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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Die Helden auf dem Rasen: Wenn Fußballer zu Idolen werden
Kultur

Die Helden auf dem Rasen: Wenn Fußballer zu Idolen werden

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 14. Juni 2024 13:50
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Fußballtraining beim TSV München Ost: Viele der Kinder hier haben ein Idol und würden gern irgendwann einmal genauso gut spielen können wie sie: „Musiala, weil er Bayern zum Meister geschossen hat.“ – „Manuel Neuer, weil er sehr viel gewonnen hat.“ Und tatsächlich haben beide schon Titel gewonnen und begeistern nicht nur die Nachwuchsspieler, sondern ganze Nationen.

Inhaltsübersicht
Ehrungen für bekannte SpielerAugenthaler und Breitner sehen sich nicht als VorbilderFairness und Disziplin als eigentliche Vorbilder

Ehrungen für bekannte Spieler

Als Franz Beckenbauer Anfang 2024 starb, war die Trauer groß. Der 78-Jährige war als Spieler und Trainer erfolgreich gewesen, konnte auf viele Titel zurückblicken und hatte die WM 2006 nach Deutschland geholt. Vielen war er als „Kaiser Franz“ bekannt. Hans-Joachim Watzke, Aufsichtsratschef der Deutschen Fußball Liga DFL, würdigte Beckenbauer als „definitiv größten deutschen Fußballer aller Zeiten“. Im April erklärte dann die Kurt-Landauer-Stiftung, dass Beckenbauer mit einer Statue vor der Allianz-Arena für seine Verdienste geehrt werde – wo seit 2023 auch eine Statue an Torjäger Gerd Müller erinnert.

Augenthaler und Breitner sehen sich nicht als Vorbilder

Klaus Augenthaler, früherer Weggefährte Müllers, findet das berechtigt – für Müller wie für Beckenbauer. Augenthaler selbst, Weltmeister von 1990, ist in Vilshofen mit einem Stadion gewürdigt worden. Für ihn eine Ehre: „Es gibt ja nicht viele Spieler, die ein eigenes Stadion haben.“ Er habe nie vergessen, wo er herkomme. Als er beim Probetraining des FC Bayern gewesen sei, habe er erst einmal gezittert, sagt er – immerhin traf er dort auf Fußballgrößen wie Beckenbauer, Müller und Sepp Meier. Als Vorbild, als Idol sieht er sich selbst aber nicht: „Ich habe als Spieler geraucht und rauche auch heute noch.“ Ähnlich geht es wohl auch dem ehemaligen Nationalspieler und Weltmeister von 1974, Paul Breitner. Immerhin schrieb der ein Buch mit dem Titel: „Ich will kein Vorbild sein“ – seine Autobiografie.

Idole können im Leben eines Menschen eine wichtige Rolle einnehmen, weiß die Psychologie. Sie können uns dabei helfen, unsere eigene Identität zu entwickeln. Gerade im Sport können sie zudem ein Anreiz sein, die eigenen Fähigkeiten weiterzuentwickeln und so bestimmte Ziele zu verfolgen. Das kann aber auch gefährlich werden, wenn man sich nur noch nach seinen Vorbildern ausrichtet oder daran scheitert, genau so zu werden wie sie.

Fairness und Disziplin als eigentliche Vorbilder

Ein großer Fußballfan ist auch der bekannte Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler, der selbst ein Buch über den Fußball geschrieben hat. Sein Verein: Der TSV 1860 München. So sehr er den Profis ihren Erfolg gönnt, steht für ihn doch fest: Ein Spieler allein macht noch keinen Sieg. „Es braucht immer das ganze Team“, sagt Schießler. Das gelte für den Fußball ebenso wie für die Kirche. Auch sich an die Idole von früher zu erinnern und dem Fußball von gestern nachzutrauern, macht für ihn wenig Sinn: „So wie Beckenbauer, Seeler und so weiter. Wenn die erzählen, wie sie groß geworden sind. Da hängen wir nostalgisch an vergangenen Zeiten, die wir uns herbeiwünschen.“ Heute sehe der Fußball ganz anders aus als damals, sei zu einer Gelddruckmaschine geworden.

Sein einziges Fußball-Idol sei die Fairness auf und neben dem Spielfeld, sagt Schießler, anstatt einen bestimmten Namen zu nennen. Dabei hat er so manchen Fußball-Promi auch selbst kennengelernt und er traute etwa den früheren Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und Weltmeister von 2014, Philipp Lahm. In der Disziplin können Sportler für ihn aber durchaus ein Vorbild sein, meint Schießler – schließlich habe schon der Apostel Paulus in der Bibel das Durchhaltevermögen von Athleten gelobt.

Aber auch abseits des Sports können Fußballer durchaus in manchen Dingen Vorbilder sein. So engagierten sich in der Vergangenheit viele aktuelle und ehemalige Nationalspieler wie Manuel Neuer, Toni Kroos oder Leon Goretzka auch sozial, etwa in Stiftungen.

Ob auf dem Feld oder abseits davon: Beim TSV München Ost haben einige der Jugendspieler ihre Idole schon selbst im Stadion spielen sehen oder sie sogar getroffen und mit ihnen Fotos gemacht. Manche von ihnen träumen selbst von einer Fußballkarriere. Vielleicht sind sie eines Tages selbst Vorbild für andere.

Rund um das Thema „Fußball – Die moderne Religion?“ geht es in der Sendung STATIONEN am 12. Juni 2024 im BR-Fernsehen und in der ARD-Mediathek.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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