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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Unemployment Simulator: Wenn der Endgegner im Kopf sitzt
Kultur

Unemployment Simulator: Wenn der Endgegner im Kopf sitzt

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 3. Februar 2026 10:52
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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Es ist früher Morgen in einer winzigen Einzimmerwohnung irgendwo im Norden Europas. Leere Bierflaschen stapeln sich, Fruchtfliegen ziehen ihre Kreise, der Kühlschrank ist leer. Vor dem Computer sitzt eine Figur, die wir steuern. Die Aufgabe ist banal und überwältigend zugleich: eine Bewerbungsmail abschicken. So beginnt der Unemployment Simulator 2018, ein Spiel, das sich mal nicht um Zombies und Drachen dreht, sondern um unbezahlte Rechnungen und das Ringen mit der eigenen Antriebslosigkeit.

Inhaltsübersicht
Der Alltag als unlösbare QuestManagement der eigenen LeereEskapismus im EskapismusDie Zumutung der Schwäche

Der Alltag als unlösbare Quest

Die meisten Survival-Games, etwa Minecraft, Terraria oder Valheim, sind eigentlich regelrechte Kompetenz-Fantasien. Da sammeln wir Stöcke und Steine und basteln daraus eine Axt, die problemlos Dutzende Bäume fällen kann. Aber Unemployment Simulator verrät uns eine unbequeme Wahrheit: Im Computerspiel auf einer einsamen Insel zu überleben, ist sehr viel einfacher als im echten Leben in einer Einzimmerwohnung. Zumindest dann, wenn man arbeitslos ist.

Management der eigenen Leere

Denn der Arbeitslosigkeits-Simulator ist nicht nur ein Spiel über Jobsuche, es ist auch eines über Depression. Über die Momente, in denen man einfach nur mit dem Kopf in den Händen auf dem Bett sitzt. Über die Tage, an denen selbst das Abwaschen eines einzigen Tellers eine monumentale Leistung ist. Das Spiel zwingt uns, verschiedene Statistiken zu managen: Angst, Gesundheit, Dopamin, Müdigkeit. Und während wir verzweifelt versuchen, all diese Balken im grünen Bereich zu halten, wird eines schnell klar: Hier gibt es nichts zu gewinnen. Es geht nur darum, den nächsten Tag zu überstehen. Und den übernächsten. Bis irgendwann vielleicht doch eine Antwort auf eine Bewerbung kommt – oder man an Langeweile stirbt.

Eskapismus im Eskapismus

Dabei hat Unemployment Simulator 2018 durchaus viele Momente bitterer Komik. Wir können „KILL EVERYTHING“ spielen, ein absurd brutales Computerspiel im Computerspiel, das uns einen kleinen Dopamin-Kick verpasst. Wir können Darts werfen, wobei unsere Treffsicherheit davon abhängt, wie verkatert wir gerade sind. Wir können uns ein paar Bier gönnen – was erst entspannend wirkt, aber schnell in einen Albtraum mündet, in dem wir Dosentürme bauen und uns übergeben. Solo-Entwickler Samuel Lehikoinen schreibt auf der Steam-Seite, das Spiel basiere auf „echten Ereignissen“. Und das glaubt man sofort. Denn zwischen all der Absurdität und den surrealen Traumsequenzen spürt man echtes Trauma.

Die Zumutung der Schwäche

Es gibt einen Moment im Spiel, da erscheint eine Eingabeaufforderung: „Drücke eine Taste, um zu weinen.“ Und dann drücken wir die Taste. Mehrfach. Denn der Unemployment Simulator gibt uns etwas, das die meisten Spiele vermeiden: die Erlaubnis, zu scheitern. Die Erlaubnis, schwach zu sein. Die Erlaubnis, manchmal einfach nur durchzuhalten, statt zu triumphieren. Das ist radikal für ein Medium, das sonst vor allem Macht und Kontrolle verspricht.

Und so ist Unemployment Simulator 2018 am Ende mehr als nur ein cleveres Indie-Game. Er zeigt uns, dass die größten Überlebenskämpfe nicht auf mysteriösen Inseln oder in der postapokalyptischen Einöde stattfinden, sondern in kleinen Wohnungen, zwischen Selbstzweifeln und Schlaflosigkeit. Und manchmal ist das größte Abenteuer von allen, einfach nur aus dem Bett zu kommen.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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