Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung spricht sich dafür aus, die Rente mit 63, auch bekannt als Frührente, abzuschaffen. Damit könne der Staat rund 9,5 Milliarden Euro pro Rentnerjahrgang sparen, hieß es. Einen positiven Effekt sieht das DIW auch darin, dass durch das Hinauszögern der Rente „zusätzlich Arbeitskräfte im Umfang von rund 125.000 Vollzeitkräften zur Verfügung“ stünden. Das seien häufig „erfahrene, gut qualifizierte Beschäftigte“.
Jeder Dritte nutzt Option auf Frühverrentung
Derzeit liegt das Regelrentenalter bei 66 Jahren und vier Monaten, die abschlagsfreie Frührente ist aktuell also ab 64 Jahren und vier Monaten möglich. In Deutschland würden laut Studie derzeit rund ein Drittel die Option nutzen, ohne finanzielle Einbußen früher in Rente zu gehen. Aufs Jahr gerechnet sind dies rund 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige. Entgegen der landläufigen Meinung werde die abschlagsfreie Frührente allerdings nicht nur von Menschen in körperlich anstrengenden Berufen genutzt.
Werde diese Möglichkeit zur Frührente gestrichen, so gehen die Wissenschaftler von der Annahme aus, dass sich der Renteneintritt in diesen Fällen im Schnitt um zehn Monate verschieben würde und die Betroffenen dann mit Abschlägen in den Ruhestand gehen. Die Entlastung würde den Angaben zufolge nicht sofort entstehen, sondern verteilt über dann jahrzehntelang geringere Rentenzahlungen. Derselbe finanzielle Effekt wie für den Jahrgang 1957 würde ähnlich auch für die Folgejahrgänge eintreten, betont die Untersuchung.
Einsparungen bei 9.5 Milliarden Euro
Die Einsparungen bei den Rentenausgaben würden zwar zu Beitragsausfällen in anderen Sozialversicherungszweigen führen – Mindereinnahmen etwa bei Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Einkommensteuer von zusammen rund 860 Millionen Euro. Aber: „Unter dem Strich bliebe eine Einsparung für die Staatskasse von rund 9,5 Milliarden Euro.“
Die bisherige Regelung ermöglicht es langjährig Versicherten zwei Jahre vor dem Regeleintrittsalter ohne Abschläge in den Vorruhestand zu gehen. Die aktuelle Regelung war 2014 von der damaligen schwarz-roten Bundesregierung eingeführt worden und zielt auf „besonders langjährig Versicherte“, die mindestens 45 Jahre Beiträge eingezahlt haben. Vor 1953 Geborene konnten ohne Abschläge mit 63 in Rente gehen. Für Jüngere, die zwischen 1953 und 1963 geboren wurden, steigt diese Altersgrenze schrittweise an. Vom Geburtsjahrgang 1964 an liegt das frühestmögliche Zugangsalter dann bei 65 Jahren.
Ausnahmen für Härtefälle
Die Studie weist allerdings auch auf Probleme hin, sollte die Möglichkeit der abschlagsfreien Frührente wegfallen. So könnten etwa Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen stärker belastet werden. Für sie müssten andere Lösungen gefunden werden, sagen die Autoren. Ausnahmen seien notwendig, um Härtefälle zu vermeiden. Denkbar seien etwa individuelle Gesundheitsprüfungen, Änderungen bei der Berufsunfähigkeitsversicherung, Nachweise über belastende Tätigkeiten oder die Berücksichtigung des durchschnittlichen Einkommens. Zudem sei es entscheidend, in Weiterbildung und gesunde Arbeitsbedingungen zu investieren, um mehr Menschen längeres Arbeiten zu ermöglichen.
Derzeit werden zahlreiche Möglichkeiten diskutiert, wie die Rentenkassen anlässlich der geplanten Rentenreform stabilisiert werden können. Würde die Frührente gestrichen, dürfte der Staat pro Rentnerjahrgang 9,5 Milliarden Euro sparen, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) errechnete. Das Wirtschaftsforschungsinstitut zog dafür Erfahrungen aus früheren Reformen heran und stellte eine Modellrechnung für den Jahrgang 1957 an, den aktuell jüngsten, der vollständig im Ruhestand ist.

