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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Grönland-Streit entschärft – wenn Trump nicht wieder umschwenkt
Wirtschaft

Grönland-Streit entschärft – wenn Trump nicht wieder umschwenkt

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 22. Januar 2026 09:48
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Eines lief auf jeden Fall ganz nach dem Geschmack von Donald Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos: Er allein stand im Mittelpunkt. Und es gab noch etwas, was Trump liebt: eine Überraschung.

Inhaltsübersicht
Trump-Rede voller WidersprücheÜberraschung nach Rutte-TreffenViele Unklarheiten bleibenDänemark zeigt sich erleichtert

Der US-Präsident landete mit Verspätung in der Schweiz, ein kurz nach Ankunft geplantes Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Davos wurde abgesagt. Dann folgte Trumps mit Spannung erwartete Rede. Sie sorgte zunächst kaum für Entspannung.

Trump-Rede voller Widersprüche

Zwar konnten die Europäer an einer Stelle der Rede kurz durchatmen: Zum Thema Grönland formulierte der US-Präsident eine Art Gewaltverzicht: „Ich muss keine Gewalt anwenden, ich will keine Gewalt anwenden, ich werde keine Gewalt anwenden“, sagte Trump. Doch gleichzeitig forderte der Präsident „sofortige Verhandlungen“, um erneut über den Kauf Grönlands durch die Vereinigten Staaten zu diskutieren.“

Mit wem genau er verhandeln wolle, ließ Trump offen – mal richtete er sich an Dänemark, mal an die Europäer insgesamt. Dabei betonte Trump: „Sie können Ja sagen – und wir werden das zu schätzen wissen. Oder Sie können Nein sagen – und das werden wir uns merken.“ Das klang dann doch wieder nach einer Drohung.

Ansonsten sparte Trump wie gewohnt nicht mit Selbstlob, nannte die USA das „angesagteste Land auf der Erde“, schmähte Dänemark, Europa und die Nato als „undankbar“ gegenüber den USA und brachte seinen angeblichen „Respekt“ gegenüber Grönland mit den Worten zum Ausdruck: „Ich bitte nur um ein Stück Eis.“

Überraschung nach Rutte-Treffen

Am Abend folgte ein Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte, den Trump schon in seiner Rede als großartigen Gesprächspartner gelobt hatte. Die Überraschung kam per Post auf Trumps Online-Netzwerk Truth Social: Der US-Präsident verkündete eine Rahmenvereinbarung zu Grönland und nahm die neu angedrohten Strafzölle gegen acht EU-Länder vom Tisch.

Trump schrieb wörtlich: „Auf der Grundlage eines sehr produktiven Treffens mit dem Generalsekretär der NATO, Mark Rutte, haben wir den Rahmen für ein künftiges Abkommen in Bezug auf Grönland und sogar die gesamte Arktisregion geschaffen. Diese Lösung wird, wenn sie umgesetzt wird, für die Vereinigten Staaten von Amerika und alle Nato-Staaten von großem Nutzen sein. Auf der Grundlage dieser Vereinbarung werde ich die Zölle, die am 1. Februar in Kraft treten sollten, nicht erheben.“

Es solle nun Verhandlungen über den geplanten US-Raketenschirm Golden Dome geben, soweit dieser Grönland betreffe, schrieb Trump weiter. Damit habe er Vizepräsident J.D. Vance, Außenminister Marco Rubio und seinen Sonderbeauftragten Steve Witkoff beauftragt.

Viele Unklarheiten bleiben

Bei einem kurzen Auftritt vor der Presse in Davos sagte Trump, die Vereinbarung bringe den USA „alles, was wir wollten“. Das erscheint zum jetzigen Zeitpunkt zweifelhaft: Schließlich wollte Trump Grönland „besitzen“, zu einem Teil der USA machen.

Zahlreiche Fragen bleiben zunächst offen: Was genau besagt der „Rahmen für ein künftiges Abkommen“? Ist weiter von einem möglichen Kauf Grönlands durch die USA die Rede? Konnte der Nato-Generalsekretär überhaupt für Dänemark, Grönland und die acht zunächst mit Zusatzzöllen bedrohten EU-Länder mitverhandeln? Oder stehen die Gespräche tatsächlich erst ganz am Anfang?

Vor allem stellt sich die Frage: Hat Trump eine Kehrtwende vollzogen? Oder folgt auf den taktischen Rückzug bald der nächste verbale Frontalangriff? Trump scheint den Grönland-Streit in jedem Fall zunächst entschärfen zu wollen. Die Details sollen – wie in der Vergangenheit schon oft – nun seine engsten Vertrauten aushandeln: Wittkoff, Rubio, Vance. Durchaus möglich, dass dies der Verhandlungstaktik entspricht: ein Maximum fordern, es mit Drohungen versehen, um am Ende einen Deal zu erreichen, den Trump als Erfolg verkaufen kann.

Dänemark zeigt sich erleichtert

Der dänische Außenminister Lars Lökke Rasmussen gestand am Abend im dänischen Rundfunk zumindest ein, der Tag habe besser geendet, als er begonnen habe. Er nehme zwei Dinge aus Davos mit: „Dass Trump sagt, dass er Grönland nicht angreift. Und dass der Zoll-Krieg auf Standby ist.“ Das sei positiv, so Rasmussen. Nato-Generalsekretär Rutte bestätigte Trumps Angaben als „völlig korrekt“, wollte der ARD aber keine weiteren Details nennen. Es werde „weitere Gespräche geben“, so Rutte.

Ist die Grönland-Krise also entschärft? Vielleicht – wenn Trump nicht wieder umschwenkt.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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