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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Goethe-Preis der Stadt Frankfurt für Uwe Timm
Kultur

Goethe-Preis der Stadt Frankfurt für Uwe Timm

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 28. August 2026 10:47
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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„Ich hab, als ich eine Lehre machte, einen Meister gehabt, der war sehr gebildet, und hat mir damals Wilhelm Meisters Lehrjahre gegeben. Das war wirklich ein Einschnitt, diesen Roman zu lesen. Seitdem begleiten mich Figuren und Situationen aus diesem Roman.“

Inhaltsübersicht
Rebellischer Start ins SchriftstellerlebenFunktionierende Antenne für Ungleichheit und UnrechtUwe Timm: „Chronist der Bundesrepublik“

Goethe war also eigentlich von Anfang an da, im Leben des Uwe Timm: Genaueres über erste Lektüren und wie sie entstanden, ist nachzulesen in seinem Buch „Alle meine Geister“ von 2023. Timm kann viele andere Details aufzählen, Vorträge, Prüfungen, Romanfiguren, die alle mit dem Klassiker zu tun haben. Im Münchner Arbeitszimmer des Schriftstellers – unterm Dach, ziemlich heiß bei 35 Grad – hat er eine Goethe-Ausgabe letzter Hand stehen, die also vom Verfasser noch selbst überwacht wurde – irgendwann gekauft von einem Preisgeld. „Einfach so, weil ich das wunderbar fand. Die ersten Bände sind 1827 erschienen, die letzten, da war er schon tot.“

Rebellischer Start ins Schriftstellerleben

Politisch hatte der in Weimar auch als Geheimrat und Minister wirkende Goethe für Revolution – die französische zumal – nichts übrig, und positionierte sich klar auf Seiten der Reaktion. Da steht Timm woanders, aber als freundlicher Mensch sagt er das natürlich höflich: „Ohne über die Gründe nachzudenken, das heißt auch über den Absolutismus, dass nur der Fürst darüber entschied, was gut und richtig ist, das ist irritierend.“

Uwe Timm startete sein Schriftstellerleben eher rebellisch, literarisch mit einem Roman über die 68er-Revolte, an der er – außer-literarisch – selbst teilnahm. Als Student in München war er beim SDS, dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund, besetzte die Universität mit. Als Schriftsteller machte er den kritischen Blick auf Machtverhältnisse, Ungleichheit und Verdrängung zum integralen Bestandteil seines Schreibens. 1968 griff er auf in „Heißer Sommer“, und Jahrzehnte späte nochmal in „Rot“ und in „Der Freund und der Fremde“, ein Buch, in dem er seine Freundschaft zu Benno Ohnesorg beschrieb.

Funktionierende Antenne für Ungleichheit und Unrecht

Über sein ganzes Werk hin sind es immer wieder persönliche Anknüpfungspunkte, auch die Geschichten von Familienmitgliedern, die über Wissenwollen und Verstehenwollen zum Roman werden. „Am Beispiel meines Bruders“ ist da natürlich zu nennen, die erzählenden Auseinandersetzung mit der SS-Mitgliedschaft dieses Bruders. Das Private führt zum Gesellschaftlichen, im Kleinen steckt das Große, und sei es bei der Entdeckung der Currywurst, vielleicht sein größter Bucherfolg, später auch verfilmt.

Besonderes Beispiel für Timms so gut funktionierende Antenne für Ungleichheit und Unrecht ist auch der Roman „Morenga“ über deutsche Kolonialverbrechen, erschienen lange bevor Postcolonial Studies ein beliebtes Studienfach wurden. „In jedem Buch, sei es ‚Morenga‘ oder ‚Heißer Sommer‘, steckt immer auch etwas Biographisches. Im Schreiben ist es auch ein Klärungsprozess, ein Nachdenken über sich, und man verändert sich im Schreiben selbst auch.“

Uwe Timm: „Chronist der Bundesrepublik“

In über sieben Jahrzehnten hat Timm, der gelernte Kürschner, sich so, in Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Land – und in vielen Formen inklusive Kinder- und Drehbuch – das Attribut „Chronist der Bundesrepublik“ erschrieben. Es fehlt in keinem Porträt über ihn, und damit ist er auch ganz einverstanden.

Ab heute ist das Werk des 86-jährigen nun auch mit dem Goldrand des nur alle drei Jahre verliehenen Goethepreises verziert. „Ich hab nie mit diesem Preis gerechnet, und deshalb ist es eine doppelte Freude, wenn man den bekommt.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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