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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > 48 Stunden Tanz: Wie Julian Warner das Brechtfestival verändert
Kultur

48 Stunden Tanz: Wie Julian Warner das Brechtfestival verändert

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 21. Februar 2025 23:49
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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Den Festakt zum 125. Geburtstag von Berthold Brecht im Hochzeitssaal der Alevitischen Gemeinde fernab dem Augsburger Stadtzentrum in Lechhausen zu begehen, ist besonders. „Darüber nachzudenken, bringt mir bis heute Glücksgefühle“, erklärt Julian Warner, der das Brechtfestival heuer zum dritten und turnusmäßig letzten Mal leitet, zwei Jahre danach im Interview mit Bayern 2. Auch zum 127. Geburtstag des Augsburger Dichters und Dramaturgen hat der deutsch-britische Künstler und Kurator sich ein Programm überlegt, das alles andere als konventionell ist. Der Höhepunkt: tanzen, 48 Stunden lang.

Inhaltsübersicht
Futuristische KI-ArbeiterWrestling in der Festivalzentrale

„Ändere die Welt, sie braucht es“, heißt es bei Brecht. So geht es Warner auch im Theater vor allem um den Mut, Neues zu wagen. „Wir müssen überprüfen“, so der 39-Jährige, „ob unsere Mittel noch aktuell sind. Das habe ich immer als eine große Einladung ans Festival verstanden, nicht einfach nur die Mutter Courage zum zigsten Mal aufzuführen, oder Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny.“ Dazu passt der Titel des Festivals, das vom 21. Februar bis zum 2. März stattfindet: „Die Große Methode“, laut Warner Brechts Umschreibung dafür, die Welt als eine Reihe veränderbarer Prozesse zu begreifen.

Futuristische KI-Arbeiter

Zum Brechtfestival uraufgeführt wird beispielsweise das Stück „Deine Arbeit hasst Dich, weil sie Dich nicht braucht“, inszeniert von Intendant André Bücker. „In der Tradition von Brecht“ ist es laut ihm zwar schon inszeniert, allerdings mit „ganz neuen Setzungen und Aspekten“: Statt mit der Situation von Arbeitern auf Schlachthöfen beschäftige es sich mit der „modernen digitalen Arbeiterschaft“, die sich mit KI-gesteuerten Vorgängen herumschlagen müssten.

In einem karg-grauen Raum interagieren verschiedene Charaktere auf Ufo-artigen Plattformen. So bunt die Typen sind, so leer sind ihre Gesichter, so kalt ist ihre Sprache. Es ist die Vision einer KI-generierten Zukunft, in der Gefühle überflüssig sind und „Selber-Denken“ schlecht fürs Gehirn ist. „Man hat wirklich den Eindruck, gerade in der heutigen Zeit, in der politischen Realität und Gegenwart: Die Realität läuft diesem Stück geradezu hinterher. Es ist teilweise ein bisschen unheimlich“, so Bücker.

Wrestling in der Festivalzentrale

Fremdbestimmt wie von der KI sind auch die Protagonistinnen im Stationentheaterstück „Importbräute – mein Schleier, das Henna und ihre Tränen“. Dafür haben sich die Macher reale Ladengeschäfte im Augsburger Stadtteil Oberhausen gesucht, um ihre Geschichte so authentisch wie möglich zu erzählen – laut Warner passend zum Prinzip des Brechtfestivals: „Wir nehmen Brechts Auftrag ernst, hinauszugehen zu den Leuten ins echte Leben.“

Eingefleischte Fans der Klassiker dürfen aber beruhigt sein: „Mutter Courage und ihre Kinder“ spielt das Staatstheater trotzdem. Warner spannt Klassiker mit Uraufführungen zusammen, Erwartbares mit Überraschungen. Er verändert Theater, wie er auch den Ort verändert hat, an dem heute die brechtsche Festivalzentrale steht. Vor Jahren ein mehrstöckiges Möbelhaus, heuer zum Auftakt die Bühne für eine Wrestling-Show. Ein Schaukampf, bei dem die Sieger schon vorher feststehen: Noch so ein unkonventioneller Einfall.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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