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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Warum gibt es so wenige weibliche Gründerinnen in Bayern?
Wissen

Warum gibt es so wenige weibliche Gründerinnen in Bayern?

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 30. März 2026 09:48
Von Michael Farber
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5 min. Lesezeit
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Ein eigenes Unternehmen gründen und sich selbständig machen – das ist eine Idee, die bei vielen frischgebackenen Absolventen oder Arbeitnehmern im Kopf herumspukt. Gerade viele Frauen haben oft gute Ideen, trauen sich aber nicht an die Umsetzung.

Inhaltsübersicht
32-jährige Würzburgerin mit eigener PraxisWeibliche Vorbilder und gute BeratungBeraterin: Strukturelle ProblemeVernetzen für Feedback und WeiterentwicklungUnterstützung für Gründerinnen in BayernGründerin: Keine Angst vor Selbständigkeit!

Zu groß die Angst vor der Bürokratie, den Finanzen, dazu kommt oft noch das Umfeld mit Job und Familie. Die Folge: Nicht mal jedes fünfte Start-up in Deutschland wird von einer Frau gegründet. Und in Bayern liegt der Anteil mit 16,8 Prozent nochmal deutlich unter der mageren bundesweiten Quote. Das zeigte gerade erst der „Bayern Startup & Scaleup Monitor“ des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags. Besonders niedrig ist der Anteil dabei in technisch geprägten Regionen wie München oder Mainfranken.

32-jährige Würzburgerin mit eigener Praxis

Corinna Müller hat den großen Schritt in die Selbständigkeit gewagt. Die 32-Jährige hat sich mit einer eigenen Physiotherapiepraxis mit bald zehn Mitarbeiterinnen im Würzburger Stadtteil Lengfeld selbständig gemacht. Welche Termine stehen an, wie viel Personal wird dafür benötigt, wer kann Hausbesuche machen? Nur ein kleiner Teil der Aufgaben, der auf sie täglich seit Anfang des Jahres wartet.

„Ich hatte erst was anderes in Aussicht und den Schritt gar nicht auf dem Schirm, natürlich auch ein bisschen aus Angst vor Selbständigkeit, aber dann kam relativ spontan ein Angebot. Das hat mir den Impuls gegeben: ‚Ok, Selbständigkeit wäre vielleicht ja auch was für mich'“, erzählt sie.

Weibliche Vorbilder und gute Beratung

Geholfen hat ihr dabei ein Master im Betrieblichen Gesundheitsmanagement und mehrere Jahre Arbeit als leitende Angestellte. Wie vielfältig die neue Rolle ist, musste sie trotzdem erstmal lernen: „Man weiß am Anfang nicht, was rollt da auf mich zu. Ich finde es sehr wichtig, Gespräche mit anderen Vorbildern zu führen, bevor man diesen Schritt wagt. Um zu wissen, welche Aufgaben hat so eine Führungsposition.“

Vorbild für sie sei eine ihrer besten Freundinnen. Trotz Schwangerschaft meistere sie ihren Alltag als Selbständige, obwohl das manchmal anstrengend ist, erzählt Müller. Sie rät dazu, jede externe Hilfe anzunehmen, sei es von Banken, Steuer- und Rechtsexperten oder Gründernetzwerken.

Beraterin: Strukturelle Probleme

Das bestätigt auch Larissa Vogel. Die Gründungsreferentin bei der IHK Würzburg-Schweinfurt weiß, dass Frauen beim Einstieg in die Selbständigkeit tatsächlich oft strukturell anders als Männer ticken. Sie merkt in ihren Beratungen, dass Frauen oft das große Ganze im Blick haben.

Viele seien dabei in gleich mehreren Rollen gefangen, sei es als Mutter oder als Betreuerin von Angehörigen. „Viele schrecken dann erstmal zurück vor der Verantwortung, wollen alles genau durchdenken und strukturieren. Männer haben oder sehen diese Probleme oft nicht, die machen einfach“, so die Erfahrung der Beraterin.

Vernetzen für Feedback und Weiterentwicklung

Die IHK-Gründungsberaterin rät deshalb allen Frauen, sich früh zu vernetzen, und auch Hilfe bei anderen zu holen, die den Schritt bereits hinter sich haben. „Wenn man Leute zusammenbringt, dann reden die über Ideen und können sie weiterentwickeln. Wenn ich nur daheim sitze und an meiner Idee tüftele, dann bekomme ich kein Feedback und keine Inspiration, was Männern im Gegenzug einen Vorsprung und ein schnelleres Netzwerk bietet“, sagt Vogel.

Sie plädiert für weibliche Netzwerke, in denen sich die Teilnehmerinnen wohlfühlen und wertgeschätzt fühlen, wie das regelmäßige Würzburger Gründerinnen-Café.

Unterstützung für Gründerinnen in Bayern

Unterstützung erhalten Gründerinnen in Bayern neben der IHK unter anderem von Universitäten und Hochschulen. In Schwaben möchte der Female Founders Hub der Universität Augsburg Gründerinnen begleiten. In Mainfranken bieten neben der IHK, der Uni Würzburg und der Hochschule Würzburg-Schweinfurt auch mehrere regionale Anlaufstellen ihre Beratung an, etwa das Starthouse Spessart in Lohr. Die verschiedenen Anlaufstellen für Gründerinnen und Gründer haben sich bereits 2024 unter der Dachmarke „Gründen in Mainfranken“ zusammengeschlossen.

Gründerin: Keine Angst vor Selbständigkeit!

Bereut hat Corinna Müller ihren Schritt zur eigenen Physiotherapiepraxis nicht. Sie rät allen Frauen, an sich selbst zu glauben, sich Vorbilder und Hilfe zu holen. „Ich finde, es ist ein großartiger Schritt. Wir müssen keine Angst haben vor der Selbständigkeit.“

Der Erfolg gibt Gründerinnen übrigens recht: Wenn sie sich trauen, dann sind ihre Projekte in der Regel besser durchdacht und vorbereitet und dann auch langfristig erfolgreicher als die vieler männlicher Kollegen.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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