In Deutschland sind in diesem Jahr bereits zwei Menschen nach Vibrionen-Infektionen gestorben. Einer der Todesfälle wurde nach Angaben des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lageso) (externer Link) nach einem Aufenthalt an der Ostsee in Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Nach dpa-Informationen unter Berufung auf das Robert Koch-Institut (RKI) wurden bundesweit bislang 17 Vibrionen-Infektionen und zwei Todesfälle nach in Deutschland erworbenen Infektionen registriert.
Vibrionen sind zwar nicht für jeden gefährlich, insbesondere für Menschen mit geschwächtem Immunsystem aber kann eine Infektion mit den salztoleranten Bakterien lebensbedrohlich, in Ausnahmefällen sogar tödlich sein.
Wassertemperaturen ab 20 Grad für Vibrionen ideal
Vibrionen vermehren sich verstärkt ab Wassertemperaturen von 20 Grad. Durch längere Hitzeperioden erreichen Küstengewässer künftig häufiger Temperaturen über 20 Grad, sodass sich die Bedingungen für Vibrionen verbessern. Neben der Hitze und den steigenden Wassertemperaturen kommt hinzu, dass die Salzkonzentration in der Ostsee moderat ist und so die Bedingungen für mehrere krankmachende Nicht-Cholera-Vibrionen, darunter Vibrio vulnificus und Vibrio cholerae non-O1/non-O139, günstig sind. Doch sind Vibrionen wirklich so gefährlich?
Was sind Vibrionen?
Vibrionen ist die eingedeutschte Bezeichnung für Bakterien der Gattung Vibrio. Die bekannteste Art ist Vibrio cholerae, von der jedoch nur bestimmte Varianten die Cholera auslösen. Bei den in der Nord- und Ostsee vorkommenden Vibrionen handelt es sich meist um sogenannte Nicht-Cholera-Vibrionen, etwa Vibrio vulnificus, Vibrio parahaemolyticus oder Vibrio cholerae non-O1/non-O139.
Wo kommen Vibrionen vor?
Vibrionen kommen weltweit vor allem in Brack- und Salzwasser vor. Einige Arten können auch in Süßwasser nachgewiesen werden. In Deutschland kommen Nicht-Cholera-Vibrionen unter anderem in Nord- und Ostsee vor. Besonders günstige Bedingungen finden sie in Flussmündungen, Buchten, Bodden, Brackwasser und flachen Küstenbereichen, die sich schnell erwärmen. Eine interaktive Karte, auf der günstige Umweltbedingungen für Vibrio-Wachstum nahezu in Echtzeit verfolgt werden können, ist auf der Internetseite des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) (externer Link) veröffentlicht.
Wo ist die Infektionsgefahr besonders hoch?
Die Infektionsgefahr ist nach RKI-Angaben an oder unweit von besonders flachen und sich dadurch schnell erwärmenden Küstenbereichen höher, in denen das an Flussmündungen einströmende Süßwasser den Salzgehalt reduziert.
Wie hoch ist das Risiko für eine Vibrionen-Infektion in Deutschland?
Die Infektionsgefahr hängt vor allem von der Wassertemperatur ab. Daneben spielen auch der Salzgehalt und die Eigenschaften des Gewässers eine wichtige Rolle. Gibt es weitere Hitzesommer, könnte sich die Zahl der Vibrionen-Infektionen in Zukunft erhöhen.
Wer ist bei einer Vibrionen-Infektion gefährdet?
Junge und gesunde Erwachsene erkranken laut RKI (externer Link) nur selten an einer Vibrionen-Infektion. Gefährlich sind die Bakterien vor allem für ältere sowie immungeschwächte Personen. Menschen mit Vorerkrankungen wie Diabetes, Lebererkrankungen oder schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben ein erhöhtes Risiko für eine Erkrankung und einen schweren Krankheitsverlauf. Schwere Verläufe und Todesfälle sind in Deutschland selten, werden aber vor allem bei gesundheitlich vorbelasteten Menschen immer wieder gemeldet.
Worauf sollten Badende achten?
Vibrionen lösen Wundinfektionen aus, die durch den Kontakt offener oder schlecht verheilter Wunden mit erregerhaltigem Meerwasser hervorgerufen werden. Menschen mit solchen Wunden sollten nach Möglichkeit auf das Baden verzichten. Wer dennoch baden möchte, sollte die Wunde wasserdicht abdecken. Das gilt vor allem für ältere, immungeschwächte oder chronisch kranke Menschen. Verändert sich eine Wunde nach dem Baden auffällig oder treten starke Beschwerden auf, sollte das rasch ärztlich abgeklärt werden.
Was sind Symptome einer Vibrionen-Infektion?
Mögliche Symptome einer Vibrionen-Infektion sind starker lokaler Schmerz, Rötung, Schwellung, mitunter Blasenbildung, Fieber und Schüttelfrost. In schweren Fällen kann sich die Infektion rasch ausbreiten und zu einer Blutvergiftung (Sepsis) führen. Auch wer mit Vibrionen kontaminierte Meeresfrüchte isst, die roh oder nur wenig gegart sind, oder kontaminiertes Meerwasser schluckt, ist gefährdet. Dann können unter anderem Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Fieber und Schüttelfrost auftreten. Behandelt werden die Infektionen in der Regel mit Antibiotika.

