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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Forscher alarmiert – Wissenschaft in den USA unter Druck
Wissen

Forscher alarmiert – Wissenschaft in den USA unter Druck

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 10. März 2025 06:49
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Forscherinnen und Forscher an US-amerikanischen staatlichen Universitäten und Forschungseinrichtungen wissen momentan oft nicht, wie sie ihre Arbeit fortführen können. Alarm schlagen auch Wissenschaftszeitschriften wie die renommierte „nature“: In den USA stehe die Forschungsfreiheit auf dem Spiel und damit weltweit der durch wissenschaftliche Erkenntnisse gesicherte Fortschritt.

Inhaltsübersicht
Unerwünschte Forschungsthemen unter Donald TrumpGelöschte Daten bedeuten weniger gesellschaftliche Teilhabe in den USATrump-Regierung: Studien und Patienten in GefahrIn den USA weniger Karriereaussichten in der WissenschaftChancen für deutsche und europäische Wissenschaft

Unerwünschte Forschungsthemen unter Donald Trump

Lourdes Vera ist Soziologin. Seit dem Regierungsantritt von Donald Trump rechnet sie nicht mehr mit Forschungsgeldern aus US-Bundesmitteln. Denn sie forscht an der University at Buffalo im Staat New York zu Umweltgerechtigkeit – ein Thema, das nicht zu Trumps politischer Agenda passt. Die Professorin analysiert zum Beispiel, in welchen Stadtteilen von Buffalo die Böden mit Blei belastet sind, wer dort lebt und ob Bürger vor Ort Zugang zu Umweltdaten haben.

Gelöschte Daten bedeuten weniger gesellschaftliche Teilhabe in den USA

Lourdes Vera ist außerdem Mitglied von „EDGI“ (Environmental Data & Governance Initiative), einem Netzwerk aus unterschiedlichen Fachleuten und Aktivisten. Mit dem sogenannten „Federal Environmental Web Tracker“ protokollierte EDGI schon in Trumps erster Regierungszeit, welche Daten zu Umwelt und Klimawandel von Websites der Bundesbehörden entfernt wurden. Jetzt ist der Tracker wieder an den Start gegangen.

Die Initiative möchte damit auch ein Bewusstsein für die gesellschaftlichen Auswirkungen schaffen. „Besonders die Menschen, die schon immer an den Rand gedrängt wurden und benachteiligt sind, wie ethnische Minderheiten oder Menschen mit geringem Einkommen, betrifft auch der Verlust von Umweltdaten, weil Wissen ausgelöscht wird, auch Erkenntnisse über Umweltgerechtigkeit. Es wird dann schwerer, sich dafür einzusetzen. Und auch die breitere Öffentlichkeit ist betroffen, es geht um demokratische Teilhabe und bürgerschaftliches Engagement“, erklärt Lourdes Vera.

Trump-Regierung: Studien und Patienten in Gefahr

Die Redaktion der britischen Zeitschrift „nature“, eine der weltweit führenden Wissenschaftszeitschriften, hat auf ihrer Website ein Kontaktformular eingerichtet. Dort können Forschende melden, wie Trumps neue Verordnungen ihre Arbeit behindern.

Besonders problematisch: auch Patienten und Teilnehmende von Medikamentenstudien seien betroffen, sagt die Chefredakteurin Magdalena Skipper: „Es gibt Berichte, dass klinische Studien gestoppt wurden, weil nicht genügend Geldmittel vorhanden sind, um sie fortzusetzen und auszuwerten. Dies sind tiefgreifende Konsequenzen für reale Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt.“

In den USA weniger Karriereaussichten in der Wissenschaft

Die Kürzungen der US-Bundesmittel treffen auch junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den USA besonders hart, weil zum Beispiel Doktoranden- und Postdoc-Stellen wegfallen.

Das würde nicht nur die Wissenschaft langfristig schwächen, gibt Magdalena Skipper zu bedenken: „Junge Menschen denken in der aktuellen Situation zweimal darüber nach, Forschung als Karriere zu wählen. Das ist eine zutiefst besorgniserregende Entwicklung, denn sie werden das zukünftige Fundament bilden. Sie sind die zukünftigen Forscher, Ärzte, Ingenieure, Erfinder …“

Chancen für deutsche und europäische Wissenschaft

Es könnte aber auch eine Chance für den Forschungsstandort Deutschland sein, wissenschaftliche Talente und Spitzenforscher zu gewinnen, meint Prof. Thomas F. Hofmann, Präsident der Technischen Universität München:

„Man muss das mit Sorge beobachten, aber nicht nur abwarten, sondern wirklich handeln und versuchen, bestimmten Leuten, die einfach wegwollen, bei uns eine Möglichkeit geben, dass wir sie rekrutieren. Aber wir sollten hier wirklich keinen Kolonialismus betreiben. Ich glaube, wir sollten schauen, und das war immer in der Geschichte schon so, dass Wissenschaft auch neue Brücken baut, auch wenn man politisch different ist. Deshalb ist die Kooperation mir sehr wichtig. Und die treiben wir voran.“

Deutschland und Europa könnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, deren Forschung in den USA eingeschränkt wird, ermöglichen, ihre Arbeit fortzusetzen. Damit das Wissen zu globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit oder Gesundheit nicht in Vergessenheit gerät, sondern weiter wächst.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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