Was bedeutet es für Hallbergmoos, wenn der Drohnenspezialist Helsing dort einen Technologiecampus mit rund 300 Beschäftigten aufbaut? Im Vorfeld des Bürgerentscheides über die Ansiedelung hatten die Gegner eine Kampagne gestartet, in der sie unter anderem mit der Flächenversiegelung durch einen Neubau auf einer heute unbebauten Wiese argumentierten. In einem Video auf der Internetseite der Bürgerinitiative Senderwiese (externer Link) sagte Mit-Initiatorin Isolde Oberhof, in einem so dicht besiedelten Gebiet sei es abwegig und völlig absurd, eine Drohnenfabrik errichten zu wollen. Man würde wertvolle Naturflächen versiegeln, hätte verstärktes Verkehrsaufkommen und die Atmosphäre des Ortes würde sich massiv verändern.
Hallbergmoos als Ziel für russischer Attacken?
Auf der Internetseite der Bürgerinitiative heißt es außerdem, man wolle im Konfliktfall kein Angriffsziel werden. So habe das russische Verteidigungsministerium Drohnenproduzenten im Westen mit Attacken gedroht. Was die Bürgerinitiative aber verschweigt: Hallbergmoos ist schon längst Rüstungsstandort. In der Gemeinde liegt seit vielen Jahren das Hauptquartier des Eurofighter-Konsortiums mit mehr als 400 Beschäftigten.
Richard Busl, der örtliche Feuerwehrkommandant, sieht deshalb keine zusätzliche Gefährdung, wenn Helsing künftig vor Ort an Software und Drohnenbauteilen arbeitet. Er denke nicht, dass Hallbergmoos dadurch im Kriegsfall zu einem größeren Ziel würde, als man es jetzt schon sei.
Einschüchterungskampagnen als Teil hybrider Kriegsführung
Dass die Angst vor möglichen russischen Attacken in Hallbergmoos überhaupt zu Debatten führte, das hat nach Einschätzung von Experten mehrere Gründe. Einer davon sind Kampagnen in sozialen Netzwerken. Der Faktenfuchs des Bayerischen Rundfunks hat analysiert, dass es zum Beispiel auf TikTok gezielte Kampagnen gibt, um Ängste zu schüren. So hieß es in einigen Beiträgen, dass Schrobenhausen die atomare Auslöschung drohe, weil die Firma MBDA dort den Marschflugkörper Taurus herstellt.
Stefan Meister, Politikwissenschaftler bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), bewertet solche Videos als Teil von russisch gesteuerten Desinformationskampagnen, mit denen die Bevölkerung verunsichert werden soll.
Bayerns Rüstungsmanager sehen Bevölkerung hinter sich
Eine Strategie, die vor Ort offenbar aber nur zum Teil verfängt. Im Gespräch mit dem BR sagten führende bayerische Rüstungsmanager, dass die lokale Politik und auch die große Mehrheit der Bevölkerung vor Ort in der Regel hinter den Unternehmen stehe. Nicht zuletzt, weil sie sichere und gut bezahlte Arbeitsplätze zu bieten haben.
Dazu kommt, dass die Rüstungsindustrie in Bayern eine lange Tradition hat, so Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler). Nach seinen Angaben befindet sich ein Drittel der deutschen Rüstungsarbeitsplätze in Bayern. Rund 50.000 Menschen seien in der Branche im Freistaat beschäftigt, Tendenz steigend. „Und dieser Wachstumsmarkt muss von uns bedient werden. Gerade auch in Zeiten, in denen zum Beispiel Automobilzulieferer an Substanz verlieren, wollen wir hier mit dabei sein“, sagte Aiwanger dem BR.
Für weiteres Wachstum hat die bayerische Staatsregierung in den vergangenen Jahren auch einen gesetzlichen Rahmen geschaffen. Bau-Projekte der Bundeswehr und auch der Rüstungsindustrie haben seither tendenziell Vorrang vor Umwelt- und Denkmalschutz. Es könnte also in Zukunft zu weiteren Konflikten und Sorgen vor Ort kommen, wenn Unternehmen aus der Verteidigungsindustrie Ansiedelungen planen.

