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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Phänomen Gianna Nannini: Die Rock-Ikone wird 70
Kultur

Phänomen Gianna Nannini: Die Rock-Ikone wird 70

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 14. Juni 2024 13:49
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Eigentlich sei sie erst 1983 auf die Welt gekommen, erklärte Gianna Nannini kürzlich in einem Interview. Wie das? Weil sie damals in Köln lebte, als sie in eine tiefe Krise schlitterte. Sie konnte nicht mehr schlafen, wusste weder ein noch aus. Befreundete Musiker wie der Kölner Schlagzeuger Jaki Liebezeit und Produzent Conny Plank hätten versucht zu helfen, sagt sie, ihr geraten, auf die innere Stimme zu hören. Im selben Jahr noch gelang ihr mit „Latin Lover“ein Megaerfolg.

Inhaltsübersicht
Unterstützung deutscher Musikerinnen und MusikerMit Klavier in einer Frauenband fing es anFreiheitsstatue mit VibratorEine weise Rebellin

Unterstützung deutscher Musikerinnen und Musiker

Kaum bekannt ist: Viele Deutsche haben dabei geholfen. Jim Rakete fotografierte, Annette Humpe spielte Keyboards, Jaki Liebezeit trommelte und Conny Plank fabrizierte den glasklaren Sound. Als Meistertrommler Liebezeit vor einigen Jahren starb, ließ es sich Gianna Nannini nicht nehmen, beim Gedenk-Konzert in Köln aufzutreten. „Es war eine Ehre und eine Freude für mich, dass ich mit Jaki Liebezeit arbeiten durfte“, sagt die Musikerin. „Er hat mir sehr viel beigebracht in Sachen Musik. Er hat mir geholfen meine Richtung zu finden mit seinem europäischen Minimalismus“. Es sei, so Nannini, auch eine Freundschaft gewesen, sie hätten viel Spaß gehabt und er ihre Musik gemocht. „Wir brauchen Leute wie ihn, er hat die europäische Musik wirklich weitergebracht. Ich bewundere Jaki und seine Mistreiter. An diesem Abend wollte ich mich bei ihm bedanken“.

Mit Klavier in einer Frauenband fing es an

Geboren wurde Gianna Nannini defacto vor 70 Jahren in der toskanischen Bilderbuchstadt Siena. Der Vater war Konditor, Alessandro, ihr jüngerer Bruder, wollte unbedingt Rennfahrer werden und schaffte es, Formel-Eins-Pilot zu werden. Gianna Nannini spielte während ihres Studiums in Florenz Klavier in einer linksradikalen Frauenband namens Lotta Feminista. Die war zwar nicht erfolgreich, aber die Sängerin, die ihr Studium summa cum laude abschloss, hatte Blut geleckt. Als sie sich im elterlichen Betrieb an einer Rührmaschine auch noch drei Fingerkuppen abschnitt, verabschiedete sie sich vom Klavierspielen und verlegte sich aufs Singen – und aufs Provozieren.

Freiheitsstatue mit Vibrator

„America“: Einer von Nanninis frühen Songs, geschrieben nach einem Aufenthalt in den USA, eine Masturbations-Ode. Auf dem Cover reckt die Freiheitsstatue einen Vibrator gen Himmel. Es folgten weitere Songs, die durch Nanninis kraftvolle Reibeisenstimme, ihre grenzenlose Sehnsucht auffielen: „Bello E Impossibile“. Wer in den 80er-Jahren Radio hörte, konnte ihren Songs kaum entkommen. Nannini pflegte ihr Rebellen-Image. Von bestimmten Journalisten wollte sie sich nur beim Joggen interviewen lassen. Und weil es besser wirkte, machte sie sich zwei Jahre jünger. Im Grunde aber hat Frau Doktor immer zuverlässig abgeliefert, Drogenexzesse oder Skandale? So etwas gab es nicht bei ihr.

Eine weise Rebellin

Erst als sie mit 56 Jahren Jahren erstmals Mutter wurde, sich zu ihrer Partnerin bekannte, wurde klar, dass Gianna Nannini tatsächlich eine Rebellin ist. Die Mutterschaft hat sie weicher werden lassen. Jetzt zeigt sie sogar Verständnis für alte weiße Männer. Die hätten es auch nicht leicht, erklärt die Gratulantin, Doctoressa Nannini, weise: „Es ist sehr schwer, sich als erwachsener Mann zu ändern. Es muss in der Schule, im Kindergarten anfangen. Wir müssen die alten Konzepte aus der Erziehung heraushalten, die Erziehung neu denken.“

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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