Wenn am 12. August gegen Abend die partielle Sonnenfinsternis ansteht – in Nordspanien, auf Island und Grönland ist sie sogar total –, sind vielerorts in Bayern spezielle Events geplant, so wie in der Volkssternwarte in München, das schon lange ausverkauft ist. In früheren Jahrhunderten unvorstellbar. Sonnenfinsternis galt lange Zeit als göttliches Zeichen für bevorstehendes Unheil.
Astro-Tourismus und Public Viewing
Die totale Sonnenfinsternis am 12. August wird nur über Grönland, Island und Spanien zu sehen sein. Über Bayern wird es nur eine partielle Finsternis geben – aber der Mond verdeckt bis zu 89 Prozent der Sonne, das ist mehr als bei der letzten partiellen Sonnenfinsternis 2015. Damals durften Schulkinder die Gebäude nicht verlassen, um nicht durch ungeschützte Blicke auf die Sonne Gesundheitsschäden davonzutragen.
Dieses Mal werden auf den Tourismusseiten vieler deutscher Großstädte Aussichtspunkte und Rooftop-Bars empfohlen, im Alpenvorland bieten Bergbahnen Sonderfahrten an, andernorts werden Leinwände fürs Public Viewing aufgestellt.
Mittlerweile hat sich auch ein sogenannter „Astro-Tourismus“ etabliert. Reiseveranstalter bieten Gruppenreisen in Regionen an, in denen die Sonnenfinsternis am besten zu sehen ist. Im Norden Spaniens werden spezielle Bootstouren angeboten und mancherorts werden Balkonplätze für mehrere hundert Euro vermietet. Auch viele Deutsche machen gerade deshalb dieses Jahr Urlaub in Spanien.
Sonnenfinsternis 1999 war auch ein Medienspektakel
In Bayern gab es im August 1999 die letzte totale Sonnenfinsternis – damals schon ein viel größeres Medienspektakel als die partielle Sonnenfinsternis in diesem Jahr. Wochenlang hatten sich damals Menschen darauf vorbereitet, viele erinnern sich heute noch an das „krasse Erlebnis“. Im BR-Archiv finden sich viele solche Berichte: „Ich war am Monopteros im Englischen Garten und ich dachte, die Leute sind ganz verrückt und die Götter kommen gleich auf die Erde“. Oder: „Der Weltuntergang ist noch einmal an uns vorbeigegangen.“
Antike: Sonnenfinsternis als göttliches Zeichen
Die Sonnenfinsternis – ein gesellschaftliches Event: Dabei glaubten Menschen seit der Antike, eine Sonnenfinsternis sei ein göttliches Zeichen, das kommendes Unheil ankündigt. Während eine Sonnenfinsternis heute auf die Sekunde vorhergesagt wird, kam sie in der Antike total überraschend, am helllichten Tag aus dem Nichts.
Für die Menschen damals muss es ein „verstörendes Ereignis“ gewesen sein, sagt Martin Wallraff, Kirchenhistoriker an der LMU in München. „Wenn die Sonne, von der das Leben komplett abhängt, sich unerwartet tagsüber verfinstert, obwohl keine Wolke da ist, dann ist das schon ein sehr einschneidendes Erlebnis.“
Sonnenfinsternis: Kriege endeten und Könige starben
Eine totale Finsternis 585 vor Christus soll laut den Überlieferungen nach im Krieg zwischen den Lydern und Medern zum Frieden geführt haben, weil beide Parteien die schlagartige Dunkelheit als Himmelszeichen deuteten. König Psammetich I. soll im siebten Jahrhundert vor Christus während einer Sonnenfinsternis gestorben sein, genauso wie Kaiser Otto I. 968. Auch dies wurde als Omen gedeutet.
In der Bibel wird mit einer Sonnenfinsternis auch der göttliche Wille ausgedrückt, sagt Kirchenhistoriker Martin Wallraff: „Das ist am prominentesten der Fall bei der Kreuzigung Jesu, wo dann, als er stirbt am Kreuz, sich die Sonne verfinstert.“ Es gab Versuche, mit Hilfe astronomischer Berechnungen die Kreuzigung Jesu zu datieren – fraglich ist nur, ob die Sonnenfinsternis nicht eher als literarisches Motiv eingesetzt wurde. Denn seit Jahrhunderten nutzen Künstler eine Finsternis als Symbol für die dunkle Seite der menschlichen Seele, wie etwa bei Paul Rubens oder dem österreichischen Maler Egon Schiele.
Tatsächlich erleben Menschen meist nur einmal in ihrem Leben eine totale Sonnenfinsternis. In Bayern wird die nächste totale Sonnenfinsternis erst wieder im Jahr 2081 erwartet. Dann werden viele, die 1999 dabei waren, wohl nicht mehr leben.

