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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Hilferuf der Kommunen: Schulbegleiter zu teuer
Wissen

Hilferuf der Kommunen: Schulbegleiter zu teuer

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 19. November 2024 08:49
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Ohne Schulbegleiter können Kinder mit geistiger oder körperlicher Behinderung, mit Autismus, ADHS oder sozial-emotionalen Beeinträchtigungen oft nicht zur Schule gehen. Sie brauchen Unterstützung: im Unterricht, in den Pausen, beim Sport, im sozialen Miteinander. Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter helfen den Kindern ganz praktisch, geben aber auch emotionalen Beistand.

Inhaltsübersicht
Immer mehr Kinder brauchen SchulbegleitungBeispiel: Förderzentrum in Bad TölzLösung: Pool mit Schulbegleiterinnen statt 1:1-BetreuungPoolmodell: Flexibler Einsatz sichert Unterstützung der KinderPoollösung bei Schulbegleitung in Bayern noch selten

Auf diese „Eingliederungshilfe“ haben die Kinder einen gesetzlichen Anspruch. Ihre Eltern können nach entsprechender Diagnose eine Schulbegleitung beantragen (externer Link). Für körperlich behinderte Kinder sind die Bezirke, für Kinder mit sozial-emotionalen Problemen die Landkreise zuständig.

Immer mehr Kinder brauchen Schulbegleitung

Der Bedarf nach einer Schulbegleitung ist angestiegen. Eltern, Lehrkräfte und Schulpsychologen seien sensibler dafür geworden, sagt Andreas Eberhard vom Träger „Schulbegleitung Brücke Oberland“. So gebe es mehr Diagnosen, dazu kommen die Kinder aus prekären Lebensverhältnissen und mit ungünstigen Startchancen. Experten wie Wolfgang Dworschak, Professor für Pädagogik bei geistiger Behinderung an der Universität Regensburg, schätzen, dass es aktuell bis zu 10.000 Schulbegleitungen in Bayern gibt.

Weil immer mehr Kinder diese Unterstützung brauchen, explodieren die Kosten. Ein Beispiel: Im Landkreis Bad Tölz Wolfratshausen sind die Kosten für Schulbegleitung von 135.000 Euro im Jahr 2013 auf voraussichtlich 2,25 Millionen Euro für das kommenden Jahr gestiegen. Die Zahl der Schulbegleitungen sich hat im gleichen Zeitraum von 21 auf 87 erhöht.

Beispiel: Förderzentrum in Bad Tölz

Die Marie-Luise-Schultze-Jahn-Schule in Bad Tölz ist ein sonderpädagogisches Förderzentrum. 180 Kinder gehen hier zur Schule. Sie alle tragen ihr eigenes Päckchen – eine körperliche oder geistige Behinderung – Autismus, ADHS, oder kommen aus schwierigen Familienverhältnissen.

In der dritten Klasse von Lehrerin Anja Bosch sind insgesamt 14 Kinder, zwei davon haben Anspruch auf eine Schulbegleiterin. Der Unterricht findet differenziert statt. Das bedeutet: Jedes Kind arbeitet in seinem eigenen Tempo, nach seinen Fähigkeiten. Zwei Schulbegleiterinnen sind in der Regel jeden Tag mit in der Klasse. Ohne sie könnte die Klassenlehrerin gar nicht unterrichten. „Keine Chance. Die nehmen mir sehr viel ab“, sagt Anja Bosch. Denn die beiden Hilfskräfte, als solche werden Schulbegleiter bezahlt, haben auch die ganze Klasse im Blick.

Lösung: Pool mit Schulbegleiterinnen statt 1:1-Betreuung

Das Besondere am Förderzentrum in Bad Tölz: Die Schule hat einen Pool von fünf Schulbegleiterinnen. Sie sind nicht einem bestimmten Kind zugeordnet, sondern werden flexibel eingesetzt – und dadurch auch effizienter, sagt Schulleiter Klaus Koch.

Außerdem werden dadurch Kosten gespart, ergänzt Landrat Josef Niedermaier (Freie Wähler). Es müssten nicht 15 bis 20 Schulbegleiter an einer Schule anwesend sein, sondern es reichten sieben bis acht, die den Bedarf abdecken.

Poolmodell: Flexibler Einsatz sichert Unterstützung der Kinder

Seit drei Jahren arbeitet das Förderzentrum erfolgreich mit dem Pool. Er sei eine Bereicherung für alle, vor allem eine Entlastung für die Familien, stellt Mutter Sindy Cappellino fest. Ihr Sohn braucht auch eine Schulbegleiterin. Er hat eine Autismus-Störung und eine leichte Form von ADHS. Der heute Zehnjährige galt zunächst als unbeschulbar. Jetzt nimmt er in voller Stundenzahl am Unterricht teil – dank der verlässlichen Schulbegleitung im Pool.

Sindy Cappellino weiß, wie schwer es ist, für jedes einzelne Kind eine Schulbegleitung zu finden. In dieser Pool-Lösung, in der sich mehrere Schulbegleiter abwechseln können, sei immer jemand da fürs Kind. „Wir Eltern müssen so keine Angst mehr haben: Was ist, wenn die Schulbegleitung nicht da ist?“ Ihr Kind könnte dann nicht mehr zur Schule gehen. Es müsste zu Hause bleiben.

Poollösung bei Schulbegleitung in Bayern noch selten

Das Poolmodell für Schulbegleiter ist noch nicht weit verbreitet in Bayern. Einige Bezirke und der Landkreis Bad Tölz Wolfratshausen setzen es ein. Der Pool könne aber nur eine Zwischenlösung sein, um die Kommunen zu entlasten, sagt Schulleiter Klaus Koch, der auch stellvertretender Landrat (Grüne) ist. Das Konzept müsse noch weiterentwickelt werden.

Und eigentlich, ergänzt Koch, müsste die Staatsregierung für die Kosten der Schulbegleiter aufkommen. Aber das sei ein rechtliches Problem.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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