Trauminseln mit Palmen, türkisblaues Wasser, Tauchen mit Delphinen und Haien: So sah lange Stephans Leben als Tauchlehrer aus. Heute leitet er eine Tauchschule am Schladitzer See bei Leipzig. Er hält Theorie- und Praxiskurse, kümmert sich um die Tauchausrüstung und begleitet seine Schüler und Schülerinnen auf Tauchgänge.
Dabei behält er sie immer im Auge, um bei Problemen frühzeitig einzugreifen. Denn ein falscher Schritt kann unter Wasser fatale Folgen haben: „Man muss beim Tauchen immer achtsam sein – auch erfahrene Taucher, denn in Routinen können sich Fehler einschleichen.“ Bei seinen Kursen hilft Stephan neben seiner Ausbildung zum Tauchlehrer auch seine Erfahrung mit über 6.800 Tauchgängen. Etwa 300 Tauchgänge macht er jedes Jahr, in der Hochsaison zwei pro Tag.
Arbeiten, wo andere Urlaub machen
Stephan war schon immer sportbegeistert: Deshalb studierte er zunächst Sport und machte parallel eine Ausbildung zum Tauchlehrer. Die Arbeit als Tauchlehrer gefiel ihm so gut, dass er sein Studium letztendlich abbrach, um sich ganz auf das Tauchen zu konzentrieren. 2005 zog es ihn nach Ägypten, wo er als Angestellter ein Tauchcenter am Roten Meer leitete.
Die viele Organisation und Büroarbeit, teilweise mit bis zu 50 Angestellten, führten dazu, dass er kaum noch selbst tauchen konnte. Da Stephan die regelmäßigen Tauchgänge vermisste, entschied er sich nach sieben Jahren, die Leitungsposition aufzugeben, um als Tauchlehrer in der Karibik zu arbeiten. Drei Jahre verbrachte er auf den Inseln Saba und Bonaire. Ab 2015 verschlug es ihn auf ein Kreuzfahrtschiff. 2018 ging es für ihn zurück nach Deutschland: Am Schladitzer See in der Nähe von Leipzig ist er sowohl Tauchlehrer als auch Leiter einer Tauchschule.
Tauchtourismus: Im Durchschnitt 1.800 Euro für Tauchurlaub
Nicht nur Stephan ist vom Tauchsport begeistert: Laut der Studie „Tauchen in Zukunft“(externer Link) aus dem Jahr 2024, beauftragt vom Tauchsport-Industrieverband tiv und der Messe Düsseldorf, gibt es in Deutschland etwa 450.000 bis 500.000 Taucher und Taucherinnen.
Vor allem Neueinsteiger bei Schnupperkursen und Erstausbildungen sorgen für Aufwind, 2023 belegten rund 50.000 Taucher Erstausbildungen. Vor allem das Rote Meer, das Mittelmeer und der Indische Ozean sind beliebte Tauchspots: Durchschnittlich geben Gelegenheitstaucher und -taucherinnen 1.800 Euro im Jahr für entsprechende Reisen aus.
Vom Vollzeitjob in der Karibik zum Saisonarbeiter in Deutschland
Stephan ist als Saisonarbeiter angestellt, weil im Winter für das Tauchgeschäft in Deutschland zu wenig Nachfrage herrscht. Deshalb hat er für neun Monate im Jahr einen befristeten Vollzeitvertrag, in den drei Monaten dazwischen ist er arbeitslos und bezieht Arbeitslosengeld. Ein gängiges Modell bei solchen Saisonjobs, auch in der Gastronomie, in der Baubranche und generell im Tourismus.
Was verdient ein Tauchlehrer?
Als angestellter Leiter der Tauchschule verdient Stephan 3.060 Euro brutto im Monat. Netto bleiben ihm 2.095 Euro. Nach Abzug eines E-Dienstwagens und eines digitalen Gutscheins landen 1.934 Euro auf seinem Konto. Hinzu kommen besondere Ausgaben: Für ein Kombipaket aus Berufsunfähigkeits- und Rentenversicherung zahlt er 570 Euro monatlich, um die Zeiten im Ausland ohne deutsche Rentenbeiträge abzusichern und das Risiko einer Berufsunfähigkeit als Tauchlehrer abzudecken. Während der drei Monate Arbeitslosigkeit zwischen den Saisons bezieht er Arbeitslosengeld, zuletzt 1.097 Euro. Insgesamt arbeitet er in der Hochsaison sechs Tage pro Woche, oft zehn bis zwölf Stunden täglich.
„Beim Tauchen finde ich inneren Frieden – ich hätte genauso gut als Schildkröte geboren werden können“, beschreibt Stephan seine Leidenschaft für den Beruf. Auch finanziell zahlt sich seine Berufung aus: So gut wie heute habe er noch nie verdient, erzählt er.

