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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Siemens zieht sich aus der Medizintechnik zurück
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Siemens zieht sich aus der Medizintechnik zurück

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 13. November 2025 08:49
Von Christin Freitag
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5 min. Lesezeit
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Siemens will seine Beteiligung am Erlanger Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers deutlich reduzieren: um 30 Prozent. Das teilte das Münchner Unternehmen am Abend in einer Adhoc-Mitteilung mit. Zuletzt belief sich die Beteiligung von Siemens auf 67 Prozent. Nun sollen Aktien der Siemens-Tochter Healthineers im Wert von rund 15 Milliarden Euro an die Aktionäre abgegeben werden.

Inhaltsübersicht
Finanzchef: Spielräume für Siemens erweiternSiemens will „One Tech Company“ seinHealthineers ist gesund

Ziel der Aktion ist, dass die Münchner das Geschäft der Erlanger Tochter nicht mehr voll konsolidieren müssen – zudem setzt Siemens damit seinen seit Jahren eingeschlagenen Kurs fort, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren. Derzeit hält Siemens noch gut zwei Drittel der Healthineers-Aktien.

Finanzchef: Spielräume für Siemens erweitern

Die Aktien sollen den aktuellen Siemens-Aktionären vorzugsweise in Form einer Direktabspaltung übertragen werden. Praktisch bedeutet das, dass die Healthineers-Wertpapiere den Siemens-Aktionären einfach ins Depot gebucht würden. Der Schritt muss laut Siemens aber noch regulatorisch geprüft werden.

Auf Dauer will Siemens nur noch eine signifikante Minderheitsbeteiligung an Healthineers halten. „Der heutige Tag markiert den Beginn der nächsten Wachstumsphase für Siemens“, sagt Konzernchef Roland Busch. Mit der Abgabe der Kontrollmehrheit an Healthineers konzentriere sich Siemens auf ein „hochgradig synergetisches“ Portfolio. 

Finanzchef Ralf P. Thomas betonte zudem, dass die Entkonsolidierung die Spielräume für Siemens erweitere. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Hauptversammlungen beider Unternehmen zustimmen. Die genaue Ausgestaltung soll in den kommenden Monaten erarbeitet werden. Details sollen Anfang des zweiten Kalenderquartals 2026 bekanntgegeben werden. 

Die Trennung der beiden Unternehmen sei ein letztlich konsequenter Schritt – auch wenn er nicht leicht falle, heißt es von IG Metall und Betriebsrat. Wichtig für die Arbeitnehmer sei gewesen, für die Trennung tragfähige Bedingungen zu erreichen. Dazu gebe es Zusagen der Firmenseite: Unter anderem eine unveränderte Tarifbindung, Standort- und Beschäftigungssicherung sowie den Verbleib der Unternehmenszentrale in Deutschland. 

Siemens will „One Tech Company“ sein

„Wir tragen das Konzept der integrierten One Tech Company mit, weil es aus heutiger Sicht langfristig die besten Aussichten für Siemens bietet“, sagt der 2. Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner. Denke man das konsequent weiter, passe Healthineers technologisch „auf Dauer nicht wirklich zu den Kernelementen Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility und hat obendrein eigenständig bessere Chancen. Sich wider besseres Wissen an der aktuellen Struktur festzuklammern, geht dann nicht mehr – stattdessen kommt es auf bestmögliche Gestaltung der Veränderung an.“

Siemens hatte seine Medizintechniksparte im März 2018 unter dem Namen Healthineers an die Börse gebracht, dabei aber eine komfortable Mehrheit behalten. Aktuell hält Siemens noch rund 67 Prozent der Healthineers-Anteile und muss die Tochter daher voll konsolidieren. Zu Kursen um 45 Euro pro Healthineers-Aktie, wie sie zuletzt gezahlt wurden, wäre der gesamte Siemens-Anteil um die 34 Milliarden Euro wert. 

Healthineers, geführt vom ehemaligen Basketball-Bundesligaspieler Bernd Montag als CEO, gehört zu den weltgrößten Herstellern von Medizintechnik. Das Unternehmen, inzwischen selbst ein Dax-Konzern, stellt unter anderem bildgebende Medizingeräte wie Kernspin- und Computertomografen her und versorgt Krankenhäuser mit Komplettlösungen.

Die Sparte Labordiagnostik – dazu zählen etwa technische Möglichkeiten für Bluttests – galt zunächst als Hoffnungsträger, zuletzt aber eher als Verkaufskandidat. 2021 hatte Healthineers den hochprofitablen US-Strahlentherapie-Spezialisten Varian übernommen.

Healthineers ist gesund

Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Healthineers knapp 2,2 Milliarden Euro Gewinn gemacht und damit einiges zum Jahresergebnis der Mutter beigetragen. Das Unternehmen gilt insgesamt als profitabel, wenn auch die Wachstumsprognosen nicht immer alle Hoffnungen von Investoren erfüllten. Nach eigenen Angaben beschäftigt das Unternehmen mit Hauptsitz am alten Siemens-Standort Erlangen weltweit mehr als 70.000 Menschen. 

Über eine Reduzierung des Healthineers-Anteils war bei Siemens schon länger spekuliert worden. Die Gewinne der Tochter haben zuletzt zwar dazu beigetragen, Schwächen an anderer Stelle im Konzern abzufedern, doch Healthineers bringt dem Konzern keine Synergien und bindet Kapital. Investoren fordern daher schon länger eine komplette Trennung. Im laufenden Jahr hat Siemens bereits Anteile verkauft, um mit den Erlösen zum Teil die Übernahmen zu finanzieren. 

Siemens hat in der Vergangenheit immer wieder Teile abgespalten – sei es die Halbleitersparte, die heute unter dem Namen Infineon läuft, sei es Osram oder die 2020 an die Börse gebrachte Energietechniksparte Siemens Energy. Dass der Konzern über mehr als sieben Jahre eine so hohe Beteiligung wie bei Healthineers hält, kam dabei aber nicht vor.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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