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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Vom Leben und Sterben: „Drei Töchter“ von Azazel Jacobs
Kultur

Vom Leben und Sterben: „Drei Töchter“ von Azazel Jacobs

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 24. September 2024 09:47
Von Uta Schröder
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2 min. Lesezeit
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Schauspielkunst und Struktur

Dass seine Töchter durch das tragische Ereignis ihre über Jahre gewachsenen Differenzen nicht plötzlich beilegen, wird ab der ersten Einstellung klar: Katie, die von Carrie Coon gespielte älteste Tochter, hält mit verschränkten Armen und dem Rücken zur Wand einen wütenden und minutenlangen Monolog, der sich an in diesem Moment noch unklare Adressaten richtet. Es sind ihre Schwestern, dargestellt von Elizabeth Olsen und Natasha Lyonne. Auch sie werden durch mehr oder weniger lange Monologe eingeführt und charakterisiert: Olsen ist die emotionale, Lyonne die verpeilte. Die Kameraeinstellung separiert die drei zusätzlich voneinander: Sie sitzen an einem Tisch, sind aber nicht gemeinsam im Bild.

Inhaltsübersicht
Schauspielkunst und StrukturKein Secondscreen-Eskapismus

Kein Secondscreen-Eskapismus

Es ist dieses Zusammenspiel aus vollends auf die Person konzentrierter Schauspielkunst und sorgsam durchdachter Struktur, die den Film aus dem Netflix-Portfolio herausragen lässt. „Drei Töchter“ ist kein Secondscreen-Eskapismus, sondern Aufmerksamkeit einfordernde Konfrontation mit dem Leben. Denn mit der Zeit lernt das Publikum: Die anfängliche Charakterisierung ist lediglich das Bild, das die Frauen voneinander haben – ihre wahren Persönlichkeiten entdecken sie erst in den folgenden Tagen, wenn sie sich streiten, versöhnen oder versuchen, einen Nachruf auf ihren Vater zu verfassen.

Der Vater ist es dann auch, dem der emotionale Höhepunkt des Films vorbehalten ist: Omnipräsent und doch abwesend, tritt er in den letzten Minuten ins Bild und hält – wie zu Filmbeginn seine Töchter – einen Monolog. Er handelt von der Liebe zu seinen Kindern, zu seiner Stadt und der Erkenntnis, dass man erst weiß, wie jemand war, wenn er nicht mehr da ist. Wie viel davon real und wie viel imaginiert ist, ist nebensächlich. Essenziell ist, dass am Ende aus den Töchtern Schwestern geworden sind – und man einen Film gesehen hat, der nüchtern und nuanciert zeigt, wie schmerzvoll und kathartisch individuelle Trauerarbeit sein kann.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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