Warum führen die USA diesen Krieg überhaupt?
Für Thomas Jäger stellt der Iran für die USA keine direkte Bedrohung dar – weder nuklear noch konventionell. Das wussten auch die amerikanischen Geheimdienste. Trotzdem griff Trump an, obwohl sein eigenes Kabinett abgeraten hatte – sogar Vizepräsident Vance soll in Sitzungen gefragt haben: „Wissen wir, was wir tun?“
Was Trump antrieb, rekonstruiert Jäger so: Der saudische Kronprinz und Israels Premier Netanjahu drängten von außen. Und Trump reizt es, das zu schaffen, woran andere Präsidenten gescheitert sind. Seit 1979 ist der Iran Feind der USA. „Trump will derjenige sein, dem es gelingt, den Iran wieder zu einem amerikafreundlichen Staat zu machen“, sagt Jäger. „Ob das am Ende dabei rauskommt, steht in den Sternen.“
„Kein Regime-Change ohne Bodentruppen“
Konkret schwebt Trump scheinbar ein Regime-Change vor – zuletzt sagte er, der Iran brauche einen neuen Präsidenten, der „etwas friedlich regeln kann“. Doch ein Regimewechsel per Luftkrieg funktioniert strukturell nicht: Dafür braucht man Bodentruppen, die ein Land besetzen und ein neues Regime stabilisieren – „Boots on the Ground“, wie Militärexperte Fabian R. Hoffmann es nennt.
Die Blaupausen dafür sind wenig ermutigend. Jäger erinnert an Afghanistan, wo man die Taliban vertrieb, um sie heute wieder in der Regierung zu sehen – und an den Irak, der nach langen Jahren Krieg keine Musterdemokratie wurde. „Es gibt überhaupt keinen Plan, so etwas wie den Aufbau eines neuen Regimes bewerkstelligen zu können.“
Iran: Ein zweites Syrien?
Das Worst-Case-Szenario: ein zersplitterter Iran im Bürgerkrieg, ein zweites Syrien. Emile Hokayem, Direktor für Regionale Sicherheit am IISS, warnt: Der Iran sei mit 93 Millionen Einwohnern eine ganz andere Größenordnung als Libyen oder Syrien. „Niemand will dort mit dem Feuer spielen. Und die Menschen wissen, dass Amerika einen Bürgerkrieg am Tag danach nicht managen wird.“
Öl-Schock, Börsencrash, Weltwirtschaftskrise – das sind die Variablen, die über den Krieg hinauswirken. Militärisch sind die USA laut Hoffmann überlegen. Aber ob sie diesen Krieg am Ende gewinnen, ist eine andere Frage.

