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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Von Aschheim nach Antigua – der Mann hinter Wirecard
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Von Aschheim nach Antigua – der Mann hinter Wirecard

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 25. November 2025 11:51
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Weitere Geldflüsse zu Calvin Ayre

Den Kontounterlagen zufolge sind hohe Summen nicht nur nach Antigua geflossen, wo Calvin Ayre bis heute lebt. In den Überweisungsdaten finden sich auch Firmen, die unmittelbar mit den Online-Glücksspielgeschäften von Calvin Ayre in Verbindung stehen. So flossen 6,6 Millionen Euro zu einer Software-Firma aus Spanien namens RGT Desarollo Informatico. Eine Tyche Consulting aus Manila hat schon 2014 fast 8 Millionen Euro erhalten. Auch hier führen die Spuren zu Ayre.

Inhaltsübersicht
Weitere Geldflüsse zu Calvin AyreHinweis kommt von MarsalekWie Wirecard von Geldflüssen profitiert hatKeine Drehgenehmigung – Antigua will „positive Berichterstattung“

Hunderte Millionen Euro sind von der Wirecard-Bank aus auch nach Hongkong geflossen, vor allem zur Firma Pittodrie Finance Limited. Nach Berechnungen des BR auf Basis der vorliegenden Belege sind es über 177 Millionen Euro. Dieses Geld gehört nach BR Recherchen ebenfalls Calvin Ayre und stammt nicht, wie Markus Braun es darstellt, aus dem Wirecard-Drittpartner-Geschäft.

Die Pittodrie Finance Limited ist ein Investment-Vehikel der Monterosa Group aus Zürich, die das Vermögen angelegt hat. Die Spur der Überweisungen führt zum Züricher Vermögensverwalter Fairway Family Office. Von dort aus agiert nach Worten von Christen Ager-Hanssen jemand, der als „Mastermind“ hinter Calvin Ayres Finanzgeschäften gilt. Auf Anfrage zu den Hintergründen des Geldflusses erklärt die Firma, dass Banken Zahlungen abwickeln, sei „Teil ihrer üblichen Geschäftstätigkeit“. Antworten auf konkrete Fragen bekommt der BR nicht. „Calvin war dafür bekannt, eines der größten Gambling-Unternehmen der Geschichte aufgebaut zu haben. Und durch dieses System floss eine Menge Geld. Das begann über Wirecard zu laufen. Er war der Mann hinter Wirecard“, so beschreibt Christen Ager-Hanssen dessen Rolle.

Auch an Calvin Ayre selbst gehen Überweisungen. In den Kontounterlagen ist vermerkt, dass an einen „Calvin Wilson“ mit Wohnsitz auf den Philippinen mehrfach Geld transferiert worden ist. Nach BR-Recherchen hat Ayre diesen Namen als Alias verwendet.   

Hinweis kommt von Marsalek

Ein Hinweis auf diese Finanz-Struktur kommt ausgerechnet von Jan Marsalek: Im Juli 2023, gut ein halbes Jahr nach Beginn des Prozesses, wendet sich der flüchtige Wirecard-Manager über seinen Anwalt in einem achtseitigen Brief an das Landgericht München.

Darin steht unter anderem, im Hintergrund des angeblichen Drittpartnergeschäfts habe „de facto ein einziger Kunde“ gestanden, und Marsalek habe „mit einem kanadischen Kunden dessen gesellschaftsrechtliche Strukturen“ neu aufgebaut. Marsaleks Anwalt äußert sich diesem Sachverhalt auf Anfrage des BR nicht.

Wie Wirecard von Geldflüssen profitiert hat

Wirecard hat so Calvin Ayre ermöglicht, Zahlungen über angebliche Drittpartnerkonten zu schleusen. Hat auch Wirecard von diesen Geldflüssen profitiert? Tatsächlich dienten Überweisungen auf Konten von Drittpartnern bei der Wirecard-Bank den Wirtschaftsprüfern von EY als Beleg für ein existierendes Drittpartnergeschäft des Aschheimer Zahlungsdienstleisters. Dieser konnte so kaschieren, dass diese Geschäfte frei erfunden waren.

So ist in dem geheimen „Wambach-Bericht“ für den Wirecard-Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag vermerkt, die Wirtschaftsprüfer hätten Kontoauszüge der Wirecard-Bank eingeholt – als Nachweis „über Zahlungseingänge bei Wirecard, die dem TPA-Geschäft zugeordnet werden“, das heißt dem Drittpartnergeschäft EY teilt dem BR auf Anfrage mit, die Prüfer hätten „auch im beschriebenen Kontext nach den geltenden berufsrechtlichen Standards geprüft“.

Die Staatsanwaltschaft München I macht „aufgrund des laufenden Prozesses keine weiteren Angaben“ zu dem Themenkomplex. Braun-Anwältin Theres Kraußlach betont im Interview mit dem BR, ihr Mandat habe von diesen Vorgängen nichts gewusst und: „Er ist selbst im Grunde Opfer einer Straftat geworden.“

Keine Drehgenehmigung – Antigua will „positive Berichterstattung“

Errol Cort und Calvin Ayre ignorieren die Anfragen, die ihnen der BR an mehrere E-Mail-Adressen schickt. Ayre reagiert auch auf mehrere Anrufe und SMS-Nachrichten nicht.

Eine Drehgenehmigung für Antigua bekommt report München ebenfalls nicht. Der dafür zuständige „Media Commissioner“ teilt in einem Telefonat mit, für ein Interview mit Ayre sei eine offizielle Einladung von ihm notwendig. Außerdem wolle Antigua in den Medien ausschließlich positiv dargestellt werden.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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