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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Wirtschaft > Flatterband und ungültige Gutscheine: Galeria im Krisenmodus
Wirtschaft

Flatterband und ungültige Gutscheine: Galeria im Krisenmodus

Christin Freitag
Zuletzt aktualisert 16. Oktober 2026 13:47
Von Christin Freitag
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4 min. Lesezeit
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Es sind Wochen der Wahrheit für Galeria vor dem alles entscheidenden Weihnachtsgeschäft. Deutschlands größte Kaufhauskette kann seit Beginn der vierten Insolvenz nur noch im Notbetrieb weiterlaufen. Reicht das, um in den nächsten Wochen die Trendwende zu schaffen? Und welche Folgen hat das bereits jetzt für die Kunden?

Inhaltsübersicht
Geschäftsbetrieb kaum noch aufrechtzuerhaltenBei Gutscheinen faktisch nichts zu machenVertrauen bei Geschäftspartnern erreicht neuen TiefpunktProdukte können online nicht mehr in den Warenkorb gelegt werdenWiederholtes Insolvenzverfahren nur um Zeit zu gewinnen?

Geschäftsbetrieb kaum noch aufrechtzuerhalten

Für die Beschäftigten gibt es zum wiederholten Mal Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit, die praktisch die Lohnkosten vorläufig übernimmt. Trotzdem ist es zunehmend schwierig, den Geschäftsbetrieb in den Kaufhäusern und online aufrecht zu erhalten.

Der Notbetrieb hat auch Konsequenzen für die Kundschaft: Seit dem 2. Oktober werden keine Gutscheine mehr eingelöst. Zudem liegen weniger Waren aus, andere sind mit Absperrband blockiert.

Bei Gutscheinen faktisch nichts zu machen

Bei den Gutscheinen gibt es für Kunden zunächst wenig Handlungsmöglichkeiten. Verbraucherschützer weisen darauf hin, dass man nur hoffen könne, dass die Regelung wieder zurückgenommen wird und die Gutscheine nicht wertlos verfallen. Der einzige Weg, der sonst bleibe, ist laut Verbraucherzentrale Bundesverband, den Wert des Gutscheins als Forderung beim Insolvenzverwalter anzumelden.

Für Insolvenzverwalter haben solche Kundenforderungen wie die Einlösung von Gutscheinen in der Regel jedoch keine Priorität. Zahlreiche andere vorrangige Forderungen wie von Banken und Lieferanten stehen auf der Liste viel weiter oben. Außerdem könnte die Zuteilungsquote am Ende eines Insolvenzverfahren bei weniger als fünf Prozent liegen, sodass man für einen 20-Euro-Gutschein vielleicht einen einzigen Euro erwarten darf.

Vertrauen bei Geschäftspartnern erreicht neuen Tiefpunkt

Wie tief das Vertrauen bei Geschäftspartnern von Galeria gesunken ist, zeigt das Verhalten einiger Lieferanten nach der Eröffnung des nunmehr vierten Insolvenzverfahrens. Die Partner hatten Teile der Ware, die jetzt in den Kaufhäusern ausliegt, offenbar bereits unter Eigentumsvorbehalt geliefert. Es sollte ihnen nicht ähnlich gehen wie den Besitzern der Gutscheine. Damit der Verkaufserlös ihrer Lieferungen nicht ebenfalls in der Insolvenzmasse landet, blieben diese Waren bis zur vollständigen Bezahlung im Eigentum des Handelspartners.

Um zu verhindern, dass sie am Ende kein Geld sehen, erlauben einige Lieferanten Galeria den Verkauf also nur noch gegen Vorkasse. Aber reicht das Geld in der Kasse dafür auch aus? Absperrbänder in den Filialen zeigen an, wo Lieferanten von ihrem sogenannten Aussonderungsrecht Gebrauch machten, um Ware nach der Auslieferung noch zu blockieren, wenn es bei Galeria Probleme mit der Bezahlung gibt oder geben könnte.

Produkte können online nicht mehr in den Warenkorb gelegt werden

Im Netz sind beispielsweise Spielwaren, Haushaltswaren oder Schuhe gewisser Marken genannt. Sobald die Lieferung bezahlt ist, kommen die Absperrbänder wieder weg und ein Verkauf kann stattfinden.

Dasselbe gilt in anderer Form für einige Waren im Onlineshop von Galeria. Einige Produkte können dort auf der Homepage nicht mehr in den virtuellen Warenkorb gelegt werden, weil sie nicht mehr verfügbar sind. Im Internet gibt es keine Absperrbänder wie in einigen Galeria-Kaufhäusern. Aber der Effekt ist derselbe: Als Kunde kann ich damit nicht mehr zur Kasse gehen.

Wiederholtes Insolvenzverfahren nur um Zeit zu gewinnen?

Das Weihnachtsgeschäft bis zum Jahreswechsel gilt als eine Art letzte Chance. Die wollen die Eigentümer von Galeria nutzen, um es anschließend im Januar in das eigentliche Insolvenzverfahren zu schaffen. Im Moment läuft noch das vorläufige Verfahren für eine Zeit von bis zu drei Monaten.

Der Großteil von rund 12.000 Beschäftigten der verbliebenen 83 Kaufhäuser ist von diesem Verfahren betroffen, für sie gibt es allerdings auch schon Kürzungspläne. Im Gespräch ist die Schließung von 33 Standorten, darunter fünf in Bayern. In der engeren Wahl stehen dabei die Filiale in München am Rotkreuzplatz, wo der Mietvertrag mittelfristig endet. Ähnlich ist die Situation in Aschaffenburg sowie in Bayreuth, Würzburg und Memmingen.

 

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Christin Freitag ist eine erfahrene Wirtschaftsjournalistin und Analystin, die sich auf Finanzmärkte, Unternehmensstrategien und Wirtschaftspolitik spezialisiert hat. Mit über 10 Jahren Erfahrung liefert sie fundierte Analysen und tiefgehende Einblicke für die Leser der WirtschaftsRundschau.
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