Tatsache ist: Der Spardruck auf den VW-Konzern ist in den vergangenen Monaten nicht kleiner geworden. Im Gegenteil, denn im ersten Quartal verkauften die Wolfsburger erneut weniger Fahrzeuge als im Vorjahreszeitraum. Vor allem bei Porsche sank der Absatz deutlich, bei Audi gingen die Verkäufe um mehr als sechs Prozent zurück.
Druck zuletzt weiter gestiegen
Ein Artikel im Handelsblatt (externer Link) sorgt seit Tagen für Unruhe bei VW. Dem Bericht zufolge, denkt Konzernchef Oliver Blume über weitere Sparmaßnahmen nach. Und das könnte auch die beiden Audi-Werke hierzulande treffen, so die Befürchtung. Gar von möglichen Schließungen soll die Rede sein und: dass sich zwischen Blume und dem Audi-Chef Gernot Döllner ein Richtungsstreit anbahnt.
Der Automobilstandort Deutschland gilt seit langem als vergleichsweise teuer – vor allem aufgrund hoher Lohn- und Energiekosten. Hinzu kommt, dass der Autoabsatz in Europa stagniert. Seit Jahren wird in der Branche darüber diskutiert, dass die Kapazitäten in Europa zu hoch sind, Werke also nicht ausreichend ausgelastet sind.
Dennoch: Aus dem Umfeld der VW-Konzernspitze in Wolfsburg weist man Spekulationen über mögliche Werksschließungen bei Audi zurück. Es sei in Deutschland auch gar nicht so leicht sei, einen Autostandort zu schließen, heißt es.
Werksschließung: Audi sieht keine Gefahr
Die VW-Tochter hat bereits im vergangenen Jahr ein Werk in Brüssel geschlossen. Audi hält weitere Werksschließungen zumindest mittelfristig für ausgeschlossen – sowohl in Ingolstadt als auch in Neckarsulm. Durch die Werksschließung in Brüssel sei die Gesamtkapazität zusätzlich reduziert worden. Audi sei damit auf einem guten Weg zu mehr Effizienz, teilt die Pressestelle mit.
In Ingolstadt und Neckarslum wurden zudem die Kapazitäten bereits in den vergangenen Jahren deutlich reduziert. Vorbei sind die Zeiten, als in Ingolstadt pro Jahr 650.000 Fahrzeuge vom Band rollten. Heute liegt die Kapazität bei 450.000 Fahrzeugen, in Neckarsulm bei 225.000. Weitere Anpassungen an den deutschen Standorten seien derzeit nicht beschlossen, erklärte ein Firmensprecher auf BR24-Anfrage.
Auch der Chef des Gesamtbetriebsrats, Jörg Schlagbauer, geht nach wie vor davon aus, dass sich der Vorstand an seine Zusagen hält. Deswegen seien auch Spekulationen über zusätzliche Einsparungen, Kapazitätsanpassungen oder Werksschließung bezüglich der heimischen Audi-Standorte – von wem auch immer – schlichtweg überflüssig.
7.500 Stellen sollen abgebaut werden
Die Betriebsvereinbarung sieht unter anderem den sozialverträglichen Abbau von 7.500 Stellen bis 2029 vor. Mehrere tausend Beschäftigte haben laut Schlagbauer bereits entsprechende Vorruhestands- und Altersteilzeitregelungen unterschrieben. Die Programme liefen planmäßig.
Daneben gibt es hierzulande eine Beschäftigungsgarantie bis 2033. In Ingolstadt waren im vergangenen Jahr 40.000 Menschen beschäftigt. Neuen Schwung bringen sollen der Q3 und das neue Elektroauto A2 e-tron, deren Produktion in diesem Jahr dort anläuft. Mit dem Dreiklang aus Verbrenner-, Hybrid- und Elektromodellen stelle man den Standort robust und flexibel auf, so der Firmensprecher.
Audi-Finanzvorstand fordert mehr Effizienz
Früher galten Audi und Porsche als die Gewinnbringer des VW-Konzerns. Mittlerweile hat diese Rolle Skoda. Der Finanzchef der Ingolstädter Tochter, Jürgen Rittersberger, hatte jüngst auch eingeräumt, dass man mit den Gewinnmargen nicht zufrieden ist und weiter die Kosten senken will. An der Lage wird sich so schnell nichts ändern, im Gegenteil: Globale Ereignisse wie US-Handelszölle und der harte Wettbewerb mit China belasten die Geschäfte der ganzen Autoindustrie.
Hinzu kommen die zahlreichen Krisen, die unter anderem bei vielen Kunden für Zurückhaltung sorgen. Natürlich müsse man Ausgaben hinterfragen, meint auch Schlagbauer. Allerdings rät er der Geschäftsführung auch einen klaren Kurs beizubehalten.
Und gerade da hat es in der Vergangenheit gehapert, unter anderem aufgrund des Personalkarussells in der Führungsetage. In den so wichtigen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen, im Vertrieb und selbst an der Spitze gab es in vergangenen Jahren einige Wechsel, die für Unruhe sorgten.

