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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > „Wuthering Heights“: Große Gefühle, aber wenig Emily Brontë
Kultur

„Wuthering Heights“: Große Gefühle, aber wenig Emily Brontë

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 13. Februar 2026 13:48
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Emerald Fennell’s „Wuthering Heights“ beginnt mit einem Stöhnen. Eine Szene, die direkt erahnen lässt, was für eine Art Buch-Adaption hier vorliegt. So wie das Dorf einem Mann bei seinem Todeskampf am Galgen zusieht, sich vor seinem erigierten Penis ekelt und sich über seine Lüsternheit lustig macht – so ergeht es auch den Zuschauern, die sich in diesen Film hineinwagen. Emerald Fennell macht uns zu Voyeuren. Es geht um fleischliche Lust, verhohlene Gedanken und den Tod.

Inhaltsübersicht
Projektion über Textverständnis?„New Adult“-Literatur als FilmLüstern und etwas hohl

Um das direkt festzuhalten: „Wuthering Heights“ hat wenig mit dem größten und emotional gewaltvollsten Gothic-Roman der Literaturgeschichte zu tun – „Sturmhöhe“ von Emily Brontë. Deswegen ist auch der Titel von „Wuthering Heights“ bewusst in Anführungszeichen gesetzt. Smart. Doch diese Anführungszeichen müssen einiges tragen. Der Film ist weit vom Buch entfernt und fungiert eher als eine Art Fan-Fiction über die Hauptcharaktere Heathcliff und Cathy. Eine feuchte Fantasie aus der Feder eines horny Teenagers.

Projektion über Textverständnis?

In einem Interview erklärt Emerald Fennell selbst, sie hätte das Buch so verfilmt wie sie sich das als Teenagerin vorgestellt hätte. In der Umsetzung bedeutet das: Sie nimmt der Original-Geschichte ihre Komplexität. Fennell ignoriert nicht nur den kompletten zweiten Teil und zahlreiche Charaktere, sondern streicht auch viel vom sozialen Kommentar. Zum Beispiel wird der Hauptcharakter Heathcliff im Original deutlich als nicht-weiß beschrieben und auch immer wieder im rassistischen Kontext abgewertet und misshandelt. Emerald Fennell aber besetzte Heathcliff lieber mit dem Brad Pitt der Gen-Z: Jacob Elordi, einem weißen Mann.

Auch eine tiefergehende Auseinandersetzung mit der Klassengesellschaft bleibt aus. Stattdessen fügt Emerald Fennell eine ganz neue Ebene zur Story hinzu: Sie stellt die emotionale Folter aus dem Buch heraus und bildet sie in Form von BDSM ab. Eine Form der erotischen Praktik, die eigentlich auf gegenseitigem Einverständnis beruht. Hier wählt die Regisseurin deutlich Projektion über Textverständnis. Denn im Original erzählt „Sturmhöhe“ eigentlich, wie vermeintliche Liebe als Ausrede genutzt wird, um Gewalt und Ausbeutung zu legitimieren.

All das ist sicherlich eine Entscheidung. Und je nachdem, wo einem das Herz schlägt – für substanzielle Literatur oder für die große Romantik – könnte man die als mutig oder schlicht faul bezeichnen, als feuchten Träume-Spielplatz einer privilegierten, weißen Frau.

„New Adult“-Literatur als Film

Doch dann gibt es noch einen anderen Blickwinkel. Wir leben in dunklen Zeiten. Zwischen den Epstein-Files, Krieg und drohenden Naturkatastrophen, ist es also die Flucht aus der Realität. Wahrscheinlich ist genau das auch ein treibender Grund dafür, dass die große Romantik wieder zurückkehrt – ins Kino und in die Literatur.

Wenig reißt einen so gut aus der Realität wie eine komplett unrealistische Liebesgeschichte. Und über die letzten Jahre hat sich dazu sogar eine eigene neue Literatur-Sparte entwickelt: New Adult. Bücher für die jüngere, größtenteils weibliche Lesegeneration, mit jungen Protagonistinnen und Protagonisten, Fokus auf Romance, und intenser Emotionalität – oftmals auch ganz schön dunkel.

„Wuthering Heights“ scheint wie New Adult in visueller Form. Zielgruppe: jung, weiblich und horny. Emerald Fennell weiß, was viele heute sehen wollen. Nicht ohne Grund erinnert das Filmplakat zu Wuthering Heights an Schnulzen-Klassiker wie „Vom Winde verweht“ oder „Die Brücken am Fluss“. In einem Akt der Gen-Z-Anarchie ignoriert die Regisseurin große Teile der Buchvorlage und macht ihr eigenes Ding draus. Ein ganz schön lüsternes Ding.

Lüstern und etwas hohl

Je mehr sich zum Ende hin die Farbe Rot über den Bildschirm ausbreitet, desto mehr quillt auch die Liebe heraus aus Heathcliff und Cathy. Die Zuschauenden bleiben erschüttert zurück. Emotional aufgerissen, aber auch mit einem Gefühl der Leere. Wie nach einem One-Night-Stand, den man im Eifer eingegangen ist, nach dem Orgasmus aber sofort bereut. Der Film fühlt sich eben doch etwas hohl an. Und da hilft leider auch der grandiose Soundtrack nichts, den Pop-Ikone Charli xcx gemeinsam mit Komponist Anthony Willis eigens dafür produziert hat.

 

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Von Uta Schröder
Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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