Erdbeben, Stürme und Brände hinterließen in den ersten sechs Monaten global wieder hohe Schäden. Die Munich Re als weltgrößter Rückversicherer nennt in ihrem Halbjahresbericht (externer Link) Schäden in Höhe von 112 Milliarden US-Dollar. Das liegt leicht unter dem inflationsbereinigten Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (113 Milliarden US-Dollar).
Das erste Halbjahr sei eine „finanzielle Verschnaufpause für die Versicherungswirtschaft“ gewesen, sagt der Chefklimatologe der Munich Re, Tobias Grimm, gegenüber BR24, „mehr aber auch nicht“, fügt er hinzu.
Europa: Rekordhitze, teure Stürme, steigende Folgeschäden
Der Klimawandel sei sichtbar und er werde immer deutlicher, erklärt Grimm. So leiden Frankreich und Spanien derzeit unter heftigen Waldbränden. Diese sind verständlicherweise noch nicht in der Halbjahresbilanz der Munich Re erwähnt. Allerdings ist Europa aufgrund der hohen Temperaturen im Mai und Juni bereits in diesem Bericht besonders im Fokus der Klimaforscher des Rückversicherers.
Denn ihrer Beobachtung nach erwärmt sich der Kontinent etwa doppelt so stark wie der globale Durchschnitt – mit spürbaren Folgen. Eine vergleichbare Hitzewelle vor 50 Jahren wäre um rund 3,5 Grad kühler gewesen und damit ohne Klimawandel kaum vorstellbar, heißt es bei der Munich Re.
Wissenschaftler des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sprechen bereits davon, dass frühere Hitzerekorde „pulverisiert“ wurden. Als Beispiel wird Möckern-Drewitz im Osten Deutschlands genannt, dort wurden Ende Juni 41,8 Grad gemessen. Das lag 0,6 Grad über dem bisherigen landesweiten Rekord von 2019. Hervorgehoben wird dabei, dass der Juni normalerweise nicht der heißeste Monat des Jahres ist.
Hitzewellen gelten mittlerweile als tödlichste Naturgefahr
Allein in Deutschland starben nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts bis Juni mehr als 5.000 Menschen an Hitzefolgen. Auch die wirtschaftlichen Folgen sind deutlich sichtbar. Neben Produktivitätsverlusten durch die hohen Temperaturen gibt es Schäden an der Infrastruktur und in der Landwirtschaft. Eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zeigt, dass zehn zusätzliche Tage mit Temperaturen über 35 Grad die Arbeitsproduktivität im Schnitt um 0,3 Prozent senken.
Seit langem schon fordert die Munich Re, sich auf den Klimawandel entsprechend einzustellen. Prävention habe viele Gesichter, so Grimm. Das könnten großräumige Sturmflutsperrwerke sein oder Flutpolder, und im Kleinen könnten es eben renaturierte Bäche und begrünte Stadtzentren sein, um die Hitze aus den Städten rauszubekommen. Für Waldbrand sei es wichtig, dass man das brennbare Material aus dem Wald rauskriege. Er rät zudem, brennbares Material aus den Dachrinnen zu entfernen. Ortschaften sollten Abstand zu den Wäldern halten, dort, wo es brennen könne, damit es eben nicht auf die Ortschaften überspringe. Schadenprävention sei die beste Risikovorsorge.
Europa litt zu Jahresbeginn unter Winterstürmen
Neun Stürme trafen innerhalb von gut einem Monat Portugal und Spanien, darunter Sturm Kristin Ende Januar mit Windgeschwindigkeiten bis 170 km/h. Er verursachte Schäden von rund 7,7 Milliarden US-Dollar, davon 1,8 Milliarden US-Dollar versichert, und übertraf in Portugal bereits die üblichen jährlichen Schadenwerte seit 1980.
Insgesamt entfielen rund 80 Prozent der europäischen Gesamtschäden und 70 Prozent der versicherten Schäden im ersten Halbjahr auf diese neun Stürme. Die europäischen Naturkatastrophenschäden summierten sich auf rund 22 Milliarden US-Dollar, davon gut sieben Milliarden US-Dollar versichert.
Mehr als die Hälfte der Schäden nicht versichert
Gerade einmal 44 Milliarden US-Dollar der Schäden durch Naturkatastrophen waren versichert. Dadurch entsteht eine Versicherungslücke von 60 Prozent. Ein Grund: das Doppel-Erdbeben in Venezuela am 24. Juni. Zwei starke Beben nahe der Stadt Moròn forderten tausende Todesopfer und verursachten Gesamtschäden von rund 30 Milliarden US-Dollar. Allerdings waren davon nur weniger als eine Milliarde Dollar versichert.
Anders die Situation in den USA: Dort sind viele Unternehmen und Haushalte versichert. Die vielerorts üblichen schweren Gewitter führten zu 30 Milliarden US-Dollar Gesamtschäden, davon waren 22 Milliarden US-Dollar versichert. Allerdings erwarten Fachleute für die zweite Jahreshälfte eine starke El-Niño-Phase, möglicherweise mit Rekordausprägung.
El Niño ist Teil der natürlichen ENSO-Schwankung im Pazifik, erhöht aber zusammen mit dem Klimawandel die globalen Durchschnittstemperaturen und verändert Extremwetter. Aktuell sind die Meere so warm wie nie. Weltweit drohen vermehrte Dürren, Waldbrände und Starkregen, besonders in Australien, Mittelamerika, Teilen Afrikas sowie im Pazifikraum.

