In wenigen Wochen hat David, Student bei der Bundespolizei, seinen ersten Einsatz am Münchner Flughafen. Er befindet sich im dreijährigen Diplomstudiengang für den gehobenen Polizeivollzugsdienst. Bevor es so weit ist, trainiert der 33-Jährige unter anderem im Aus- und Fortbildungszentrum der Bundespolizei in Bamberg den Ernstfall.
An diesem Tag wird eine reale Einsatzlage simuliert. Körperverletzung, möglicherweise mit einem Messer – mehr Informationen hat David zunächst nicht. „Jetzt bin ich gespannt, was für eine Lage auf mich zukommt“, sagt er kurz vor der Übung.
Die Bundespolizei ist unter anderem für den Schutz der Grenzen zu Land, an der See, an Flughäfen und Bahnhöfen zuständig. Sie schützt außerdem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Gebäude und Umgebung der Verfassungsorgane des Bundes vor Gefahren wie etwa Terroranschlägen und übernimmt in bestimmten Bereichen auch kriminalpolizeiliche Aufgaben. Zur Bundespolizei gehört auch die Spezialeinheit GSG 9.
Training bei der Bundespolizei: Messerangriff am Bahnhof
Die Übung am Aus- und Fortbildungszentrum Bamberg ist realitätsnah und für spätere Einsätze im Berufsalltag wichtig. David übernimmt die Rolle des Gruppenführers. Gemeinsam mit zwei Kommilitoninnen soll er am fiktiven Hamburger Hauptbahnhof Streife gehen. Plötzlich der Funkspruch: „Zwei Verletzte.“ Die drei sprinten los.
Auf dem Trainingsgelände stehen ein nachgebauter Bahnsteig und ein ausrangierter Zug. Schreie sind zu hören. Ein Kollege liegt am Boden, schwer verletzt durch Messerstiche. David leistet Erste Hilfe, bindet die Wunde ab, während seine Kolleginnen den Rettungsdienst alarmieren. „Es waren vier Sekunden, bis wir da waren, aber diese Zeit kommt dir so langsam vor, weil du so einen Adrenalinschub hast“, sagt David später.
Der Hintergrund der Übung ist ernst: Nach Angaben der Bundespolizei gab es 2024 insgesamt 609 Messerangriffe an Bahnhöfen und in angrenzenden Bereichen.
Studieren bei der Bundespolizei: Aus Fehlern für den Ernstfall lernen
Nach der Übung folgt die Auswertung. Die Ausbilderinnen und Ausbilder geben Feedback, korrigieren. David nimmt das ernst: „Ich bin noch Student und noch kein fertig ausgebildeter Polizeibeamter, aber auch ich sollte im realen Leben keine Fehler begehen. Da reichen ein paar Sekunden und dann könnte es für einige Personen auch vorbei sein.“

