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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wissen > Hilferuf für die Mittelschule: Lehrer fordern mehr Unterstützung
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Hilferuf für die Mittelschule: Lehrer fordern mehr Unterstützung

Michael Farber
Zuletzt aktualisert 28. Januar 2026 09:47
Von Michael Farber
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4 min. Lesezeit
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„Ich bin von einem Sechstklässler gefragt worden, warum ich ’nur‘ Rektor einer Mittelschule bin“, sagt Florian Schmidt, Leiter einer Münchner Schule. Was Schmidt damit sagen will: Das Selbstbild von Mittelschülern ist schlecht. Laut Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), steht die Mittelschule viel zu selten im Rampenlicht. „Verdient hätten es die Kinder und die Kollegen aber.“

Inhaltsübersicht
Wertschätzung und RespektDialogformat „Mittelschulwerkstätten“Nachwuchsprobleme bei den LehrernBLLV: Fünf Forderungen an die Politik

Wertschätzung und Respekt

Fleischmann spricht in diesem Zusammenhang gern von einer „besonderen Schule für Kinder mit besonderen Herausforderungen“. Fast die Hälfte der fast 210.000 bayerischen Mittelschüler wachse mit einer anderen Muttersprache als Deutsch auf. Dazu kämen Kinder mit sozialen Auffälligkeiten, rund fünf Prozent der Mittelschüler hätten einen sonderpädagogischen Förderbedarf.

Für diese Arbeit, die die Pädagoginnen und Pädagogen dort täglich leisten, fordert Fleischmann mehr Wertschätzung und Anerkennung, besonders von Seiten der Politik. „Wir brauchen ein echtes Bekenntnis zu dieser Schulart. Wenn man diese Schulart beibehalten will, muss man die Mittelschule anders ausstatten.“

Dialogformat „Mittelschulwerkstätten“

Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) hat dafür eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, in der Ideen gesammelt und konkrete Maßnahmen entwickelt wurden. Bei vier Mittelschulwerkstätten hatten Schulleiter aus je zwei Regierungsbezirken die Möglichkeit, über diese Ideen zu diskutieren und ihr Feedback abzugeben. Beispiel: „flexible Stundentafel zur Stärkung der Basiskompetenzen“ oder „innovative Lehr- und Lernformen“. Laut Kultusministerium werden die Rückmeldungen der Schulleiter derzeit ausgewertet. Man werde die Ergebnisse in Kürze vorstellen.

Der BLLV ist enttäuscht von den Werkstätten. Simone Fleischmann beklagt, die Ministerin habe „nichts mitgebracht“. Insgesamt sei es ernüchternd gewesen. Das will die Kultusministerin auf BR24-Anfrage so nicht gelten lassen. „Die Kritik von Frau Fleischmann von mangelnder Wertschätzung meinerseits gegenüber unseren Mittelschulen weise ich entschieden zurück! Das Gegenteil ist der Fall, denn mir ist schon immer klar: Die Mittelschule ist eine großartige Schulart, ein felsenfestes Fundament der bayerischen Schullandschaft mit hervorragenden Lehrkräften und tollen Schülerinnen und Schülern.“

Nachwuchsprobleme bei den Lehrern

Das schlechte Image der Mittelschulen sorgt auch dafür, dass sich immer weniger Studierende für diese Schulart entscheiden. Laut BLLV hat die Zahl der Lehramtsstudenten seit 2014/2015 um 41 Prozent abgenommen. Deutlich stärker als für die Realschule (-17 Prozent) und das Gymnasium (-24 Prozent).

Dazu kommt laut BLLV, dass „das System nur deshalb funktioniert, weil die Leute über ihre Belastungsgrenze gehen“. Entsprechend hoch sei der Krankenstand, viele Kollegen nur begrenzt dienstfähig. Die Situation wird laut Lehrerverband durch das im aktuellen Haushalt vorgeschriebene Stellenmoratorium für dieses Jahr noch verschärft. Das bedeutet, dass für das Haushaltsjahr 2026 und damit für das Schuljahr 2026/27 keine neuen Stellen geschaffen werden können. Damit kann beispielsweise auch die gerade für die Mittelschulen wichtige Schulsozialarbeit nicht ausgebaut werden.

BLLV: Fünf Forderungen an die Politik

Am Montag stellte der BLLV auf einer Pressekonferenz seine fünf Forderungen in Richtung Politik vor:

  • Finanzieller Anschub: Mehr Geld für die Mittelschulen, um die Qualität zu verbessern. Teils aus dem Sondervermögen des Bundes, teils aus eigenen bayerischen Mitteln.
  • Stellenmoratorium aussetzen: Statt zu sparen brauche es jede Stunde, jeden Lehrer.
  • Attraktivität, Wertschätzung und Lehrergesundheit an oberster Stelle: Bessere Arbeitsbedingungen beispielsweise durch Unterstützungskräfte.
  • Förderlehrkräfte und Fachlehrkräfte als echte Fachkräfte sehen: Ausbildungskapazitäten steigern und Aufstiegsmöglichkeiten schaffen.
  • Schulleitungen entlasten: Bürokratie abbauen, mehr echte Leitungszeit ermöglichen.

Angesichts des Fachkräftemangels besonders im Handwerk dürften die Absolventen der Mittelschule auch in Zukunft hier gern gesehen sein. Im Jahr 2024 haben fast 23.000 junge Menschen die Mittelschule erfolgreich abgeschlossen. Fast 15.000 weitere haben sogar einen mittleren Schulabschluss geschafft.

 

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Von Michael Farber
Michael Farber ist ein erfahrener Journalist, der das Ressort Wissen der WirtschaftsRundschau leitet. Mit seiner Expertise in Wissenschaft und Technologie berichtet er über die neuesten Entwicklungen und Entdeckungen und bietet den Lesern spannende Einblicke in komplexe Themen.
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