Zum ersten Mal seit fünf Jahren werden die durchschnittlichen Kassenbeiträge zum Jahreswechsel nicht ansteigen. Im Schnitt sollen die Kassen weiterhin 17,5 Prozent vom Bruttolohn ihrer Mitglieder nehmen. Das hat der sogenannte Schätzerkreis errechnet. In dem Gremium beraten Fachleute von Krankenkassen, Bundesgesundheitsministerium und Bundesamt für Soziale Sicherung.
Kassen entscheiden für sich
Es ist trotzdem denkbar, dass einige Kassen zum Januar teurer werden, etwa weil sie ihre Rücklagen auf die gesetzlich vorgeschriebene Mindesthöhe auffüllen müssen. Die insgesamt 93 gesetzlichen Kassen entscheiden jeweils für sich selbst, wie hoch ihr Beitragssatz ist. Im Dezember beschließen die Verwaltungsräte der Kassen die Haushalte fürs kommende Jahr.
AOK sieht positives Signal
Dass die Beiträge im Schnitt stabil bleiben sollen, nennt der AOK-Bundesverband eine „gute Nachricht“ für Beitragszahler und Arbeitgeber. Die Sparmaßnahmen der Bundesregierung zeigten Wirkung, erklärt der Kassenverband. Allerdings werde vielen Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, ebenso wie Versicherten und Arbeitgebern durch diese Sparmaßnahmen einiges abverlangt, betont die AOK.
Die AOK ist sich mit anderen Kassenverbänden einig darin, dass es weiterhin Anstrengungen braucht, um das Gesundheitssystem zukunftsfest zu machen und die Finanzen stabil zu halten. Eine Expertenkommission arbeitet derzeit an Vorschlägen für eine große Strukturreform.
Bundesregierung gibt Teil-Entwarnung
Auch Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) erklärte, für die Bundesregierung sei klar, dass die Finanzlage der Kassen angespannt bleibe. „Wir reden die Probleme nicht schön“, betonte Linnemann. Zunächst aber habe die Regierung im Gesundheitssystem „ihr wichtigstes Ziel erreicht“, nämlich stabile Beitragssätze.
Höherer Lohn bedeutet höhere Abzüge
Ein unveränderter Beitragssatz bedeutet allerdings in den meisten Fällen nicht, dass auch die Abzüge vom Bruttolohn unverändert bleiben. Weil die Sozialversicherung einen prozentualen Anteil vom Einkommen erhält, führt jede Lohnerhöhung auch zu höheren Zahlungen an die Sozialkassen.
Wer beispielsweise dieses Jahr 5.000 Euro brutto im Monat verdient und bei einer Kasse ist, die mit dem Beitrag genau im offiziellen Durchschnitt von 17,5 Prozent liegt, zahlt dieses Jahr 875 Euro an die Krankenkasse. Beschäftigte und Arbeitgeber teilen sich diese Summe rechnerisch je zur Hälfte.
Wenn das Einkommen kommendes Jahr um drei Prozent steigt, etwa weil es einen entsprechenden Tarifabschluss gibt, hat ein Arbeitnehmer mit einem bisherigen Einkommen von 5.000 Euro künftig 5.150 Euro im Monat. Weil die Grundlage, von der der Kassenbeitrag höher liegt, steigen auch die Zahlungen an die Kasse: Bei diesem Beispiel um 26,25 Euro auf 901,25 Euro.
Kassen profitieren von Wirtschaftswachstum
Die Koppelung der Kassenbeiträge an einen Anstieg der Löhne soll sicherstellen, dass eine höhere Wirtschaftsleistung automatisch höhere Ausgaben für die Gesundheitsversorgung ermöglicht. Allerdings sind die Kosten in den vergangenen Jahren deutlich schneller gewachsen als die Einnahmen. Das war ein wesentlicher Grund dafür, dass die Kassenbeiträge gestiegen sind.
Gutverdiener zahlen in jedem Fall mehr
Um die Kassenfinanzen insgesamt zu stabilisieren, nimmt die Bundesregierung außerdem Gutverdiener zusätzlich in die Pflicht. Die Beitragsbemessungsgrenze, bis zu der maximal Gelder an die Krankenkassen abgeführt werden müssen, steigt von 5.812,50 Euro im Monat auf 6.375 Euro. Der Anstieg ist um 300 Euro im Monat höher, als es den regelmäßigen Erhöhungen, die es jedes Jahr gibt, entsprechen würde. Dadurch entstehe eine Zusatzbelastung von bis zu 26 Euro im Monat, hat die Bundesregierung errechnet.

