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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Studie zeigt: Textilrecycling in Deutschland muss besser werden
Wissen

Studie zeigt: Textilrecycling in Deutschland muss besser werden

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 29. Oktober 2024 16:47
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Ein T-Shirt für vier Euro, eine Hose für zehn – solche Preise sorgen dafür, dass sich viele ständig neue Kleidung kaufen und dann schnell wieder wegwerfen. Rund eine Million Tonnen Altkleider werden jedes Jahr in Deutschland gesammelt – das ist viel mehr, als Second-Hand-Läden und soziale Einrichtung brauchen können. Dazu kommt: Die Fast-Fashion-Industrie produziert immer schlechtere Qualität, deshalb ist die Weitergabe häufig unmöglich. Recycelt werden in Deutschland nur 26 Prozent der gesammelten Altkleider – und meistens werden nur Putzlappen oder Dämmmaterial daraus.

Inhaltsübersicht
Ab Januar dürfen keine Altkleider mehr in den HausmüllNoch mehr Putzlappen braucht niemandÖko-Institut-Studie zeigt: Besseres Textilrecycling ist möglichBeste Option bei Textilien: weniger Konsum

Ab Januar dürfen keine Altkleider mehr in den Hausmüll

Der Textilbereich gilt als der viertgrößte Verursacher von Umwelt- und Klimaschäden in der Europäischen Union – direkt nach Landwirtschaft, Wohnen und Verkehr. Auf dem Weg zur Klimaneutralität, die die EU bis 2050 erreichen will, gilt ab Januar 2025 EU-weit eine Getrenntsammelpflicht für Alttextilien. Sobald aber Altkleider nicht mehr im Restmüll entsorgt werden dürfen, fallen allein in Deutschland zusätzlich schätzungsweise 1,3 Millionen Tonnen nicht wieder verwendbarer Textilien an. Die Frage ist: Wohin damit?

Noch mehr Putzlappen braucht niemand

Das Freiburger Öko-Institut e.V. hat im Auftrag des Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) in einer Studie (externer Link) untersucht, mit welchen Recycling-Verfahren man die Altkleidermengen zukünftig am besten bewältigen könnte. Bisher gibt es nur ein einziges Verfahren, das im industriellen Maßstab funktioniert: das mechanische Recycling. Dabei werden Textilabfälle nach Farben und Materialien sortiert und anschließend zerrissen oder zermahlen. Eine nachhaltige Methode, so bewertet es das Öko-Institut, denn große Mengen können mit minimalem Aufwand verarbeitet werden und es wird wenig Energie benötigt.

Doch optimal ist das Verfahren nicht, denn die Textilfasern werden dabei kürzer und schlechter. Deshalb lassen sich daraus keine neuen Kleidungsstücke herstellen, sondern meist nur Putzlappen, Dämmstoffe oder Vliese – „Downcycling“ statt „Recycling“. Und noch mehr Putzlappen braucht niemand, sagt Anna Hanisch, Expertin für Kreislaufwirtschaft beim NABU.

Öko-Institut-Studie zeigt: Besseres Textilrecycling ist möglich

Das Ziel müsse das sogenannte Faser-zu-Faser-Recycling sein, also mehr Alttextilien zu neuen Kleidungsstücken zu verarbeiten. Neben dem mechanischen Recycling bewertet die Studie deshalb auch mehrere neue Verfahren, mit denen aus Textilabfällen hochwertige neue Produkte werden könnten: von der lösemittel-basierten Aufbereitung zur Depolymerisierung, Pyroloyse und Gasifikation. Die vielversprechendste Methode ist laut Öko-Institut die Depolymerisierung. Dabei werden ausgewählte Faserarten chemisch zerlegt, sodass auch Mischgewebe wie etwa Baumwoll-Polyester verarbeitet werden können. Das Verfahren benötigt zwar mehr Energie und Chemikalien als das mechanische Recycling, doch dafür entstehen hochwertige recycelte Fasern für neue Textilien.

Eine abschließende Bewertung gibt es noch nicht, denn alle neuen Verfahren sind noch in der Erprobungsphase. Jedes hat Vor- und Nachteile. Um in Zukunft die große Menge an Alttextilien zu hochwertigen neuen Rohstoffen verarbeiten zu können, werde ohnehin ein breites Spektrum an unterschiedlichen Recycling-Verfahren nötig sein, sagt Anett Matthäi, Professorin an der Hochschule Hof. So wird auch an der Verbesserung des mechanischen Recyclings weiter geforscht – etwa an der Technischen Hochschule Augsburg.

Beste Option bei Textilien: weniger Konsum

Um das Potenzial des Textilrecyclings wirklich ausschöpfen zu können, seien nicht nur bessere Technologien nötig, sondern auch klare gesetzliche Vorgaben und wirtschaftliche Anreize, so Clara Löw, eine der Studienautorinnen vom Öko-Institut. Auch die Textilhersteller sollen in die Pflicht genommen werden.

Anna Hanisch vom NABU betont, dass Kreislaufwirtschaft beim Design anfängt: Damit Textilien recycelt werden können, sollten sie zum Beispiel möglichst wenige unterschiedliche Materialien enthalten. Der Fokus bei der Produktion müsse auf Langlebigkeit und Recyclingfähigkeit liegen. Und es brauche Anreize, Recyclingrohstoffe aus Alttextilien auch wieder einzusetzen.

Freiwillig passiere das bisher kaum. Den größten ökologischen Einfluss hätte es jedoch, wenn Fast-Fashion aus der Mode käme, bereits vorhandene Kleidungsstücke länger genutzt würden und weniger neue Kleidung gekauft würde.

 

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Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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