Es ist noch gar nicht lange her, da warnten Fluggesellschaften und Branchenverbände vor einer drohenden Treibstoffknappheit an europäischen Flughäfen. Hintergrund war der Krieg in der Golfregion und die Angst vor einer Unterbrechung der Ölversorgung. Inzwischen hat sich die Lage entspannt. So hat die EU ihre Regeln für die Einfuhr von nicht-europäischen Kerosinsorten gelockert und damit einen entscheidenden Flaschenhals beseitigt.
Dazu kommt, dass heimische Raffinerien ihre Kapazitäten voll ausschöpfen. Die Versorgung sei deswegen auf absehbare Zeit gesichert, sagte der Münchener Flughafenchef Jost Lammers dem BR. Zwar sei die Lage vor allem im März und April wegen des Golfkriegs sehr volatil gewesen, inzwischen sehe man aber wieder viel mehr Stabilität. „Die Tanks in München sind gefüllt. Die Flugzeuge werden ihr Kerosin von den Betankungsanlagen am Flughafen bekommen. Es gibt keine Einschränkungen“, so Jost Lammers.
Ölpreis hat zuletzt wieder angezogen
Es gibt derzeit also keinen Mangel an Treibstoff, zumindest an den bayerischen Flughäfen. Allerdings sind die Kerosinpreise wegen des zuletzt wieder massiv gestiegenen Weltmarktpreises für Rohöl hoch. Eine schnelle Entspannung sei angesichts der erneuten Eskalation der Gefechte zwischen US-Militärs und iranischen Streitkräften und der erneuten de-facto-Sperrung der Straße von Hormus auch nicht zu erwarten, heißt es an den Rohstoffmärkten.
Und das schlägt sich in den Geschäftszahlen der Fluggesellschaften nieder. Die Airlines stehen dabei vor einem Dilemma: Entweder sie schlagen die gestiegenen Spritkosten auf die Ticketpreise um und vergraulen damit potenzielle Kunden, oder sie nehmen schrumpfende Erträge in Kauf. So meldete Ryanair für das abgelaufene Quartal einen Gewinnrückgang um ein Drittel. Die Lufthansa legt ihre Zahlen für die Monate von April bis Juni Anfang August vor. Deutschlands größte Airline hatte angesichts anziehender Kosten den Betrieb ihrer Tochter CityLine eingestellt und rund 20.000 geplante Flüge gestrichen.
Flüge sind spürbar teurer geworden
Tendenziell bekommen Passagiere die sprunghaft gestiegenen Treibstoffkosten bereits zu spüren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verteuerten sich Tickets für internationale Flüge im Jahresvergleich im Schnitt um 8,5 Prozent. Auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) kommt in seinem regelmäßig erstellten Monitor (externer Link) für den Luftverkehr zu vergleichbaren Erkenntnissen. So seien zum Beispiel die in früheren Jahren üblichen Billigstangebote mit Tickets für Preise unter 20 Euro nahezu komplett aus dem Markt verschwunden.

