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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Klarer, poppiger, moderner“: Jugendstil „made in Munich“
Kultur

„Klarer, poppiger, moderner“: Jugendstil „made in Munich“

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 24. Oktober 2024 10:49
Von Uta Schröder
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3 min. Lesezeit
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In der Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung präsentiert sich der Münchner Jugendstil in der Ausstellung „Jugendstil. Made in Munich“ fast erschreckend bunt. Räume, die man nur von Schwarz-Weiß-Fotografien kannte, sind in Teilen mit Originalstücken nachgebaut.

Inhaltsübersicht
Designerinnen sind in allen Abteilungen der AusstellungDie Vergegenwärtigung einer bedeutenden Kunstepoche

Zum Beispiel die Wohnung des Versicherungsdirektors Carl Thieme: Bisher nur von schwarz-weiß-Aufnahmen bekannt, waren die Räume tatsächlich aber ausgestattet mit Palisander-Möbeln in saftigem Rot, bestückt mit Teppichen in schreiend bunten Farben und sehr originell geformten Alltagsobjekten.

Die Absicht der Künstlerinnen und Künstlern sei es gewesen, „das Leben mit Kunst zu durchwirken, es zu ästhetisieren. Und zwar wirklich vom Großen ins Kleine, von der Architektur schon der Räume, der Gebäude, der Fassaden, die Möbel, die Teppiche, die Gemälde, aber auch die Gläser, Besteck – alles aus einer Hand durchdesignt im Endeffekt,“ sagt Nico Kirchberger. Er ist der Sammlungskurator des Münchner Stadtmuseums, das eine der größten Jugendstilsammlungen weltweit besitzt und im Moment bis auf Weiteres wegen Umbau geschlossen ist.

Designerinnen sind in allen Abteilungen der Ausstellung

Im Haus Thieme hieß der Designer übrigens Richard Riemerschmid, der einzige gebürtige Münchner unter den vielen Gestalterinnen und Gestaltern des Jugendstils. Angesichts der Fülle des in den Depots vorliegenden Materials musste der Kurator Kirchberger eine strenge Auswahl treffen: „Es war sehr schwierig, weil wir unglaublich viele Objekte haben.“ Fotografien, Gemälde, Grafiken, Plastiken, Möbel und Mode bis hin zum Puppentheater – fast alles sei in der Sammlung vertreten.

Das Fotoatelier „Elvira“ von Anita Augspurg und Sophia Goudstikker war genauso ein Zentrum der künstlerischen Emanzipation der Frauen wie die 1884 gegründete „Damen-Akademie für Kunst“ oder die Debschitz-Schule für Kunstgewerbe. Designerinnen sind deshalb in allen Abteilungen dieser Jugendstil-Ausstellung vertreten. Das unglaubliche Treppenhaus des Fotoateliers „Elvira“ in der Von-der-Thann-Straße wird in einem eigenen Raum nachempfunden.

Ein anderer präsentiert den mit Hilfe von geschickten Händen gestickten, von Hermann Obrist entworfenen textilen Wandbehang „Peitschenhieb“. Eigentlich sollte diese dynamische Figur ein Alpenveilchen darstellen. Inzwischen ist das schillernde Textil ein Zentralstück des Münchner Jugendstils und wird aus konservatorischen Gründen nur höchst selten gezeigt.

Die Vergegenwärtigung einer bedeutenden Kunstepoche

In München nahmen vor 130 Jahren viele Ausdruckswege der modernen Kunst ihren Anfang. Mit weltweiter Ausstrahlung, sagt Kirchberger. „Der Münchner Jugendstil ist klarer, er ist poppiger, moderner. Man verzichtet auch auf so eine überbordende, florale Ornamentfülle wie in Frankreich oder in Belgien. Das Ornament wird sparsamer eingesetzt, es ist klarer, es ist ruhiger, sachlicher.“

Nico Kirchberger und den anderen Gestalterinnen der Ausstellung in der Kunsthalle München ist etwas Außerordentliches gelungen: die Vergegenwärtigung einer bedeutenden Kunstepoche in ganzen Raumfolgen. München leuchtet wieder. Sogar im Vergleich zu Paris.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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