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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Abnehmspritzen: Kein Lifestyle-Produkt sondern Medikament
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Abnehmspritzen: Kein Lifestyle-Produkt sondern Medikament

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 7. April 2026 09:49
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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108 Kilo – soviel wog Caroline Holz aus München früher. Mittlerweile hat sie 27 Kilo abgenommen, in nur acht Monaten. Seitdem fühlt sie sich viel wohler in ihrem Körper, steigt Treppen viel leichter hinauf, ist aktiver. Erreicht hat die 58-Jährige das mit der Abnehmspritze Mounjaro, die sie sich einmal wöchentlich selbst injizierte.

Inhaltsübersicht
Abnehmspritze: Keinen Heißhunger mehrGame Changer für Adipositas-PatientenNebenwirkungen möglich – ärztliche Begleitung wichtigStarke Nebenwirkungen wie Erblindungen nicht belegtVitamine, Proteine, Bewegung und Kraftsport wichtig

Abnehmspritze: Keinen Heißhunger mehr

Das verschreibungspflichtige Medikament enthält den Wirkstoff Tirzepatid. Dieser senkt den Blutzucker und verstärkt das Sättigungsgefühl. Plötzlich ist für Caroline Holz alles anders: Endlich drehen sich ihre Gedanken nicht mehr den ganzen Tag ums Essen. Keine Heißhunger-Attacken mehr.

Parallel mit dem Spritzen veränderte Caroline Holz auch ihre Gewohnheiten: kein Alkohol mehr, kein Essen nach 18 Uhr. Die Kosten für die Injektion hat sie selbst getragen, bis zu 500 Euro im Monat.

Game Changer für Adipositas-Patienten

Die Abnehmspritze sieht auch der Mediziner Gert Bischoff als echten Game Changer für chronisch kranke, übergewichtige Menschen, die von Adipositas betroffen sind. Er leitet das Zentrum für Ernährungsmedizin und Prävention (ZEP) an der Klinik der Barmherzigen Brüder in München. Jedes Jahr werden dort etwa 3.000 Adipositas-Patienten behandelt, etwa jeder fünfte von ihnen mit der Abnehmspritze.

Für viele Betroffene ist die Behandlung der Beginn der Erlösung von einem jahrelangen Leiden. Von der Gesellschaft würden Menschen mit starkem Übergewicht oft als disziplinlos abgestempelt. Doch wer chronisch krank sei, der habe keine Schuld, sagt Bischoff. Übrigens: Wer von Typ-2-Diabetes betroffen ist oder von starkem Übergewicht, der bekommt die Abnehmspritze von der Kasse bezahlt.

Nebenwirkungen möglich – ärztliche Begleitung wichtig

Während Caroline Holz ihr Hungergefühl durch Spritzen gebändigt hat, war sie unter ärztlicher Aufsicht, ließ regelmäßig ihre Körperwerte messen. Abgesehen von niedrigem Blutdruck hatte sie keine starken Nebenwirkungen. Die 58-Jährige hatte Glück: Denn gerade am Anfang der Therapie könnten zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen oder Kopfschmerzen auftreten, sagt Dr. Gert Bischoff aus München. Mit entsprechender Betreuung und steigender Dosierung seien die Nebenwirkungen meistens im Verlauf gut beherrschbar und gingen auch wieder weg.

Darüber hinaus gebe es aber auch schwere Nebenwirkungen, sagt Dr Gert Bischoff, wie eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse. Diese Fälle seien jedoch eher selten. Insgesamt plädiert er für eine mehrgleisige Therapie – und langfristig veränderte Gewohnheiten in der Ernährung, der Bewegung und im Verhalten.

Starke Nebenwirkungen wie Erblindungen nicht belegt

Ein internationales Forschungsteam hatte einen Zusammenhang zwischen dem Verlust der Sehkraft und der Einnahme der Diabetes- und Abnehmmedikamente mit den Handelsnamen Ozempic und Wegovy gefunden, die den Wirkstoff Semiglutid beinhalten. Demnach degeneriert die Makula, also die Netzhautmitte, schneller. Dies berichtete die Fachzeitschrift Jama Ophthalmology bereits 2024. Bei jenen, die mindestens sechs Monate lang Semaglutid oder verwandte Wirkstoffe einnahmen, war das Risiko für eine feuchte Makuladegeneration mehr als doppelt so hoch wie in der Kontrollgruppe.

Ob Abnehmspritzen tatsächlich blind machen können, ist bisher nicht ausreichend belegt. Das absolute Risiko eines Sehkraftverlustes sei mit 0,2 Prozent über drei Jahre Studiendauer relativ gering, so die Studienautoren. Die Untersuchung basiert auf Gesundheitsdaten von über 139.000 Patienten, die älter sind als 66 Jahre. Es laufen weitere Forschungen.

Vitamine, Proteine, Bewegung und Kraftsport wichtig

Wer mit der Abnehmspritze seinen Appetit zügelt, der isst weniger und verliert Gewicht. Das ist erstmal ein Erfolg. Gefährlich werde es aber, so der Mediziner Bischoff, wenn man sich dann auch schlechter ernähre. Die Folgen könnten dann ein Mangel an Vitaminen und Spurenelementen sein. Das könne dann zu Haarausfall, schlechter Haut oder brüchigen Fingernägeln führen. Diesem Nährstoffmangel könne man mit mehr Eiweißaufnahme und regelmäßigem Kraftsport entgegenwirken, um nicht zu viel Muskelmasse zu verlieren.

Auch deswegen sei ärztliche Aufsicht bei der Anwendung der Abnehmspritze wichtig.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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