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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Seethermie: Potenzial der bayerischen Seen nicht ausgeschöpft
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Seethermie: Potenzial der bayerischen Seen nicht ausgeschöpft

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 24. November 2024 17:52
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Wer die Wärmewende will, der denkt zunächst an Geothermie, Solaranlagen oder Hackschnitzelheizungen. In Bayern kaum Beachtung findet bislang die sogenannte „Seethermie“, also Wärmegewinnung aus Seewasser. Und das, obwohl mit dem Bodensee und den großen oberbayerischen Seen das Notwendige vorhanden ist: hinreichend tiefe, große und temperaturstabile Gewässer mit energiehungrigen Anliegerkommunen.

Inhaltsübersicht
Was sich in Bayern tutWirtschaftlichkeit und Ökologie im FokusBodensee mit Leuchtturm-Projekten

Auch an der Technik mangelt es nicht. Sie ist relativ simpel zu erklären: Wasser aus 20 bis 40 Meter Tiefe wird bei 4 bis 10 Grad mit Rohren zu einer Energiezentrale am Ufer durch einen Wärmetauscher gepumpt, um einen zweiten Wasserkreislauf zu erhitzen. Dieses Wasser wird von einer Wärmepumpe auf Heiztemperatur gebracht und versorgt die angeschlossenen Abnehmer. Das ursprüngliche Seewasser hingegen fließt zurück und kehrt abgekühlt an anderer Stelle wieder zurück in den See.

Was sich in Bayern tut

Die gute Nachricht ist: Das Interesse an dieser Technologie steigt. Nicht nur, weil die Gaspreise weiterhin hoch sind, sondern auch, weil der Bund bis 2028 von den Kommunen ein ausführliches Wärmeplanungskonzept verlangt. Ganz konkret gibt es neben ersten Ideenskizzen auch bereits einige Machbarkeitsstudien. Ein Erlebnisbad und ein Hoteldorf sind bekannt gewordene Großprojekte im Ideenstadium. Folgende Gemeinden befassen sich bereit mit der Seethermie: Bernried und Tutzing am Starnberger See, Prien am Chiemsee, Bad Wiessee am Tegernsee und Herrsching am Ammersee.

Warum die Konzepte noch nicht weiter fortgeschritten sind, hat vor allem mit ökologischen Herausforderungen zu tun. Denn Seethermie greift in den natürlichen Kreislauf ein und arbeitet mit den riesigen Trinkwasser-Reserven unserer Seen. Zum Beispiel gehört der Ammersee zu den sieben international bedeutendsten Feuchtgebieten Bayerns. Ökologische Unbedenklichkeit der Projekte ist daher oberste Priorität.

Wirtschaftlichkeit und Ökologie im Fokus

Das bedeutet beispielsweise, dass die Förderanlagen der Seethermie genügend Abstand zu Trinkwasser-Entnahmestellen haben müssen. Auch darf der See nicht zu sehr abkühlen, wenn das Wasser zurückläuft. Technisch herausfordernd ist auch, dass die Rohre gereinigt werden müssen, wenn sich beispielsweise Muscheln dort ansiedeln. Und: der Pumpenstrom sollte idealerweise nicht aus fossilen, sondern aus regenerativen Quellen wie Photovoltaik stammen.

Die Kosten können ein Killerkriterium sein. Einige Zahlen sind aus der Presse bekannt: Etwa 50.000 Euro kostet allein die Tutzinger Machbarkeitsstudie, die Hälfte zahlt der Bund. Der Bau einer Betriebszentrale und eines Wärmenetzes verschlangen im schweizerischen Gottlieben (Bodensee) rund 6 Millionen Franken. Die österreichischen Nachbarn in Vorarlberg rechnen mit rund 100 Millionen Euro für ihr Seethermie-Projekt rund um Bregenz. Deshalb gilt: Je größer die Anlagen werden, desto größer müssen auch die Bedarfe der Kunden sein. Und je weiter entfernt die Abnehmer vom Ufer leben, desto unmöglicher wird es auch, die Wärme aus dem See zu den Leuten zu bringen.

Bodensee mit Leuchtturm-Projekten

Beim Mainauer Klimadialog vergangenen Montag wurden die Möglichkeiten und Grenzen der Seethermie am Fallbeispiel Bodensee deutlich. In Bayern befinden sich die befassten Ministerien immer noch in der Abstimmungsphase. Nachbar Baden-Württemberg ist bei der kommunalen Wärmeplanung schon weiter und „will die Nase vorn haben“, so Umweltministerin Thekla Walker (Grüne).

So bleibt am Ende die Kostenfrage, die bislang nur halbkonkret beantwortet wird. Die Wärme aus Seethermie sei „sicher teurer als Russengas und zwischen 15 bis 25 Cent pro Kilowattsunde“ schätzten die Stadtwerke Konstanz. Was in Meersburg auf ein Zweifamilienhaus an Kosten zukommt, kann die Stadt noch nicht seriös sagen. 2025 will man kalkulationsfähig sein, 2028 soll der erste Bauabschnitt beginnen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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