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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Lügen von ganz oben“: Ist Putins Armeeführung „realitätsfern“?
Kultur

„Lügen von ganz oben“: Ist Putins Armeeführung „realitätsfern“?

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 29. Januar 2026 13:48
Von Uta Schröder
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4 min. Lesezeit
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„In diesem Krieg geht es längst nicht mehr um ‚Territorien‘. Es geht um das Gesetz der Trägheit, Angst vor Verantwortung und den Versuch, eine Niederlage um jeden Preis zu vermeiden. Wenn die Front langsamer voranschreitet als 1916, ist das keine militärische Operation mehr. Es ist eine Sackgasse ohne Ausweg“, so einer der mit 153.000 Abonnenten tonangebenden russischen Polit-Blogs [externer Link] zur derzeitigen militärischen Lage in Putins Angriffskrieg auf die Ukraine.

Inhaltsübersicht
„Heiß ersehnte Panzerdurchbrüche“„Putins Verhandlungsposition wankt“„Erstmal eine Zigarette anzünden“

Anlass für diese Meinungsäußerung ist eine neue Analyse des amerikanischen Center for Strategy and International Studies (CSIS) [externer Link], wonach Putins Armee seit Kriegsbeginn im Februar 2022 nur durchschnittlich 15 bis 70 Meter vorgerückt sei: „Dies ist langsamer als bei den brutalsten Offensiven des letzten Jahrhunderts, einschließlich der berüchtigten Schlacht an der Somme [1916] im Ersten Weltkrieg.“ Die russische Armee habe in der Ukraine bis jetzt 1,2 Millionen Soldaten verloren – „mehr als jede andere Großmacht in einem Krieg seit dem Zweiten Weltkrieg“, so die US-Experten.

Ihre Einschätzung: „Putin mag die hohen Opfer- und Todeszahlen in Kauf nehmen, weil die meisten dieser Soldaten aus Regionen wie dem Fernen Osten und dem Nordkaukasus stammen – und nicht aus politisch wichtigen Gebieten wie Moskau und St. Petersburg.“

„Heiß ersehnte Panzerdurchbrüche“

Kremlsprecher Dmitri Peskow zog die genannten Zahlen in Zweifel [externer Link]: „Ich glaube nicht, dass solche Berichte als verlässlich gelten können oder sollten.“ Nur die offiziellen Angaben des russischen Verteidigungsministeriums seien glaubwürdig, so Peskow.

Allerdings wunderte sich [externer Link] auch Kreml-Propagandist und „Politologe“ Sergei Markow darüber, dass es in letzter Zeit keine „großen Durchbrüche“ der russischen Armee gebe: „Die Gründe dafür sind unklar.“

Der ebenfalls kremlnahe Kommentator Juri Barantschik erklärte sich und seinen Lesern die Stagnation so: „Wie bereits mehrfach betont, geht es nicht um die Einnahme von Städten ‚auf einen Schlag‘ oder die heiß ersehnten ‚Panzerdurchbrüche‘, sondern um eine systematische Schwächung der Verteidigungskraft der Ukraine.“

„Putins Verhandlungsposition wankt“

So verständnisvoll zeigten sich viele russische Militärblogger nicht. Sie schimpfen teils heftig auf Putins Generalstabschef Waleri Gerassimow, dem „Schönfärberei“ der Lage an der Front vorgeworfen wird. Dessen Einschätzungen stammten aus einem „Paralleluniversum“, das „kaum noch Bezug zur objektiven Realität“ habe, so ein anonymer Militärblogger mit 621.000 Fans [externer Link].

Falsche Angaben über die angeblich eroberte Kleinstadt Kupjansk zerstörten den „Mythos vom unaufhaltsamen Vormarsch der russischen Armee“, urteilte ein weiterer russischer Beobachter [externer Link]: „Sie bringen Putins Position in den Friedensverhandlungen mit der Ukraine insgesamt ins Wanken. Der Image- und politische Schaden wiegt weitaus schwerer als der Verlust der Kontrolle über ein kleines Gebiet.“

„Erstmal eine Zigarette anzünden“

Andere Militärblogger spotteten über Gerassimow: „Nach so einem tollen Bericht sollten wir uns wohl erstmal eine Zigarette anzünden. Ganz leise.“ Bei Blogger Romanow (137.000 Fans) hieß es [externer Link]: „Die Unmöglichkeit, unsere eingekesselten Kämpfer im Zentrum von Kupjansk zu entsetzen, hält das Oberkommando nicht davon ab, ihre realitätsfernen Lagebeschreibungen fortzusetzen.“ TV-Propagandist Alexander Sladkow (740.000 Abonnenten) schrieb vielsagend [externer Link]: „Die Lage ist kompliziert. Ich persönlich halte mich an die offizielle Position.“ Sogenannte „Säuberungsaktionen“ seien jedenfalls mehr als „Passkontrollen“.

 

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Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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