Die Nacht im Gay Club, die alles veränderte
Es könnte daran liegen, dass ihrer Musik noch die Ehrlichkeit fehlt. Heute ist Chappell Roan für explizit lesbische Songtexte bekannt, aber 2017 fehlt die Queerness in den Texten. Sie zieht 2018 nach Los Angeles, wo endlich erfolgreiche Musik entstehen soll. Und dann ist da diese Nacht im The Abby, einem legendären Gay Club in West Hollywood. Hier erlebt sie zum ersten Mal queere Selbstverständlichkeit, Freiheit und Community – ein Schlüsselmoment.
Diese Erfahrung verändert alles. Jetzt schreibt sie kompromisslos ehrlich, die neuen Songtexte handeln von queerer Liebe und Beziehungen – und vom Leben jenseits der Erwartungen ihrer Heimat. Aus Kayleigh wird Chappell Roan.
„Pink Pony Club“ und die Geburt eines neuen Popstars
Das Ergebnis dieser inspirationsvollen Nacht ist eine neue Single: „Pink Pony Club“ erscheint 2020 und darin besingt Chappell Roan ihre Erfahrungen in dem Gay Club. Zwar führt der Song nicht zum sofortigen Erfolg, öffnet ihr aber neue Türen. Es entstehen weitere Singles, Chappell geht mit Olivia Rodrigo auf Welttournee und 2023 ist es dann endlich soweit: Ihr erstes Album erscheint – „The Rise and Fall of a Midwest Princess“.
Der Durchbruch: Sapphic Pop im Mainstream
Ein Rekordpublikum beim Lollapalooza-Festival, gefeierte Tourneen und ein Grammy im vergangenen Jahr als beste neue Künstlerin – Chappell Roan wird zum Pop-Star. Mit ihrem Erfolg gelingt ihr erstmals etwas, das lange als unmöglich galt: explizit lesbische Popmusik fest verankert im Mainstream. Ob als bewusste Marktlücke oder echte Revolution – fest steht, dass Chappell Roan den Weg für Sapphic Pop neu definiert hat. Also Popmusik, die von queeren Frauen für queere Frauen geschrieben wird. Mit Songs, die sich nicht nur, aber häufig, um Beziehungen zwischen Frauen drehen. Diese eine Nacht im Gay Club hat also nicht nur ihr Leben verändert, sondern den Pop gleich mit.

