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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Netzwelt > Hightech fürs Heer: Wie KI Europas Sicherheit stärken soll
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Hightech fürs Heer: Wie KI Europas Sicherheit stärken soll

Benjamin Lehmann
Zuletzt aktualisert 22. April 2025 13:47
Von Benjamin Lehmann
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5 min. Lesezeit
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Mit dem Regierungswechsel kündigt sich eine neue Ära der Verteidigungspolitik an. Milliardeninvestitionen stehen im Raum. Doch während über Panzer und U-Boote diskutiert wird, warnen Fachleute: Ohne digitale Technologien wie Künstliche Intelligenz (KI) ist moderne Verteidigung nicht mehr denkbar.

Inhaltsübersicht
Das „SPARTA“-Projekt – Hightech für Europas SicherheitNeue Unternehmen, neue Denkweise – aber alte HürdenEuropas Talente – und was sie brauchenStart-ups und Militär: Zwei Systeme, ein ZielSicherheit braucht digitale SouveränitätVerteidigung neu denken

Die Tech-Investorin Jeannette zu Fürstenberg hat gemeinsam mit anderen Experten einen offenen Brief veröffentlicht, der ein Umdenken fordert – weg von klassischer Rüstung, hin zu Deep Tech. „Gerade jetzt müssen wir unsere strategische Handlungsfähigkeit sichern – auch technologisch“, heißt es in dem Schreiben.

Das „SPARTA“-Projekt – Hightech für Europas Sicherheit

Fürstenberg schlägt ein europäisches „SPARTA“-Projekt vor: eine Allianz für strategische Hochtechnologie, mit dem Ziel, Resilienz, Innovation und digitale Souveränität zu stärken. „Es reicht nicht, Technologie zu haben – sie muss kontrollierbar und in europäischen Händen sein“, sagt sie in der aktuellen Folge von „Der KI-Podcast„. Die aktuelle Lage mache deutlich, wie verletzlich Europa sei – besonders im digitalen Raum.

Ihr geht es vor allem um die Dringlichkeit: „Ich glaube schon, dass die letzten Wochen eigentlich die entscheidenden waren – es ist mehr passiert als in den letzten vier Dekaden.“ Auslöser war unter anderem die aufsehenerregende Rede des US-Senators JD Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz, die vielen Europäern die außenpolitische Unberechenbarkeit der USA erneut vor Augen führte. Europa habe kein Fähigkeits-, sondern ein Mindset-Problem, das es nun zu überwinden gelte.

Neue Unternehmen, neue Denkweise – aber alte Hürden

Ein Beispiel für den Wandel ist das Münchner Unternehmen „Helsing“. Es gehört zu den ersten europäischen KI-Start-ups mit einer Milliardenbewertung und entwickelt KI-gesteuerte Systeme für den militärischen Einsatz. Gemeinsam mit dem französischen KI-Unternehmen „Mistral“ arbeitet Helsing an der Verzahnung von Drohnentechnologie und Künstlicher Intelligenz.

Solche Firmen stehen für eine neue Verteidigungsindustrie: innovationsgetrieben, schnell, softwarebasiert. Doch sie stoßen in Europa auf veraltete Prozesse und fehlenden Zugang zu staatlichen Auftraggebern.

Europas Talente – und was sie brauchen

Dabei fehlt es nicht an Know-how: „Ein Großteil der globalen KI-Forscher sind Europäer. Die Top 10 Prozent aller Paper sind zu 70 Prozent von Europäern geschrieben“, sagt Fürstenberg. Lange seien diese Talente in die USA abgewandert – dem Kapital hinterher. Doch das ändert sich gerade: „Viele von denen kommen zurück nach Europa, weil sie hier auf europäische Souveränität bauen. Und einfach hier eine Riesenchance sehen.“

Die Investorin ist überzeugt: „Das Geld folgt dem Talent. Wenn wir dem Talent jetzt noch alle Barrieren wegräumen, dann können wir richtig Gas geben.“

Start-ups und Militär: Zwei Systeme, ein Ziel

Dass Start-ups und staatliche Verteidigung schwer zusammenfinden, weiß auch Jonatan H. Luther-Bergquist vom Wagniskapitalfonds „Inflection“. „Ein Defense-Tech-Start-up zu machen, ist doppelt oder dreimal so schwierig wie ein normales Deep-Tech-Start-up, weil man mit den Kunden sehr schlecht sprechen kann“, sagt er. Als Mitgründer des „European Defense Tech Hub“ versucht er, Brücken zu bauen – etwa durch Hackathons, bei denen in 48 Stunden Prototypen entstehen.

„Wir wissen, wer die sind – überall in Europa haben wir Kontakte mit den Verteidigungsministerien“, sagt Bergquist. Es sei ein spannender Moment, „wo Branchen aufeinandertreffen, die eigentlich vorher nichts miteinander zu tun hatten – und auch unterschiedliche Sprachen sprechen.“

Sicherheit braucht digitale Souveränität

Der Rückstand Europas betrifft nicht nur Waffen, sondern auch die digitale Infrastruktur. Ein Beispiel: Kampfjets aus den USA, deren Software im Zweifel aus der Ferne abgeschaltet werden könnte. Das will man künftig verhindern – durch eigene, kontrollierbare Systeme.

„Technologische Handlungsfähigkeit ist heute gleichbedeutend mit Sicherheit“, so Fürstenberg. Ihre Forderung: Verteidigung muss künftig die digitale Realität mitdenken.

Verteidigung neu denken

Die Lage ist ernst – doch nicht hoffnungslos. Europa verfügt über ein wachsendes Ökosystem an Tech-Innovationen. „Es geht nicht nur um die nächste Drohne – sondern darum, ob Europa in Zukunft selbstbestimmt handeln kann“, so Fürstenberg. Die Richtung ist klar: weniger kalter Stahl, mehr kluge Systeme.

 

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Von Benjamin Lehmann
Benjamin Lehmann schreibt für das Ressort Netzwelt der WirtschaftsRundschau. Mit seinem Fachwissen in digitalen Technologien und Internetkultur informiert er über aktuelle Trends und Innovationen und bietet den Lesern wertvolle Einblicke in die digitale Welt.
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