Zugegeben, das Internet dreht vielleicht nicht komplett durch, aber in bestimmten Kreisen ist doch eine gewisse Aufregung zu spüren. Grund ist ein Teaser-Trailer des US-Studios Warner Brothers, veröffentlicht Ende September und gerade mal elf Sekunden lang. Darin zu sehen: eins der bekanntesten Film-Flauschmonster der 80er-Jahre.
Warum Gremlins, wenn man Minions haben kann?
Gizmo ist zurück. Zumindest fast. Im Herbst 2028, kurz vor Halloween, will Warner mit „Gremlins 3“ den teddybärigen Mogwai und seine nicht ganz so niedliche reptilienartige Chaos-Brut zurück ins Kino bringen – ganze 38 Jahre nach dem letzten Teil der Kult-Horrorkomödie.
Bedenkt man, dass „Gremlins 2“ damals an den Kinokassen ziemlich floppte, kann man sich durchaus fragen, warum Warner seine kleinen Monster ausgerechnet jetzt aus der Mottenkiste zaubert. Schließlich gibt es mittlerweile viel zeitgeistigere Plagegeister auf der Leinwand – man denke etwa an die Minions, deren hyperaktive Zerstörungswut durchaus den Geist der Gremlins atmet.
Nur leider fehlt ihnen einfach der Charme der 80er. Die Gremlins sind ganz offensichtlich Teil eines Retrotrends, der nun schon in der zweiten Welle über die Kinoleinwände und Monitore schwappt.
Wir erleben schon die zweite 80er-Welle im Kino
Los ging es vor knapp zehn Jahren mit in den 80ern spielenden Serienerfolgen wie „Stranger Things“ und „The Americans“. Auf je eigene Art griffen sie Themen wie Regierungsparanoia, Untergangsszenarien und Sorgen vor einem Krieg der Supermächte auf – Ängste, die damals aktuell waren und auch heute wieder global gegenwärtig sind.
Insbesondere die Teenager-Mystery-Serie „Stranger Things“ hat dazu beigetragen, dass die Gen Z über neun Jahre und fünf Staffeln hinweg die Popkultur der 80er aufgesogen hat. Die Synthie-Hits von damals sind nicht mehr wegzudenken aus TikTok-Reels und Spotify-Charts. Und ebenso: neu aufgelegte Fashion-Crimes wie Vokuhila, Neon-Blazer und schrecklich schön gemusterte Cliff-Huxtable-Gedächtnispullis.
Apropos: Bill Cosby ist zwar mittlerweile eine Persona non grata, aber die in den 80ern auch in Deutschland extrem populäre Sitcom „The Cosby Show“ und die Geschichten der Familie Huxtable bleiben ein integraler Teil der damaligen Popkultur. Schon nach drei Staffeln bekam Serientochter Denise mit „College Fieber“ ein eigenes Spin-off. Unter dem Originaltitel „A Different World“ gibt es auf Netflix seit Ende September eine Neuauflage der Serie.
Prognose: So schnell wird der Hype nicht abebben
„A Different World“ gehört somit zur zweiten 80er-Retrowelle, in der keine neuen Formate erdacht, sondern die Originale, ob Film oder Serie, weitererzählt oder nochmal von vorn aufgerollt werden. Das kann funktionieren – wie bei „Top Gun: Maverick“, dem „Pumuckl“ und der „Karate Kid“-Serienfortsetzung „Cobra Kai“. Es kann aber auch ordentlich in die Hose gehen wie bei „Tron: Ares“ und „Masters of the Universe“.
Flops allerdings können den Trend nicht aufhalten. Neben den Gremlins sollen in den kommenden Jahren Klassiker wie „Highlander“ und „Die Klapperschlange“ neu aufgelegt werden. Auch „Miami Vice“ soll mit Michael B. Jordan und Austin Butler in den Hauptrollen wiederbelebt werden und 2028 ins Kino kommen.
Fans der ersten Stunde wird man mit solchen Reboots immer erreichen. Selbst wenn sie am Original festhalten und sich im Netz über die Neuauflage aufregen – auch negative Reaktionen liefern Aufmerksamkeit und kostenlosen Werbeeffekt. Und solange die Gen Z ihre Liebe für die 80er beibehält, wird die Welle definitiv nicht abebben.

