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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Alexander Schmorell: Gedenken an einen Widerstandskämpfer
Kultur

Alexander Schmorell: Gedenken an einen Widerstandskämpfer

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 17. Oktober 2024 07:50
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Bei der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ denken viele erst einmal an die Geschwister Hans und Sophie Scholl. Aber zur Weißen Rose, deren Mitglieder von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden, zählen noch andere engagierte junge Menschen. An einen von ihnen wird heute ganz besonders erinnert: An Alexander Schmorell.

Inhaltsübersicht
Ehemalige Schule von Schmorell erinnert an ihnRussisch-orthodoxe Kirche verehrt Schmorell als HeiligenErinnern ändert sich ohne Zeitzeugen-Generation

Ehemalige Schule von Schmorell erinnert an ihn

Der gebürtige Russe ist im Münchner Stadtteil Harlaching aufgewachsen, war Schüler am damaligen Neuen Realgymnasium. Heute heißt die Schule Albert-Einstein-Gymnasium. Und dort findet am Nachmittag ein Gedenkakt für Alexander Schmorell statt. Am nahegelegenen Schmorellplatz wird als Erinnerungszeichen eine Stele enthüllt. „Natürlich“ sei er für sie ein Vorbild, sagt Valerie Kehl über Alexander Schmorell, „weil er jeden Morgen mit dem Mut aufgestanden ist, seine Meinung zu äußern, dass er sein Leben aufs Spiel gesetzt hat, um Leuten die Wahrheit vor Augen zu führen.“ Valerie Kehl besucht die 10. Klasse am Albert-Einstein-Gymnasium und ist Chefredakteurin der Schülerzeitung.

Wenn die Stadt München nun besonders an Schmorell erinnert, dann fällt das in eine Zeit, in der nur noch wenige Menschen selbst von dem Grauen des Nationalsozialismus erzählen können. Valeries Co-Chefredakteur der Schülerzeitung, Liam Cumming bedauert, „dass ich noch nie ein Gespräch mit jemandem geführt habe, der diese Zeit miterlebt hat. Es ist schade, dass wir wenig Möglichkeiten haben nachzufragen, wie die Zeit war.“

Russisch-orthodoxe Kirche verehrt Schmorell als Heiligen

Die russisch-orthodoxe Kirche verehrt Alexander Schmorell als Märtyrer, als Heiligen. Nikolai Artemoff, russisch-orthodoxer Erzpriester in München, beschreibt den Widerstandskämpfer als Mann, den seine „Freiheitsliebe, das Streben nach der Brüderlichkeit unter den Völkern“ auszeichnete und der „das christliche Menschenbild in die Praxis umgesetzt“ habe.

Artemoff bezeichnet es als „eines seiner größten Wunder“, dass die russisch-orthodoxe Kirche in München heute an dem Ort steht, an dem Alexander Schmorell hingerichtet worden ist: direkt hinter dem Gefängnis von Stadelheim. Von dort aus hatte Alexander Schmorell im Juli 1943 seine letzten Worte an seine Eltern geschrieben: „Ich gehe hinüber in dem Bewusstsein, meiner tiefen Überzeugung und der Wahrheit gedient zu haben. Dies alles lässt mich mit ruhigem Gewissen der nahen Todesstunde entgegensehen.“

Erinnern ändert sich ohne Zeitzeugen-Generation

Markus Schmorell ist der Neffe von Alexander Schmorell. Auch wenn er selbst erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf die Welt kam, hat er gespürt, wie schwer seine Großeltern und sein Vater an dieser Familiengeschichte zu tragen hatten. Markus ist im gleichen Haus aufgewachsen, in dem auch sein berühmter Onkel lebte. Markus Schmorell erzählt, dass seinen Onkel vor allem die Judenverfolgung und -vernichtung durch die Nazis umgetrieben habe. Sowie die Sorge um sein Geburtsland Russland, das er sehr geliebt habe. „Heute muss ich jeden Tag daran denken, in welch tiefes Loch Russland fällt. Und natürlich werden wir nie begreifen, wie der 7. Oktober 2023 passieren konnte, dieses perfide Massaker der Hamas“, sagt Schmorell.

Markus Schmorell sagt: Das verändere das Erinnern. „Die Idee des ‚Nie wieder‘, die die Generation nach dem Zweiten Weltkrieg so geleitet hat, die können wir uns abschminken. Man muss mit dem Schlimmsten rechnen“, sagt Schmorell. Damit will er auch beim Erinnern an seinen Onkel den Widerstandskämpfer an die Schülerinnen und Schüler appellieren: „Denkt selber. Entwickelt Verantwortung und Selbstbestimmung und lasst Euch nicht von irgendwelcher Propaganda ablenken.“

Valerie Kehl und Liam Cumming wird er damit erreichen. Sie wollen erinnern an den Mann, der vor mehr als 80 Jahren ihre Schule besucht hat, später Medizin studierte, an der Ostfront als Sanitäter eingesetzt war, dort Zeuge von Kriegsverbrechen wurde und den die Nationalsozialisten 1943 hingerichtet haben, weil er sich eingesetzt hatte für die Menschenwürde.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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