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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Angst um den Beruf: Wenn Beamte in Psychotherapie gehen
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Angst um den Beruf: Wenn Beamte in Psychotherapie gehen

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 16. September 2025 08:49
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Maria Schid war vor etlichen Jahren in der Probezeit, um Beamtin zu werden. Eine Ausbildung zur Verwaltungsfachfrau hatte sie schon abgeschlossen, als sie in eine psychische Krise rutschte. Sie sei „komplett zusammengebrochen, seelisch wie körperlich“, erzählt sie.

Inhaltsübersicht
Psychiatrische Behandlung als KarriereendeAmtsärzte entscheidenGesundheit an oberster StelleDiskussion über BeamtenstatusKritik an Stigmatisierung

Psychiatrische Behandlung als Karriereende

Die damals 25-Jährige war mehrere Wochen in einer psychiatrischen Klinik. Als sie an ihren Arbeitsplatz zurückkam, musste sie ihren Wunsch, als Beamtin zu arbeiten, aufgeben: „Die haben dann einfach gesagt: Sie machen jetzt Urlaub, und wir machen Ihre Kündigung fertig.“

Amtsärzte entscheiden

Die letzte Entscheidung, ob jemand verbeamtet wird, trifft der Dienstherr, also etwa der Freistaat Bayern. Grundlage für diese Entscheidung ist die Einschätzung eines Amtsarztes oder einer Amtsärztin. Johannes Rank, zweiter Landesvorsitzender des Ärzteverbands Öffentlicher Gesundheitsdienst Bayern, legt dabei auf eines Wert: Nicht jedes psychische Problem mache eine Verbeamtung schwierig. Eine leichte bis mittlere Depression sei etwas anderes als eine schwere schizoaffektive Störung: „Das ist auch unser Anspruch, dass wir jeden Fall und jede Person individuell betrachten.“

Bei der Begutachtung gehe es zum einen darum, zu prüfen, ob Bewerber stressigen Berufen wie Polizist oder Lehrer psychisch gewachsen seien, sagt der Amtsarzt. Weil sich der Staat mit der Verbeamtung verpflichtet, jemanden ein Leben lang zu versorgen, gehe es aber auch darum, eines zu vermeiden: „Diese Person wird sehr viel kosten und sehr wenig leisten.“

Gesundheit an oberster Stelle

Auf keinen Fall aber sollten Menschen auf eine Therapie verzichten, weil sie Probleme bei einer Beamtenlaufbahn befürchten, warnt der Arzt. Sich um seine Gesundheit zu kümmern, sei das Wichtigste. Das gelte auch für die psychische Gesundheit. Und wer frühere Diagnosen und Behandlungen verschweigt, könne im Extremfall den Beamtenstatus wieder verlieren.

Rainer Nachtigall, der Vorsitzende des Bayerischen Beamtenbundes, ergänzt: Auch wer bereits verbeamtet ist, sollte offen über psychische Schwierigkeiten reden. Die müssten keinen Karriereknick bedeuten. Es gebe oft Wege, andere Stellen zu finden, auf denen auch Menschen mit psychischen Problemen gut einsetzbar sind: „Gewinnbringend für die Beamtin, für den Beamten, aber auch für den Dienstherrn.“

Diskussion über Beamtenstatus

Maria Schid, die nach einer Behandlung in der Psychiatrie nicht verbeamtet wurde, ist mittlerweile in einer Selbsthilfegruppe aktiv. Sie findet, der Staat sollte überlegen, ob etwa Lehrer wirklich Beamte sein müssen: „Warum sagt man nicht: Verbeamtung auf Lebenszeit ist uns zu riskant, wir machen ein Angestelltenverhältnis?“

In einer ganzen Reihe von Bundesländern sind nur etwa 3 von 10 Lehrern Beamte. In Bayern sind es mehr als 9 von 10. Die Bandbreite reicht von 88 Prozent verbeamteten Lehrerinnen und Lehrern an Förderzentren bis 96 Prozent an Gymnasien. Das Kultusministerium will das auch so beibehalten. Nicht nur etwa Polizisten oder Zollbeamte, sondern auch Lehrer sollten möglichst eng an den Staat gebunden sein, erklärt das Ministerium.

Bayerns Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) betont, der Beamtenstatus von Lehrkräften sei „ein staatliches Bekenntnis zu Qualität, Stabilität und Wertevermittlung in unserem Bildungssystem“. Und die Ministerin ergänzt, in Zeiten des Fachkräftemangels sei die Verbeamtung ein wichtiges Kriterium für die Attraktivität des Berufs: „Sie bedeutet Verlässlichkeit, Sicherheit und klare Perspektiven.“

Kritik an Stigmatisierung

Auch Menschen, die in psychotherapeutischer oder psychiatrischer Behandlung waren, wünschten sich klare Perspektiven, findet Maria Schid, die nach einem Klinik-Aufenthalt nicht verbeamtet wurde. Sie sei durchaus arbeitsfähig, betont sie. Nach Stationen in verschiedenen Branchen ist sie mittlerweile in der Versicherungsbranche tätig. Dass ihr Weg ins Beamtenverhältnis abrupt endete, zeigt in ihren Augen vor allem eines: „Es ist ein Makel, psychiatrische Erfahrungen zu haben. Sie sind nicht ganz normal.“

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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