Das Przewalski-Urwildpferd ist die letzte noch existierende echte Wildpferdart. Ursprünglich stammen sie aus Zentralasien und waren in China, der Mongolei und den Steppen Kasachstans heimisch. Doch Lebensraumverlust, Wilderei und Einkreuzungen mit Hauspferden hatten sie nahezu ausgerottet. Dank koordinierter Zuchtprogramme von deutschen und europäischen Zoos können die Przewalski-Pferde nun wieder in geeignete Lebensräume zurückkehren.
Preisgekröntes Auswilderungs-Projekt zeigt Erfolge
Nachdem im Sommer 2025 erstmals eine kleine Herde von Przewalski-Urpferden aus europäischen Zoos in die kasachische Steppe traben konnte, wurden Ende Mai die nächsten fünf Tiere ausgewildert. Auch der Münchner Tierpark Hellabrunn unterstützt die Zoologische Gesellschaft Frankfurt (ZGF) bei dem großangelegten Wildschutz-Projekt der „Altyn-Dala-Conservation Initiative“. Michael Brombacher engagiert sich bei der ZGF für die Rückkehr der Przewalski-Pferde in ihre ursprüngliche Heimat: „Die ursprünglichen Steppen in Zentralasien und eben Kasachstan kann man auch als eine Art Serengeti des Nordens bezeichnen. Eine Graslandschaft mit einer eigenen Artenvielfalt, in der früher große Huftierarten: Saiga-Antilopen, Wildesel und Wildpferde weite Gebiete durchstreift haben.“
Durch die Ausweisung neuer Schutzgebiete und sicherer Wanderkorridore für die Huftiere sei die Rückkehr für die Tiere sicher. Denn die Bestände der Antilopen hätten sich dank der Schutzkonzepte in Kasachstan erholt und auch die Population der Wildesel in den Schutzgebieten wachse. Als Meilenstein des Artenschutzes gilt nun die Wiederansiedelung der Wildpferde, ihre Rückkehr ist wichtig zur Wiederherstellung des gesamten Ökosystems. Und angesichts des Klimawandels sind die Wildpferde von zusätzlicher Bedeutung, denn ohne Grasfresser steigt die Gefahr ausgedehnter Steppenbrände.
Wandernde Wildpferde fördern die Artenvielfalt
Die kasachische Steppe ist geprägt von Klimaextremen, deshalb müssen Wildpferde in freier Natur in den heißen Sommermonaten im Steppen-Boden neue Zugänge zu Wasserstellen graben. Von ihrer Rückkehr profitiert deshalb eine Vielzahl von anderen Tieren und Insekten: Weil sie dabei große Gebiete durchstreifen, verbreiten sie auf ihren Wanderungen auch eine Vielzahl von Samen. Diese sind wiederum die Nahrung für zahlreiche Vogelarten in der Steppenregion. Brombacher betont deshalb die umfassende Bedeutung des Auswilderungsprojekts: „Die großen Weidensteppen umfassen auch riesige Feuchtgebiete, beispielsweise gibt es in der Nähe der Hauptstadt Astana ein großes Feuchtgebiet, das als UNESCO Weltnaturerbe ausgezeichnet wurde, weil dort fünf Millionen Zugvögel rasten.“
Renaturierung und Auswilderung der Pferde ist aufwändig
Rund ein Jahr lang beobachten, untersuchen und versorgen Tierärzte und Ranger die Przewalski-Pferde, bevor sie ausgewildert werden. In einem Eingewöhnungsgehege in der Steppe können sie sich an das Klima, die veränderte Nahrung und die selbstständige Futtersuche anpassen. Die Wildpferde aus europäischen Zoos und Wildparks brauchen auch Zeit, sich an die Freiheit zu gewöhnen, erklärt Julia Bohner, Wildtierärztin am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin. Sie betreut die Herden im Projekt, von der Auswahl der Tiere, über ihren Flugtransport nach Kasachstan und bis zu drei Jahre nach der Auswilderung. Dabei helfen GPS-Halsbänder der Tierärztin, die Pferde zu orten und ihren Gesundheitszustand zu überwachen.
Tierpark Hellabrunn unterstützt den Arterhalt der Wildpferde
Die Hengste und Stuten für das Auswilderungsprogramm werden anhand ihrer Genetik, ihres Alters und ihres Verhaltens aus verschiedenen Zoos ausgewählt, erklärt Bohner. Die Tiere werden zunächst sorgfältig untersucht, und für die Zusammensetzung der Herde spielt auch das Sozialverhalten eine wichtige Rolle: „Man achtet beispielsweise darauf, dass dominante Stuten sich mit anderen Pferden, die sich eher unterordnen, gut vertragen.“
Mit Stute Naya konnte 2017 ein Przewalski-Pferd aus München ausgewildert werden – in Kooperation mit dem Projekt „Return of the Wild Horses“ in der Mongolei. Nach knapp zehn Jahren verfügt der Münchner Tierpark Hellabrunn wieder über eine kleine Herde zum Erhalt der Art: Eine wertvolle genetische Zuchtgruppe, die aus einem Hengst aus dem Zoo Edinburgh und zwei Stuten aus Ungarn und Deutschland besteht und im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP) den Bestand der Wildpferde sichern soll.

