Der Juni ist in der queeren Community „Pride Month“. In vielen Städten gehen Tausende Menschen in diesen Wochen auf Pride-Paraden. Für den katholischen Theologen Michael Brinkschröder ist dann Hochsaison, denn auch er hat einen Infostand beim Christopher Street Day (CSD). Als Leiter der Regenbogenpastoral der Erzdiözese München und Freising setzt er sich für die Rechte queerer Menschen in seiner Kirche ein.
Das bietet die Regenbogenpastoral für queere Menschen
„Am Anfang konnten die Leute gar nicht glauben, dass das hier von der römisch-katholischen Kirche sein soll“ sagt Brinkschröder. „Sie glauben gar nicht, dass es so was geben kann. Und dann hören sie, dass es auch eine Botschaft gibt, die queere Menschen akzeptiert, und dass die katholische Kirche da in einem Prozess ist, sich zu öffnen.“
Vor eineinhalb Jahren startete die Regenbogenpastoral. 21 Menschen arbeiten in dem Team. Sie taufen auf Anfrage Kinder aus queeren Familien, machen queersensible Beerdigungen oder Segnungen von gleichgeschlechtlichen Paaren, aber auch klassische seelsorgerische Gespräche.
Jeden Tag sechs queerfeindliche Straftaten in Deutschland
Das Bundesinnenministerium veröffentlichte Anfang Juni aktuelle Zahlen zu queerfeindlichen Straftaten im Jahr 2025. Diese stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 12,8 Prozent auf 2.377 Fälle an. Das waren mehr als sechs queerfeindliche Straftaten pro Tag. Damit setzte sich der Trend der vergangenen Jahre fort, in denen bereits ein Anstieg an Hasskriminalität gegen queere Menschen dokumentiert wurde.
Gerade darum findet es Brinkschröder wichtig, „dass sich die katholische Kirche von einem eher ausgrenzenden gesellschaftlichen Player zu einem akzeptierenden, inklusiven Player gewandelt hat“. Dennoch: Die Haltung der katholischen Kirche zu queeren Menschen sei ambivalent, sagt Brinkschröder.
Kann die katholische Kirche ein „Safer Space“ sein?
Für viele queere Menschen ist die katholische Kirche darum oft ein Ort, an dem sie sich nicht willkommen fühlen. Auch Vian-Malou Neumann arbeitet in der queeren Seelsorge. Neumann sagt: „Die Erfahrung der meisten queeren Menschen ist, dass sie abgelehnt werden, entweder durch Gemeindeleitungen oder innerhalb der Gemeinde. Deswegen fühlen sie sich in der Kirche nicht mehr wohl.“
Die Regenbogenpastoral will mehr sichere Orte für queere Menschen innerhalb der katholischen Kirche schaffen – sogenannte „Safer Spaces“. Siegmund hat so einen Ort für sich gefunden. Er ist 91 Jahre alt und bisexuell. Er besucht regelmäßig den queeren ökumenischen Gottesdienst. Seit 24 Jahren findet er einmal im Monat in der Münchner Kirche St. Paul statt. „Früher habe ich mich nirgendwo outen können. Weder im Beruf noch in der Kirche. Obwohl ich da schon seit jungen Jahren aktiv dabei bin“ sagt er. „Nur hier.“

