Wenn man Sarah Ertl fragt, was für Patienten künftig im Krankenhaus Penzberg behandelt werden, fallen ihr vor allem drei Diagnosen ein: „Blutdruck-Krisen, Herzrhythmus-Störungen, Zucker-Entgleisungen, das wäre so das klassische Bild eines ‚Sektorenübergreifenden Versorgers'“, erklärt die Geschäftsführerin des Klinikums Starnbergs, zu dem auch der Standort Penzberg gehört.
Chance für bedrohte Standorte
Die Ärztin und Klinikmanagerin steht voll hinter dem Plan, einen der vier Standorte des Krankenhaus-Verbunds in eine sogenannte „Sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung“, kurz SÜV, umzuwandeln. Ab Januar gibt es dort keine Operationen mehr, nach denen Patienten stationär aufgenommen werden müssen. Notfälle werden nur noch von acht bis 20 Uhr versorgt, und auch nur eher leichtere Fälle.
Theoretisch könnte die Klinik zwar erst einmal weiter machen wie bisher, erklärt die Krankenhaus-Chefin. Doch dann würden immer höhere Verluste auflaufen, warnt sie: „Das würde aufgrund der Defizitentwicklung sicherlich langfristig zu einer Schließung des Standortes führen müssen.“
Unterstützung vom Dachverband
Die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) erwartet, dass bis 2028 rund 20 der etwa 300 Kliniken in Bayern in einen SÜV umgewandelt werden könnten. Mit zwölf davon sei die BKG derzeit im Gespräch, um sie bei der Umwandlung zu beraten, erklärt der Verbandsgeschäftsführer Roland Engehausen.
Seiner Ansicht nach liegt das Klinikum Starnberg bei seinem Standort Penzberg genau richtig, wenn es eine Chance nutzt, die die Bundesregierung mit der Krankenhausreform eröffnet hat. Denn damit komme der Standort aus der Finanzierung über Fallpauschalen heraus, die Kliniken dazu zwingt, möglichst viele Behandlungen vorzunehmen. Die SÜV hingegen würden dafür bezahlt, dass sie ein bestimmtes Angebot bereithalten: „Hier haben wir eine ganz eindeutige Vorhaltefinanzierung.“

