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WirtschaftsRundschau > Nachrichten > Kultur > Adele schlüpft ins „Dirndl“: Wenn die KI die Brezn backt
Kultur

Adele schlüpft ins „Dirndl“: Wenn die KI die Brezn backt

Uta Schröder
Zuletzt aktualisert 9. Juli 2024 17:01
Von Uta Schröder
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5 min. Lesezeit
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Münchner Zeitungen, die grundsätzlich höchst voreilig sind, wenn es um die Wiesn geht, haben ja kürzlich den glamourösen Start in die „Trachtensaison“ ausgerufen, wo die ein oder andere Besucherin ihre Dirndl-Schleife tatsächlich wieder auf dem Rücken verknotete und damit im folkloristischen Abseits landete. Weiß doch jeder: Wer die Schürze rechts bindet, ist vergeben, wer die Schleife links trägt, signalisiert beziehungsmäßig Entdeckerfreude.

Inhaltsübersicht
Auf „Sound-of-Music“-AbwegenBlickdichte FassbrauseKein Rodeo in Kansas

Die britische Popsängerin Adele ließ sich diesbezüglich allerdings nicht in die Karten schauen: Zwar „besorgte“ sie sich auf die Schnelle im KI-Stadel ein bodenständiges Outfit, das wohl für Dirndl-Ambiente sorgen soll, aber bei näherer Betrachtung erinnert es eher an russische Matrjoschka-Puppen oder einen böhmischen Shopping-Kanal.

Auf „Sound-of-Music“-Abwegen

Dabei ist sogar ein Dirndl „Adele“ im Angebot, bei dem nach Angaben des Herstellers „Geld, Schlüssel und Handy“ in tiefen Rocktaschen verstaut werden können, was die britische Pop-Königin gewiss zu schätzen weiß, wo sie in München doch beide Hände für die VIP-Karten-Inhaber freihaben muss. Allerdings dürfte ihr die „lebhafte und frische“ Farbe Grau zu wenig ausdrucksstark sein, selbst, wenn ihre Tänzer mit der passenden Weste „Anton“ auftreten sollten.

Womöglich hat sich die Künstliche Intelligenz auf der Suche nach PR-tauglichen Bayern-Requisiten in Hollywood verlaufen. Dort wurde ja bekanntlich 1965 der Drei-Stunden-Film „Meine Lieder – meine Träume“ gedreht, besser bekannt unter dem Originaltitel „Sound of Music“. Die mit Oscars überschüttete Produktion ernährt bis heute maßgeblich Salzburgs Tourismus-Branche.

Blickdichte Fassbrause

Hauptdarstellerin Julie Andrews stöckelte mit ihrer leidgeprüften Trapp-Familie darin tapfer über den Untersberg, auf der Flucht vor den Nazis, und jodelte sich nebenbei in die Herzen amerikanischer Alpen-Fans. In Deutschland war der Film kein Erfolg, einerseits, weil man damals im Gute-Laune-Kino keine singenden Nazis sehen wollte, andererseits, weil die Musik zu ironisch und die Kostüme zu „campy“ waren. Sie wurde ja teilweise aus Vorhangstoff angefertigt.

Erstaunlich, wie selbstironisch Adele den Sound-of-Music-Look bei ihrem neuesten Instagram-Gig auf die Spitze getrieben hat. Die Begleit-Brezn, die der Algorithmus aus dem Backofen zog, erinnern mehr an eine Achterbahn in Atlantic City als eine bayerische Wirtshausspezialität. Und der Henkel am gläsernen Maßkrug wirkt ganz so, als ob er sich vor Hopfen und Malz in Sicherheit bringen will, so verformt, wie er ausschaut. Die gute Laune von Adele bleibt dabei völlig ungetrübt, ganz im Gegenteil zur blickdichten Fassbrause, die sich unter dem Motto „Pack ma’s“ ins Bild geschlichen hat. Entsprechend frohgemut sind die Kommentare: „Bei diesen Fotos dürften Fans stutzig werden.“ (Abendzeitung)

Kein Rodeo in Kansas

Die weiß-rote Rüschenbluse, mit der Adele auftrumpft, könnte aus einem Western entliehen sein, wie auch der rosa Cowboy-Hut, den sie als „Wiesn-Bedienung“ durch ein vermeintliches Festzelt trägt. Nur die blonden Zöpfe verraten, dass es sich nicht um ein Rodeo in Kansas handelt. Aber wer hat die vielen Flaschen in den Bild-Hintergrund gemogelt? Wird auf der Wiesn neuerdings wirklich mehr Spezi konsumiert als Frischgezapftes? Scheint ganz so, dass die Marke „Oktoberfest“ von der Stadt München wirklich dringend vor der KI geschützt werden muss, sonst schrumpfen die Gläser eines Tages noch auf Kölsch-Format (0,2 l).

Mit Spitzenklöppelei scheint die heutige Computertechnik ebenfalls noch Probleme zu haben, was die einen tröstlich, die anderen bedauerlich finden werden: Die entsprechenden Verzierungen an der Bluse sehen auf dem Foto aus, als ob Rembrandt in allerhöchster Eile spanische Halskrausen gepinselt hat, ohne sich um Konturen zu scheren. So oder so hat Adele mit ihrem dreifachen „Prosit auf die KI“ einen viel diskutierten PR-Coup gelandet. Ganz so lustig wie Monty Pythons Sketch „Bavarian Restaurant“ mögen die skurrilen Instagram-Shots nicht sein, aber von britischem Humor zeugen sie auf jeden Fall.

Bei Monty Python hatte es noch gebieterisch geheißen: „We are sitting down in Bavaria.“ Bei Adele wäre wohl passender: „Ja, do legst di nieder.“

 

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Uta Schröder ist eine versierte Kulturjournalistin und leitet das Ressort Kultur der WirtschaftsRundschau. Mit ihrem umfassenden Wissen und ihrer Leidenschaft für Kunst und Kultur bietet sie tiefgehende Analysen und spannende Einblicke in die kulturelle Landschaft.
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