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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Durch G8/G9-Umstellung: Kaum Nachwuchs für Freiwilligendienste
Wissen

Durch G8/G9-Umstellung: Kaum Nachwuchs für Freiwilligendienste

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 20. März 2025 08:48
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Leon Mehlfeld ist einer von etwa 4.000 jungen Menschen in Bayern, die jedes Jahr nach der Schule einen Freiwilligendienst in Form eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) (externer Link) oder eines Bundesfreiwilligendienstes (BFD) (externer Link) antreten. Patienten in einem Krankenhaus abholen, sie zu einem anderen transportieren und sich während der Fahrt um sie kümmern – das ist alles Teil seines Jobs im Krankentransport bei der Münchner Malteser-Rettungswache.

Inhaltsübersicht
Umstellung von G8 auf G9 hinterlässt LückenAuch Azubis könnten fehlenViele Freiwillige bleiben in den sozialen Einrichtungen „hängen“Freiwilligendienst: für Leon „die beste Entscheidung“Unterstützung durch die Politik in Sicht?

Umstellung von G8 auf G9 hinterlässt Lücken

Dieses Jahr könnten freiwillige Helfer wie Leon Mehlfeld knapp werden. Normalerweise machen in Bayern etwa 30.000 junge Erwachsene Abitur. Durch die Umstellung vom achtjährigen auf das neunjährige Gymnasium fällt aber ein ganzer Jahrgang weg. Es wird deshalb mit nur 5.000 Absolventen gerechnet. Das stellt ein Problem dar für die Träger sozialer Einrichtungen wie das Rote Kreuz, die Caritas oder die Malteser. Denn etwa 40 Prozent ihrer Freiwilligendienstler sind in der Regel Abiturienten.

Auch Azubis könnten fehlen

Diese Lücke lasse sich schwer ausgleichen, erklärt der Dienststellenleiter des Maltester-Rettungsdienstes München, Sebastian Moser. Die Freiwilligen unterstützen die Vollzeitmitarbeiter und arbeiten ihnen zu. Sie übernehmen Krankentransporte oder kümmern sich um Patienten, so wie Leon Mehlfeld. Fehlt die Arbeitskraft der Freiwilligen, dann muss manches Projekt warten.

Und dass die FSJler und BFDler ab Herbst fehlen, könnte sogar noch weitere Kreise ziehen. „Uns fehlt nicht nur der Jahrgang, sondern auch der Jahrgang, der sich daraus entwickelt, also die Kollegen, die dann vielleicht in eine Ausbildung gehen werden und danach hauptamtlich bei uns arbeiten werden“, erklärt Moser.

Viele Freiwillige bleiben in den sozialen Einrichtungen „hängen“

Katharina Appelt ist genau so ein Fall. Der Freiwilligendienst war für sie Plan B, denn eigentlich wollte sie Medizin studieren. Doch dann fesselte der Job sie so, dass sie lieber weiter im direkten Kontakt mit Menschen arbeiten wollte. Jetzt ist Katharina hauptamtlich dabei. Sie fährt zusammen mit Leon den Krankentransport.

Schon allein weil sie alt genug sein müssen für den Führerschein, sind fast alle Freiwilligendienstler bei der Münchner Malteser-Rettungswache Abiturienten. Dass die Lücke durch tendenziell jüngere Absolventen anderer Schulformen aufgefangen wird, ist daher unwahrscheinlich. Aber die Volljährigkeit ist für Dienststellenleiter Sebastian Moser wichtig, weil der Job auch psychisch sehr belastend sein kann.

Freiwilligendienst: für Leon „die beste Entscheidung“

Leon und Katharina haben einen Patienten ans Krankenhaus übergeben und bereiten sich auf den nächsten Einsatz vor: alles putzen, desinfizieren und sich anschließend per Funk wieder als einsatzbereit melden. Direkt bekommen die beiden den nächsten Termin durchgegeben. Sie müssen eine schwangere Frau von einem Krankenhaus in ein anderes verlegen. Auf der Fahrt erzählt Leon, für ihn sei der Freiwilligendienst die „beste Entscheidung“ gewesen: „Und die Dankbarkeit der Patienten zu sehen, das ist einfach wunderschön.“ Auch er möchte nach seinem Freiwilligendienst weitermachen in der „Blaulicht-Sparte“, wie er sagt.

Unterstützung durch die Politik in Sicht?

Dem Bayerischen Sozialministerium ist die brenzlige Lage in vielen Einrichtungen ab Herbst bekannt. Das Ministerium befindet sich in Gesprächen mit den Trägern der freien Wohlfahrt, um Möglichkeiten zur Unterstützung zu erarbeiten und die Auswirkungen des fehlenden Abiturjahrgangs 2025 abzufedern.

„Eine endgültige Aussage zur genauen Art und zum finanziellen Umfang von Unterstützungsmaßnahmen kann derzeit nicht getroffen werden“, sagt das Staatsministerium dem BR auf Anfrage. Wichtig sei es auf jeden Fall, einen „dauerhaften Verlust von Freiwilligenplätzen auch für nachfolgende Jahrgänge zu verhindern“.

Um mehr junge Erwachsene für den Freiwilligendienst zu gewinnen und die Abi-Lücke so gut es geht zu schließen, wollen die Hilfsorganisationen nun stärker für den Dienst werben und zeigen, wie wertvoll er ist – für alle Beteiligten.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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