2025 starben in Deutschland über 334.100 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das sind anderthalb Prozent weniger als im Vorjahr – verglichen mit 2022 sogar 6,3 Prozent. Die deutlichsten Rückgänge verzeichnet das Statistische Bundesamt [externer Link] bei Herzinfarkten – hier sind es minus 15,2 Prozent – und bei sogenannten zerebrovaskulären Erkrankungen. Dazu gehören Schlaganfälle, Hirnblutungen oder Hirninfarkte.
Bessere Prävention, Behandlung und Nachsorge
„Grundsätzlich ist es sicherlich so, dass wir in der akuten Behandlung und in der Nachsorge besser geworden sind und auch die Prävention besser angenommen wird“, resümiert Hendrik Sager, Kardiologe am Deutschen Herzzentrum am Klinikum der Technischen Universität München. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung, Thomas Voigtländer, hebt Fortschritte bei der Diagnose koronarer Herzerkrankungen hervor: „Man erkennt die Krankheit früher, als das in der Vergangenheit der Fall war.“
Wer heute zum Gesundheits-Check zur Hausärztin oder zum Hausarzt geht, bei dem werden meist Blutdruck, Blutzucker und Blutfette gemessen. Diese Werte geben früh entscheidende Hinweise auf sich entwickelnde Herzerkrankungen. Hier schauen mehr und mehr Ärztinnen und Ärzte inzwischen auch bei Frauen genau hin. Das rettet vielen das Leben, zeigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes.
Frauen bei Behandlung benachteiligt
Doch bei der Behandlung sind Frauen nach wie vor im Nachteil. „Es gibt viel zu wenige Studien, die spezifisch Frauen untersuchen“, kritisiert Konstantin Stark, Leiter des Herzkatheters am LMU-Klinikum in München. Studien zur Medikamentenentwicklung werden meist nur mit männlichen Probanden durchgeführt. Aufgrund ihrer natürlichen hormonellen Schwankungen sind solche Tests an Frauen aufwendiger zu kontrollieren.
Doch in Forschung und Klinik wird immer deutlicher: Einige Herzmedikamente verursachen bei Frauen andere Nebenwirkungen als bei Männern. Wenn Frauen am Herzen erkranken, haben sie häufig andere Symptome. Für eine bessere Versorgung sollten zudem in manchen Fällen andere Grenzwerte als bei Männern gelten, zeigen Studien [externer Link].
Dazu kommt, dass bei Frauen oft erst nach den Wechseljahren verstärkt Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten, also etwa zehn Jahre später als bei Männern. Nicht selten kommen diese bei ihnen in Kombination mit anderen Krankheiten vor. Laut Statistik sterben im Krankenhaus 14 Prozent der Frauen nach einem Herzinfarkt, aber nur zehn Prozent der Männer, zeigt der aktuelle Herzbericht der Deutschen Herzstiftung [externer Link]. Im Sinne der Patientinnen sei da viel aufzuholen, bilanziert Kardiologe Stark.
Erprobte Standards retten Leben
Ein weiterer Grund für den Rückgang bei den Todeszahlen: Viele Krankenhäuser arbeiten effizienter als früher. Die Zeit zwischen Einlieferung, Diagnose und Behandlung ist weit kürzer geworden. Außerdem sind die Therapieabläufe stärker standardisiert als noch vor einigen Jahren. So weiß man etwa: Nach einem Herzinfarkt ist eine Reha notwendig, um langfristig zu genesen.
Höheres Risiko in sozial schwachen Regionen
Auch regionale und soziale Faktoren haben Einfluss auf die Krankheitszahlen: Eine kürzlich veröffentlichte Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK zur Herzinsuffizienz [externer Link] ergab: In sozial und wirtschaftlich benachteiligten Regionen liegt der Anteil der Erkrankten doppelt so hoch wie in besser gestellten Regionen. Die Ursachen dafür sind vielfältig.
Wichtig ist aber unter anderem, herauszufinden, wer wann zur Früherkennung kommt. Inzwischen sind das mehr Menschen als noch vor einigen Jahren. „Das Thema Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist viel mehr in der Bevölkerung“, bilanziert der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Herzstiftung Voigtländer. Mittlerweile seien hier viele Menschen sensibler und handelten nach dem Motto: ich passe selbst mit auf mich auf.
Vorbeugen gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Zahlreiche Studien zeigen: Rauchen und häufiger Alkoholkonsum strapazieren das Herz erheblich. Ausgewogene Ernährung, Sport und Bewegung sowie die Vermeidung von Dauerstress sind dagegen gut für das Herz. Mediziner raten, besonders ab Mitte 60: Routinemäßig Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker kontrollieren zu lassen.

