Noch liegen die Knochen des Sauriers auf einem schrägen Podest im Museum. Dort werden sie derzeit von Verena Jahnke und ihren Kolleginnen wie in einem „großen 3D-Puzzle ohne Anleitung“ zusammengefügt. Bis zu 80 Prozent der versteinerten Knochen, so schätzt die 42-jährige Mitarbeiterin in der Paläontologie des Museums, sind im Original erhalten. Die fehlenden Stücke werden im 3D-Drucker nachgebildet und dann im Skelett verbaut.
Gefunden wurde der Langhalssaurier 2008 von Raimund Albersdörfer in Wyoming/USA. Der Paläontologe ist Mitgründer des Dinosaurier Museums Altmühltal, das in diesen Tagen zehn Jahre alt wird. Die ersten Knochen hatte Albersdörfer mit seinem Team geborgen, in den folgenden Jahren hat eine Gruppe von Schweizer Paläontologen den Dinosaurier ausgegraben. Etwa 15.000 Stunden Arbeit stecken bereits in der Präparation der Knochen. Das Skelett gehört dem Naturhistorischen Museum der Universität Zürich.
2027 soll er auf einem Gestell auferstehen
Im Rahmen einer Kooperation wird das Skelett jetzt erstmals rekonstruiert und bis etwa Ende des Jahres liegend im Museum in Denkendorf zusammengefügt. Dabei können die Besucherinnen und Besucher zusehen und den Fortschritt miterleben. Im kommenden Jahr will die Museumstechnik dann ein Gestell anfertigen und den 25 Meter langen Saurier aus der Familie der Sauropoden wieder auferstehen lassen.
Bereits jetzt wissen die Forscher viel über das Tier. Der Pflanzenfresser ist nur 16 Jahre alt geworden, so Nils-Lennart Völker, Juniorchef des Museums. Warum der Saurier gestorben ist, darüber gibt es bislang keine Klarheit. Er weist drei Verletzungen an seinem Skelett auf, die allerdings nicht lebensbedrohlich waren. So gibt es am langen Schwanz eine Verknöcherung, die entstanden sein kann, weil der Schwanz gebrochen war – zum Beispiel bei einem Kampf mit einem T-Rex, mutmaßt Verena Jahnke. Weitere Erkenntnisse über das Tier erhoffen sich die Experten während der Arbeit mit dem Skelett. Parallel sind auch mehrere wissenschaftliche Arbeiten geplant, zum Beispiel zur Ernährung des Sauropoden.
Ehrfurcht vor dem Dinosaurier
Die gelernte Schreinerin arbeitet seit einigen Jahren im Museum und liebt ihre Aufgabe: „Es ist alles einzigartig, es hat mal gelebt. Das ist ja schon unvorstellbar. Das so etwas Riesiges einmal auf der Erde gewandelt ist, das ist ja schon faszinierend. Ich habe Ehrfurcht vor diesen Dingen, die ich anfassen darf. Das sind 156 Millionen Jahre alte Fossilien, die ich präparieren darf.“
Im Freigelände des Museums kann man das Modell eines Langhalssauriers in Originalgröße bewundern. Dort erzählt Nils-Lennart Völker dass der Dinosaurier zwar schon geschlechtsreif, aber noch nicht ausgewachsen war. Man könne sich vorstellen, dass er noch größer geworden wäre. Im Museum wolle man an diesem Beispiel auch erzählen, wie die Fundstelle und der Dinosaurier entdeckt wurden, wie die Grabung organisiert werde und wie man die Knochen aus dem Gestein, der sogenannten Matrix herauslöse. Seinen Namen „Arapahoe“ hat der Saurier aus Respekt von den Indianern bekommen, auf deren Stammesgebiet er gefunden wurde.

