da ist die Bilanz ganz und gar nicht rekordverdächtig. Das erklärt vielleicht auch, warum bei den Alltags-Wettbewerben fast ausschließlich chinesische Medienvertreter zugelassen sind – im Gegensatz zu den sportlichen Events.
Luft nach oben: Humanoide als nützliche Haushaltshelfer
Als einziges ausländisches Team konnten beim Wettbewerb mit Haushaltsaufgaben deutsche Journalisten teilnehmen. In den fünf Stunden, in denen das ZDF-Team in einer Wettbewerbs-Musterwohnung die räumenden, sortierenden und ein Paket entgegennehmenden Humanoiden beobachtete, scheiterten alle an der Aufgabe – auch der Bolt-Bezwinger Tiangong. Netzwerkprobleme.
Dabei wäre das eigentlich die Disziplin, die die Menschen weltweit viel eher interessieren dürfte – abgesehen von den scheinbar aus der Science Fiction entsprungenen Bildern einer ins Stadion einmarschierenden Humanoiden-Armee wie wir sie sonst nur von den Olympia-Eröffnungszeremonien kennen.
Jeder zweite kann sich einen Humanoiden daheim vorstellen
Geht es nach den Menschen, die der Branchenverband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche (Bitkom) gerade erst für seine Studie (externer Link) befragt hat, dann kann sich knapp die Hälfte der Menschen in Deutschland einen KI-gesteuerten Roboter im Haushalt vorstellen.
87 Prozent würden ihn zum Aufräumen nutzen, 73 Prozent zum Putzen. Beim Wäschewaschen, an dem die Roboter in Peking bislang scheitern, wünschen sich 49 Prozent der Befragten eine Unterstützung. Gleichzeitig fürchten sich 53 Prozent davor, die Kontrolle daheim abzugeben, 46 Prozent der Befragten finden die Vorstellung eines Humanoiden im Haushalt unheimlich.
Hintergrund: Die Pekinger Roboter-Spiele
Der Wettbewerb in Peking ist Teil der offiziellen chinesischen Strategie, bis 2030 globaler KI-Marktführer zu werden. Die Regierung hat KI in Robotern zur Zukunfsindustrie erklärt. Bei den Spielen präsentieren die Firmen den aktuellen Stand ihrer Modelle. In Peking treten rund 2.000 Roboter an, verteilt auf 660 Teams aus 16 Ländern – 641 davon kommen aus China. Zu den sportlichen Disziplinen zählen neben dem Sprint auch Fußball und Kickboxen.
Wer sich humanoide Roboter einmal selbst ansehen möchte, muss übrigens nicht bis zu den dritten Roboter-Spielen dort warten. Auf der IFA in Berlin zeigen vom 4. bis 8. September rund 300 Aussteller ihre Entwicklungen.

