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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Warum gehen immer mehr Lehrkräfte vorzeitig in Ruhestand?
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Warum gehen immer mehr Lehrkräfte vorzeitig in Ruhestand?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 28. Oktober 2024 08:50
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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Nur mehr wenige bayerische Lehrkräfte unterrichten bis zur Regelaltersgrenze. Das verschärft den bestehenden Lehrermangel. Die meisten stellen einen Antrag, zwei Jahre früher aus dem Arbeitsleben auszuscheiden und nehmen dafür Abschläge in Kauf. Jede vierte Lehrkraft ist dauerhaft krank und geht deshalb dienstunfähig in Frühpension. An den Grund- und Mittelschulen ist es sogar jede dritte.

Inhaltsübersicht
Viele sagen: „Ich kann nicht mehr“Gestiegene Arbeitsbelastung: Immer mehr AufgabenImmer mehr Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und sozialen ProblemenVerordnete Mehrarbeit und TeilzeiteinschränkungLehrer entlasten und psychologisch unterstützen

Viele sagen: „Ich kann nicht mehr“

Der Hauptgrund für diese Entwicklung ist Überforderung, meint Julia Bernreuther vom Münchner Lehrerinnen- und Lehrerverband. Sie ist ehrenamtliche Beraterin für Dienstrecht und erlebt fast täglich verzweifelte Kolleginnen und Kollegen: „Viele sagen – ich kann nicht mehr. Sie fühlen sich nicht mehr fit genug für den Beruf und sagen, sie können ihren Kindern nicht vorstehen, wie sie sich das wünschen.“ Woran liegt das?

Gestiegene Arbeitsbelastung: Immer mehr Aufgaben

Lehrkräfte müssen heute viel mehr Aufgaben wahrnehmen als vor zehn Jahren, meint Susanne Lehner, Rektorin der Gustl-Bayrhammer-Grundschule in München-Freiham. Lehren sei nur mehr eine von vielen Aufgaben. Dazu kommen Verwalten, Beraten, Betreuen, Beurteilen, Therapieren. In dieser Flut an Anforderungen sieht Susanne Lehner einen der Hauptgründe für frühzeitige Pensionierung: „Die Verarbeitung der Impulse, die von den Kindern kommen, die von außen kommen, von Eltern, von all den Kräften, die in der Schule wirken, ist immens gestiegen. Es muss viel schneller reagiert und verarbeitet werden.“

Immer mehr Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und sozialen Problemen

Zu all diesen Herausforderungen kommt noch die eigentliche Kernaufgabe: Unterrichten. Susanne Lehner gibt als Rektorin noch etwa zehn Stunden die Woche. Und auch das sei sehr, sehr fordernd geworden.

Die Belastung im Unterricht habe sich in den letzten Jahren stetig gesteigert: Während es früher einen oder zwei Schüler mit emotionalen und sozialen Problemen gegeben habe, sei heute ein Drittel der Kinder belastet mit Konzentrationsstörungen, seelischen Problemen, Lese-Rechtschreibschwäche. Ständig komme es zu Unterbrechungen des Unterrichts. Das sei körperlich und geistig extrem anstrengend: „Das ist viel, das kann eine Lehrkraft gar nicht mehr leisten. Das macht mürbe. Oder sogar krank.“

Verordnete Mehrarbeit und Teilzeiteinschränkung

Die erschwerten Arbeitsbedingungen seien nicht der einzige Grund für die vorzeitigen Pensionierungen. Martin Schmid, der Vorsitzende des Münchner Lehrerinnen- und Lehrerverbandes nennt auch die sogenannten „Piazolo-Maßnahmen“ als Ursache: Der ehemalige Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) versuchte, fehlende Lehrer an Grund- und Mittelschulen durch eine Stunde Mehrarbeit und eine Einschränkung der Teilzeit abzufangen.

Die Idee habe den gegenteiligen Effekt gehabt, meint Martin Schmid. Gerade ältere Kolleginnen und Kollegen sähen sich nicht mehr imstande, so viel zu unterrichten. Und würden entsprechend vorzeitigen Ruhestand beantragen. Martin Schmid ist sich sicher, dass eine Aufhebung dieser Maßnahmen die Zahl an vorzeitigen Pensionierungen wieder senken würde.

Lehrer entlasten und psychologisch unterstützen

Das wirksamste Mittel, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, ist das naheliegendste: mehr ausgebildete Lehrkräfte und kleinere Klassen. Da das kurzfristig schwer umzusetzen ist, hat Susanne Lehner einen Vorschlag: eine pädagogische Assistenz, die die Lehrkräfte unterstützt.

Kleinere Klassen, mehr Lehrkräfte und vor allem Teamarbeit. Andere Länder machen es vor: In Finnland arbeiten Sozialpädagogen und Lehrer bereits seit Jahrzehnten in Teams an den Schulen zusammen. Das entlastet die Lehrkräfte. Zudem können sie sich im Team über Probleme in der Klasse austauschen. Schulrektorin Susanne Lehner würde sich so etwas Ähnliches wünschen: Eine Supervision, eine feste Anlaufstelle an den Schulen, an die sich Lehrkräfte mit Problemen wenden können. Solche Angebote zur Förderung der beruflichen Zufriedenheit will das bayerische Kultusministerium nach eigenen Angaben ausbauen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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