Etwa 500.000 Menschen erkranken in Deutschland jährlich an Krebs. Doch die Zahl derjenigen, die daran sterben, ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Das liegt laut Robert Koch-Institut an verbesserten Therapien, aber auch an der Krebsfrüherkennung wie Vorsorgeuntersuchungen. Die gibt es für alle häufigen Krebserkrankungen: Brustkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs, Hautkrebs und – nicht ganz so häufig – Gebärmutterhalskrebs. Ab einem gewissen Alter werden die meisten Untersuchungen auch von der Krankenkasse übernommen.
Brustkrebs- und Prostatakrebsuntersuchung
Für Männer wird ab dem Alter von 45 Jahren einmal jährlich eine Tastuntersuchung der Prostata empfohlen. Frauen können eine Brustabtastung bereits ab 30 Jahren einmal im Jahr in Anspruch nehmen. Für sie wird zwischen 50 und 75 Jahren außerdem alle zwei Jahre eine Mammografie empfohlen, also eine Röntgenaufnahme der Brüste.
Zwar können Röntgenstrahlen auch Krebs verursachen, das Risiko dafür nimmt allerdings laut Bundesamt für Strahlenschutz mit zunehmendem Alter deutlich ab. Außerdem sei der Nutzen, Brustkrebs dadurch frühzeitig zu erkennen, deutlich höher als das Risiko, in der Folge an Brustkrebs zu erkranken.
Zwei Möglichkeiten der Darmkrebsvorsorge
Um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen, gibt es zwei Möglichkeiten: jährlich einen Test auf verborgenes Blut im Stuhl oder zweimal eine Darmspiegelung im Abstand von mindestens zehn Jahren. Beides zahlt die Krankenkasse ab dem Alter von 50 Jahren. Die Darmspiegelung sei laut Julian Holch, Oberarzt der Onkologischen Ambulanz am LMU Klinikum, zwar aufwändiger, aber in der Darmkrebsvorsorge der „Goldstandard“, den er empfehlen würde.
Zusätzliche Vorsorgeuntersuchungen bei Vorbelastung
Generell gilt: Wenn jemand bestimmte Vorerkrankungen hat oder ein enger Verwandter in der Familie bereits Krebs hatte, können solche Untersuchungen auch schon vor den allgemeinen Empfehlungen sinnvoll sein und sollten mit dem Arzt abgesprochen sein. Auch hier zahlt in der Regel die Krankenkasse.
Ähnliches gilt für die Lungenkrebsvorsorge. Diese können aktive und ehemalige starke Raucher im Alter zwischen 50 und 75 Jahren in Anspruch nehmen. Dabei handelt es sich um eine jährliche Computertomographie (CT) der Lunge mit niedriger Strahlendosis.
Hautkrebsscreening und Gebärmutterhalsabstrich
Obwohl es Anfang des Jahres auf der Kippe stand, gibt es nach wie vor das Hautkrebsscreening. Hier schaut sich der Hautarzt den gesamten Körper einmal genau an und überprüft ihn hinsichtlich Auffälligkeiten, die auf schwarzen oder weißen Hautkrebs hindeuten könnten. Ab 35 Jahren können Patienten das alle zwei Jahre in Anspruch nehmen.
Auch bei Gebärmutterhalskrebs ist eine Vorsorgeuntersuchung empfohlen. Frauen können sich von 20 bis 34 Jahren jährlich einem Gebärmutterhalsabstrich unterziehen, ab 35 Jahren nur noch alle drei Jahre, wobei hierbei zusätzlich auch ein Test auf Humane Papillomviren (HPV) gemacht wird.
Vorbeugen wichtiger als Untersuchungen
So nützlich Vorsorgeuntersuchungen bei der Krebserkennung sein können, so seien sie laut Holch „nur ein ganz kleiner Teil“ der Krebsvorsorge. „Da ist das Kind ja quasi schon in den Brunnen gefallen“, erklärt er. Bei Gebärmutterhalskrebs etwa sei eine Impfung wirksamer, als nur regelmäßig zur Vorsorge zu gehen.
14 Empfehlungen zur Krebsvorsorge
Generell spielt bei der Krebsvorsorge die Lebensweise eine große Rolle. Deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) einen Kodex herausgegeben mit 14 Empfehlungen (externer Link), wie man das Krebsrisiko senken kann. Neben gängigen Ratschlägen (nicht rauchen, sich gesund ernähren, körperliche Bewegung etc.) sind dort auch weniger bekannte Empfehlungen aufgelistet. So kann etwa langes Stillen Brustkrebs vorbeugen. Auch sollte man in Risikogebieten (externer Link) Innenräume auf das radioaktive Gas Radon testen lassen, da dieses Lungenkrebs verursachen kann.
Doch selbst wenn man nicht alle Empfehlungen einhalten kann, helfen kleine Schritte. Etwa für körperliche Bewegung mal aufstehen und sich etwas zu trinken holen oder die Treppe anstelle der Rolltreppe nehmen. So betont Holch: „Jede Bewegung im Alltag ist besser als keine Bewegung.“

