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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Warkens „Hausarzt-zuerst“-Reform – Nicht nur Zustimmung
Wirtschaft

Warkens „Hausarzt-zuerst“-Reform – Nicht nur Zustimmung

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 28. Januar 2026 08:47
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geht einen weiteren Schritt in Richtung eines Hausarzt-Zuerst-Systems in Deutschland. Sie startete dazu am Dienstag einen Fachdialog mit Verbänden des Gesundheitssystems. Von der Reform würden alle Seiten profitieren, sagte Warken in Berlin. Es gehe um eine bessere, effizientere Versorgung mit kürzeren Wartezeiten sowie mehr Orientierung für Patienten. Spitzenvertreter der Bundesärztekammer, der gesetzlichen Krankenkassen und der Kassenärzte sicherten ihre Unterstützung zu. Allerdings gab es auch Kritik von verschiedenen Seiten.

Inhaltsübersicht
Zu wenig Hausärzte für „Hausarzt-zuerst“-System?Viel spricht für die ReformHausärzte sehen „digitale Ersteinschätzung“ kritischPatientenschützer warnen vor „Versorgungschaos“

Zu wenig Hausärzte für „Hausarzt-zuerst“-System?

Die schwarz-rote Koalition will ein verbindliches Primärarztsystem einführen, bei dem Patientinnen und Patienten in der Regel zuerst in eine Hausarztpraxis gehen. Diese soll sie bei Bedarf – und mit einem Termin in einem bestimmten Zeitraum – an Fachärzte überweisen. Kommen soll außerdem eine online-gestützte Einschätzung von Beschwerden noch vor Praxisbesuchen. Warken sagte, ein erster Gesetzentwurf solle bis zum Sommer erarbeitet werden. Die Hoffnung: Damit sollen Milliarden eingespart und die Zahl der unnötigen Arztbesuche verringert werden. Kritiker verweisen darauf, dass schon heute Hausärzte fehlten. Greifen solle das neue System dann voraussichtlich 2028. 

Die Vize-Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Stefanie Stoff-Ahnis, sagte, wichtig sei es, einen bedarfsgerechten Zugang zur ambulanten Versorgung sicherzustellen, was derzeit nicht immer so sei. Zentral dafür seien drei digitale Bausteine: elektronische medizinische Ersteinschätzung, elektronische Überweisung und digitale Terminvermittlung. Es gehe aber nicht darum, notwendige Arzt-Patienten-Kontakte einzuschränken.

Viel spricht für die Reform

Die Bundesärztekammer begrüßte den Dialog. Angesichts des demografischen Wandels und des zunehmenden Fachkräftemangels sei ein Umdenken dringend erforderlich, sagte Präsident Klaus Reinhardt. Er forderte eine beständige Einschreibung der Patientinnen und Patienten in eine Praxis. Ein intelligentes, praxistaugliches Ersteinschätzungsinstrument sollte die zielgerichtete Zuweisung in die jeweils geeignete Versorgungsform unterstützen.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, erklärte: „Ohne Frage können wir Effizienzgewinne heben. Aber das Primärversorgungssystem ist nicht das Instrument, um in kurzer Zeit hohe Kosten einzusparen. Es ist ein Langstreckenlauf.“ Gassen fügte hinzu, es solle kein „Flaschenhalssystem“ werden, das Menschen von der Versorgung fernhalte.

Hausärzte sehen „digitale Ersteinschätzung“ kritisch

Der Hausärzteverband warnte vor einer digitalen Ersteinschätzung für Patienten. Die Einführung eines Primärarztsystems sei grundsätzlich zu begrüßen, sagte der Vorsitzende Markus Beier der „Rheinischen Post“. Er stellte sich aber entschieden gegen die Idee der Krankenkassen, eine verpflichtende digitale Ersteinschätzung könne erste Anlaufstelle der Patientinnen und Patienten werden. Ein Primärarztsystem lebe von einer starken, verlässlichen Hausarzt-Patienten-Bindung. „Das kann kein Callcenter dieser Welt leisten.“

Patientenschützer warnen vor „Versorgungschaos“

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, warnte: „Die Pläne der Bundesgesundheitsministerin steuern Deutschland auf ein ambulant-ärztliches Versorgungs-Chaos zu.“ Keine Antwort habe Warken auf die Frage, wie digital unerfahrene Menschen eingebunden werden sollten.

Auch der Sozialverband VdK sieht das Primärversorgungssystem mit Skepsis und warnte davor, allein die Patientinnen und Patienten für zu viele Arztkontakte verantwortlich zu machen. „Die Ursache für zu viele Arztkontakte ist kein massenhaft praktiziertes ‚Ärztehopping‘, sondern ein auf Gewinnmaximierung ausgerichtetes System, das schlecht koordiniert ist“, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele.

Die Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbands, Carola Reimann, sagte, spätestens nach der Sommerpause müsse es von der Diskussion in die Umsetzung gehen, damit die Reform noch in dieser Legislatur verwirklicht werden könne.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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