Wer auf der Suche nach einer neuen Wohnung ist, muss wieder mit höheren Mietpreisen rechnen: Die Mieten für neu angebotene Wohnungen in Deutschland steigen nach einer Phase der Beruhigung wieder stärker. Wie das Kiel Institut für Weltwirtschaft in einer aktuellen Studie ermittelt hat, sind die Mieten von angebotenen Wohnungen im dritten Quartal um 1,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gestiegen – jedoch ohne Berücksichtigung der Inflation.
Laut der Studie (externer Link) handelt es sich um den stärksten Anstieg seit Anfang 2025. Unter den acht größten deutschen Städten verteuerten sich die Mieten am stärksten in Berlin und Düsseldorf. Sie legten um 2,1 Prozent, beziehungsweise 2 Prozent zu. München liegt bei der Mietverteuerung auf Platz drei mit einer Verteuerung von 1,3 Prozent. Frankfurt am Main und Stuttgart lagen mit jeweils 1,1 Prozent knapp dahinter.
München mit 23,70 Euro Kaltmiete am teuersten in Deutschland
Im Jahresvergleich ist Hamburg mit einem Plus von 6,7 Prozent der Spitzenreiter unter den acht größten Städten. München zählt ebenfalls zu den acht großen Städten Deutschlands mit den größten Mietsteigerungen. Hier sind die Mieten um 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Damit bleibt die bayerische Landeshauptstadt weiterhin mit großem Abstand teuerste Stadt Deutschlands mit einer durchschnittlichen Kaltmiete von 23,70 Euro pro Quadratmeter, gefolgt von Frankfurt am Main (17,90 Euro) und Hamburg (16,50 Euro). Die günstigste im Index erfasste Stadt ist Chemnitz mit 6,30 Euro.
Vergleichsweise stark entwickelten sich die Preise bei Bestandswohnungen. Das sind bereits bewohnte Wohnungen, die in der Tendenz günstiger sind als Neubauwohnungen. Als mögliche Erklärung nennt das Institut, dass sich bei den hohen Preisen nur ein kleinerer Kreis von Haushalten Neubauwohnungen leisten kann. Den Daten zufolge bleiben Neubauwohnungen in den größten Städten im Schnitt 14 Tage länger auf dem Markt als Bestandswohnungen.
Justizministerin Hubig will Gesetz für besseren Mieterschutz voranbringen
Die steigenden Mieten bestimmen auch die politischen Debatten. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) dringt in der Koalition nun darauf, beim Mieterschutz endlich voranzukommen und kündigte an, einen Gesetzesentwurf für besseren Mieterschutz voranbringen zu wollen. „Ich habe bereits im Frühjahr einen Gesetzentwurf für besseren Mieterschutz vorgelegt, der sich eng am Koalitionsvertrag orientiert“, sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Jetzt kommt es darauf an, dass wir zu einer gemeinsamen Lösung kommen und das Gesetzgebungsverfahren voranbringen.“ Am heutigen Donnerstag trifft sich Hubig zum Wohngipfel mit dem Mieterbund und dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB).
Wie wichtig das Thema sei, zeige auch der Blick auf andere europäische Länder. „Das Thema Mieterschutz hat politische Brisanz wie lange nicht“, sagte Hubig. In Spanien hatte es zuletzt Massenproteste gegeben, die sich an der Zwangsräumung der Wohnung einer 87 Jahre alten Frau in Madrid entzündet hatten. Auch bei der Abgeordnetenhauswahl in Berlin spielte das Thema Wohnen und Mieten eine große Rolle, die Linke wurde mit dem Fokus auf das Thema stärkste Kraft in der Hauptstadt.
Der Vorschlag aus dem Ministerium der Justiz und für Verbraucherschutz sieht Änderungen bei Indexmieten, möblierten Wohnungen und Kurzzeitvermietungen vor. „Der Entwurf ist ausgewogen und berücksichtigt die berechtigten Interessen der Vermieterseite“, sagte die Ministerin. Bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfes im Juli hatten Unions-Abgeordnete Lockerungen zugunsten der Vermieter gefordert.
Bauministerin Hubertz sieht erste Erfolge von „Bau-Turbo“
Bundesbauministerin Verena Hubertz (SPD) räumte in der „Augsburger Allgemeinen“ ein (externer Link; möglicherweise Bezahl-Inhalt), dass es schwer sei, eine Wohnung zu finden. Dennoch sieht die SPD-Bauministerin auch Anzeichen einer Trendwende beim Wohnungsbau. Der „Bau-Turbo“ nehme an Fahrt auf. Überall im Land würden mehr Wohnungsprojekte genehmigt.
Der Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, Tim-Oliver Müller, forderte die Bundesregierung zu neuen Programmen auf. Es brauche verlässliche Förderprogramme und Rahmenbedingungen für mehr Investitionen, sagte Müller der „Augsburger Allgemeinen“. Nur so würden aus den Genehmigungen auch bezahlbare Wohnungen.

