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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Malen als Meditation: Hundertwassers Spiritualität
Kultur

Malen als Meditation: Hundertwassers Spiritualität

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 21. Februar 2025 23:49
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Er steht wie kein anderer Künstler für leuchtende Spiralen, runde, weiche Formen, Gebäude, die organisch anmuten, bunte, fröhliche Farben. Friedensreich Hundertwasser bezeichnete gerade Linien einmal als „gottlos und unmoralisch“. Die gerade Linie sei „die verbotene Frucht, die gerade Linie ist der Fluch unserer Zivilisation. Alles mit ihrer Hilfe Gebaute ist tot geboren.“

Inhaltsübersicht
Hundertwasser: Gerade Linien sind FaschismusDie Spirale als Symbol von Leben und TodNoch unerforscht: Der Einfluss der östlichen SpiritualitätNatürlich leben – für den Mensch in der Natur bauen

Hundertwasser: Gerade Linien sind Faschismus

Gerade Linien standen für ihn für die Gräuel der NS-Zeit. Er assoziierte damit die Bilder von Menschenkolonnen, in Reih und Glied wie bei der Hitlerjugend, bei der er als – im Nazi-Sprech – „Mischling 1. Grades“ mitmachen musste, um seine Mutter vor der Ermordung durch Nationalsozialisten zu bewahren.

25 Jahre nach seinem Tod ist Friedensreich Hundertwasser im deutschsprachigen Raum immer noch einer der populärsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Vordergründig bleiben die bunten Farben, seine unkonventionelle Art zu leben, die lustigen, schrägen Häuser als Gegenentwurf zur funktionalen Architektur der Moderne. Doch wer eintaucht in das Leben dieses Mannes, kann noch viel mehr entdecken: die tiefe Liebe Hundertwassers zum Leben, zu den Menschen, die provokante Ermutigung, sich als Teil der Natur zu verstehen – und die Suche nach dem großen, alles umfassenden Göttlichen.

Die Spirale als Symbol von Leben und Tod

Am 15. Dezember 1928 wird er als Friedrich Stowasser geboren, er ist das einzige Kind einer Jüdin und eines Katholiken. Sein Vater stirbt früh. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an Nazi-Deutschland müssen Friedrich und seine Mutter ihre Wohnung verlassen. Sie ziehen um in den Bezirk Leopoldstadt, den die Nationalsozialisten zum jüdischen Ghetto erklären. Dort, in aller Enge und Angst, beginnt Friedrich Stowasser 1943 zu malen. Farbige Gegenwelten entstehen.

Nach dem Krieg nennt Friedrich sich Friedensreich Hundertwasser, lebt zunächst in Paris, beginnt seine eigene Philosophie zu entwickeln. Er greift zu bunten Farben, findet Inspiration in der Natur. 1953 malt er die erste seiner berühmten Spiralen. Später wird er dazu sagen: „Die Spirale ist das Symbol des Lebens und des Todes. Die Spirale liegt genau zwischen dem Toten und dem Lebendigen. Ich bin überzeugt, dass der Schöpfungsakt sich über die Spirale vollzogen hat. Unser Leben geht in Spiralen vor sich. Wir gehen im Kreis herum, aber wir kommen nie wieder zurück an den Punkt, von dem wir gekommen sind, das heißt der Kreis schließt sich nicht.“

Noch unerforscht: Der Einfluss der östlichen Spiritualität

Hundertwasser reist viel, ab 1961 auch nach Asien. Dort bekommt er Zugang zu neuen Formen der Spiritualität. Wie groß dieser Einfluss auf sein Schaffen war, ist bislang noch wenig erforscht, sagt Veni Inge Labi, eine seiner engen Mitarbeiterinnen ab den 1980er Jahren in Wien. „Er war Prophet und Visionär“, sagt sie. „Ich glaube, seine wichtigste Aufgabe im Leben war, die Welt zu retten.“

Die Vorstellung der Beseeltheit der Natur ist Hundertwasser zunehmend wichtig. Er lebt in einem umgebauten Schiff mit Namen „Regentag“, erlangt Weltruhm. Hundertwasser ist ein politischer Künstler, er hält in den 1960er Jahren nackt Reden, die provozieren. Von seiner geistigen Haltung her kommt er zur Verantwortung gegenüber der Schöpfung – und damit zu seinem umweltpolitischen Engagement. Zahlreiche Manifeste erzählen davon. Er sagt: „Wir müssen einen Friedensvertrag mit der Natur anstreben, der einzig schöpferischen übergeordneten Macht, von der der Mensch abhängig ist.“ Die Natur müsse ihr Territorium zurückbekommen. Ein Credo, das maßgeblich seine Architektur, Kunst und sein eigenes Leben beeinflusst.

Natürlich leben – für den Mensch in der Natur bauen

Mitte der 1980er Jahre setzt er seine Vision vom naturverbunden beseelten Leben in der Architektur um: Noch heute sind die Hundertwasser-Häuser in Wien, in Magdeburg oder Plochingen, in Abensberg, die Hundertwasserkirche in Bärnbach Touristenmagnete. Seine ehemalige Mitarbeiterin Veni Inge Labi sagt: „Für mich ist das Wichtigste an Hundertwasser seine tiefe Spiritualität.“ Für die er Anleihen aus der ganzen Welt nahm.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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